Volkswagen wirbt bei Aktionären um Rückhalt
Demut und Reformwillen

Der Markenvorstand Volkswagen-PKW, Herbert Diess.
 
Der VW-Konzern ist durch den Abgas-Skandal angeschlagen. Aber es sollen wieder bessere zeiten kommen. Im Bild ein Besucher der Hauptversammlung, der mit einem Rollator an einem VW Tiguan vorbeigeht. Bilder: dpa (2)

Die Diesel-Krise hat den VW-Konzern auf den Kopf gestellt. Vor den Aktionären muss der Vorstand diesmal über Themen reden wie Schuld, Versäumnisse und falsche Ziele, nicht über Milliardengewinne und Rekorddividenden. Konzernboss Müller bittet um Treue statt Vertrauen.

Hannover. Der VW-Konzern hat mit einer Mischung aus Demut und Reformwillen bei seinen Aktionären um Rückhalt für den Weg aus der Abgas-Affäre geworben. "Unser Konzern verfügt über Qualitäten, die nicht über Nacht verloren gegangen sind", sagte Vorstandschef Matthias Müller am Mittwoch auf der VW-Hauptversammlung in Hannover. Der Nachfolger des im Abgas-Skandal zurückgetretenen Vorstandschef Martin Winterkorn nannte als Ziele wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit, mit der der Autobauer zum Dienstleister für Mobilität werden wolle. Müller versprach den Aktionären: "Wir werden gestärkt aus dieser Situation hervorgehen."

Vorwürfe gegen Pötsch


Der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch sagte: "Volkswagen steht in diesen Tagen vor der größten Bewährungsprobe seiner Unternehmensgeschichte." Als zentrale Punkte für den Weg aus der Krise nannte er neben der Aufklärung der Affäre die Einigung mit den Behörden und Klägern in den USA. Pötsch warb zudem um Verständnis für den bisher fehlenden Zwischenbericht über die Aufklärung der Abgas-Krise. Hintergrund sei die nötige Rücksicht auf eine Einigung mit den Behörden in den USA. Die Gemengelage bei den dortigen heiklen Verhandlungen mache eine öffentliche Transparenz mit Details zu den bisherigen internen Ermittlungen unmöglich.

Vorstand und Aufsichtsrat mussten sich erwartungsgemäß heftige Kritik von Aktionären anhören. Pötsch habe als ehemaliger Vorstand eine Mitverantwortung an der Krise und sei ungeeignet, nun dessen Aufklärung voranzutreiben, lautete ein Vorwurf. Kritiker bemängelten zudem, dass Pötsch ohne Abkühlungsphase vom Vorstand in den Aufsichtsrat gewechselt sei.

Ermittlungen gegen Diess


Kurz vor dem Treffen der Anteilseigner sorgten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Ex-Konzernchef Winterkorn für zusätzlichen Druck. Ihm wird Marktmanipulation vorgeworfen. Nun bestätigte Volkswagen, dass auch der neue Chef der Kernmarke VW-Pkw, Herbert Diess, ins Visier der Ermittler geraten ist.

Noch vor Beginn der Hauptversammlung hatte der VW-Hauptaktionär Porsche SE (PSE) angekündigt, den Vorstand zu entlasten. Das kündigte ein PSE-Sprecher an. Damit gäbe es zumindest eine einfache Mehrheit für die Entscheidung, denn die Porsche SE verfügt über mehr als die Hälfte der Stimmrechte bei Volkswagen. Die Holding wird von der Familie Porsche/Piëch kontrolliert. Vertreter von kleineren Aktionären haben angekündigt, dem Vorstand die Entlastung zu verweigern. Wenn ein Vorstand auf einer Hauptversammlung nicht entlastet wird, hat das zwar keine direkten juristischen Konsequenzen, ist aber in der Regel ein Zeichen für fehlendes Vertrauen der Aktionäre in die Manager. Auch den Dividendenvorschlag des Autobauers will die Porsche SE abnicken. Stammaktionäre sollen 11 Cent, Vorzugsaktionäre 17 Cent für ein Papier erhalten.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) habe die Freigabe für europaweit rund eine Million zusätzliche Fahrzeuge erteilt, sagte Müller auf der Hauptversammlung. Wie zuvor geht es dabei zunächst nur um die 2,0 Liter großen Varianten des Skandalmotors EA189. Die kleineren Maschinen mit 1,2 und 1,6 Liter Hubraum sollen später folgen. Die Halter der Wagen mit Freigabe werden in den nächsten Tagen angeschrieben und können in die VW-Vertragswerkstätten fahren.
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