Volksbank zieht Bremse: Korrekturzins für Sparer

Die Folgen der Niedrigstzinsen bekommen nun auch Tausende Sparer zu spüren. Als erstes Geldinstitut der Region geht die Volksbank Nordoberpfalz an bestehende Sparverträge ran: Sie kündigt die bisher proppere Verzinsung der sogenannten Zielspar-Pläne.

Weiden. (cf) Ende vergangenen Jahres erhielten annähernd 6000 Zielsparer der Volksbank Nordoberpfalz die Mitteilung, dass die "freiwillige Deckelung" beim Zinssatz nicht mehr zu leisten sei. "Wir werden deshalb ab 2014 die Zinssenkungen vornehmen und die Vertragsrendite den Marktverhältnissen anpassen." Dieser "Korrekturzins" führt zu einer deutlichen Absenkung: von bis zu 2,7 Prozent auf 1,25 Prozent, die allerdings bis 2020 garantiert werden. Etwa 60 Prozent der "Zielsparer" stimmten nach Auskunft von Direktor Gerhard Ludwig bisher zu.

Das Kleingedruckte erlaubt bei den meisten Zielspar-Verträgen die Anpassung an "veränderte Marktverhältnisse" durch einen "Referenzzinssatz". "Wir hätten die Korrektur schon vor Jahren vornehmen sollen", verweist Direktor Ludwig darauf, dass Tagesgeld derzeit lediglich mit 0,05 Prozent verzinst werde und sich die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen nur noch bei 0,40 Prozent bewege. "Unsere garantierten 1,25 Prozent liegen damit deutlich über dem Marktniveau." Dem Vernehmen nach musste die Volksbank Nordoberpfalz die Zielspar-Verträge jährlich mit mehreren 100 000 Euro subventionieren. Ludwig räumt einen hohen Zuschuss auf Kosten des Betriebsergebnisses ein. "Das hätte unsere Bank auf Dauer erheblich belastet."

Nach NT/AZ-Informationen entfachte das Schreiben vom "Korrekturzins" einen Proteststurm bei den Zielsparern. Die Volksbank selber spricht von "unterschiedlichen Reaktionen", "nur ein Bruchteil der Kunden hat reklamiert". Die unserer Zeitung vorliegenden Briefe und Mails sowie die verschiedenen "Musterbriefe" der Volksbank an aufgebrachte Kunden sprechen jedoch für sich.

Zurückstecken und sich für den "Fehler" (des Korrekturzinses) entschuldigen, musste sich die Volksbank bei den Inhabern von mehr als 10 Jahre alten Zielspar-Verträgen: Da diese Alt-Verträge ohne Wenn und Aber einzuhalten sind, haben in mehreren Hundert Fällen die Konditionen weiterhin Gültigkeit. Einigen Kunden wurde auch "aus Kulanzgründen" der bereits 2014 belastete "Korrekturzins" wieder erstattet.

"Keine andere Wahl"

Gerhard Ludwig macht keinen Hehl daraus, dass ihn diese Vorgänge massiv belasten. "Die Verärgerung unserer langjährigen, treuen Kunden ist nachvollziehbar. Aber uns blieb keine andere Wahl. Eine andere Zinsentwicklung wäre uns lieber gewesen." Die Volksbank Nordoberpfalz wolle schließlich weiterhin stabil wachsen - "und die Region finanzieren".

Unangetastet bleiben bei den bis zu 25 Jahre laufenden Zielspar-Verträgen die Boni auf die Jahresbeiträge. Sie betragen in den letzten 7 Jahren 100 Prozent. Trotzdem büßt ein Zielsparer - mit Zins und Zinseszins - über die lange Laufzeit eine vierstellige Summe ein: bei einer monatlichen Sparrate von 100 Euro.
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