Vollgepackte Einkaufstaschen

Volle Einkaufstüten, lockeres Geld im Portemonnaie: Dank der Kauflust der Deutschen ist der Einzelhandel mit starken Zahlen ins neue Jahr gestartet. Bild: dpa

Zuversicht und Reallöhne der Verbraucher steigen - das gefällt den Händlern. Auch die Einkaufsmöglichkeiten im Internet treiben das Wachstum voran. Hier schwächt sich die Dynamik aber etwas ab.

Die Kauflust der Verbraucher hat dem deutschen Einzelhandel zum Jahresbeginn das kräftigste Umsatzplus seit Juni 2010 beschert. Experten betonten, alles deute darauf hin, dass der private Konsum auch 2015 ein wesentlicher Treiber des deutschen Wirtschaftswachstums bleibe. Im Gleichtakt mit dem Einzelhandel wuchs auch der deutsche Online- und Versandhandel. Hier lag das Plus aber deutlich niedriger als in den Vorjahren und in den Prognosen des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH). Der Anteil des Versandhandels am gesamten Einzelhandel blieb stabil bei 11,1 Prozent.

Überraschende Zahlen

Im Januar stiegen die Umsätze im Einzelhandel im Vergleich zum Vorjahresmonat real um 5,3 Prozent und nominal um 4,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Wachstumstreiber war der Internet- und Versandhandel, der im Januar auf Jahressicht Zuwachsraten von real 14,0 Prozent erzielte.

Binnen Monatsfrist hatten die Händler preisbereinigt 2,9 Prozent mehr in den Kassen. Dies ist das größte Wachstum seit Januar 2013. Analysten hatten mit einem Zuwachs um nur 0,4 Prozent gerechnet. "Angesichts wachsender Zuversicht und steigender Realeinkommen öffnen die deutschen Haushalte endlich ihre Geldbörsen - zumal Sparanreize fehlen", sagte Christian Schulz, Volkswirt beim Bankhaus Berenberg.

Der Umsatz von Waren und Dienstleistungen im sogenannten Distanzhandel erhöhte sich um zwei Prozent auf 60 Milliarden Euro und damit deutlich weniger als erwartet, wie der BEVH in Hamburg mitteilte. "Diese Entwicklung hat uns überrascht", sagte BEVH-Präsident Gero Furchheim. Der Versandhandel wachse nicht mehr unabhängig von konjunkturellen Schwankungen, sondern habe eine Delle im Konsumklima zu verkraften gehabt.

Ein genauerer Blick auf die Branchendaten lässt die Versandhändler dennoch hoffen, dass speziell der Handel über das Internet auch in Zukunft noch kräftig zulegt. Der Onlinehandel mit Waren wuchs im vergangenen Jahr um 7 Prozent. Rund 85 Prozent der Bestellungen kommen bei den Versandhändlern über das Internet - vor einem Jahr waren es noch 81 Prozent. Die klassischen Bestellwege über Telefon oder Postkarte verlieren zunehmend an Bedeutung.

Im "digitalen Ökosystem"

"Auch 2015 wird der Onlinehandel der eigentliche Treiber sein, und zwar zunehmend auf mobilen Geräten", sagte der Hauptgeschäftsführer des BEVH, Christoph Wenk-Fischer. In diesem Jahr erwartet der Versandhandel insgesamt fünf Prozent Wachstum und somit mehr als die Gesamtbranche. Der sogenannte E-Commerce, der elektronische Handel über das Internet, soll jedoch um zwölf Prozent zunehmen. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste vor allem der Handel mit Bekleidung im Versandhandel wieder stärker zulegen. Der Modehandel hat in Deutschland insgesamt ein schlechtes Jahr hinter sich, was auch im Versandhandel zu einem schwachen Wachstum führte. Bekleidung ist mit Abstand die größte Warengruppe im Distanzhandel, vor Unterhaltungselektronik, Büchern und Schuhen.

Von den 60 Milliarden Euro Gesamtumsatz der Branche entfielen 11 Milliarden Euro auf Dienstleistungen. Hier machen Pauschalreisen und Übernachtungen mit einem Anteil von 39 Prozent sowie sonstige Mobilitätsangebote wie Flug-, Bahn- und Bustickets oder Mietwagen mit 32 Prozent die höchsten Umsätze.

Wenk-Fischer erwartet, dass künftig auch soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Instagram zunehmend an Bedeutung im Distanzhandel gewinnen werden. "Noch ist das kein Verkaufs-, sondern ein Kommunikationskanal", sagte er. Die Kunden wollten aber am liebsten in ihrem digitalen Ökosystem bleiben. Und trotz des Internets sei der stationäre Handel keineswegs altmodisch oder zu vernachlässigen. Im Gegenteil: Einige Händler, die als Internet-Shop angefangen haben, eröffnen inzwischen auch stationäre Geschäfte.
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