Von Krisen unbeeindruckt

In der Ukraine und im Nahen Osten toben Konflikte, der Euro schwächelt, und die Schuldenkrise ist nicht ausgestanden. Von all dem unbeeindruckt präsentiert sich Deutschlands Wirtschaft überraschend stark. Der Staat erwirtschaftete einen Milliardenüberschuss.

Die Verbraucher haben Deutschland mit ihrer Konsumfreude das stärkste Wachstum seit Jahren beschert. Unter dem Strich legte die größte Volkswirtschaft Europas im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent zu. Mit der Rekordbeschäftigung, extrem niedrigen Ölpreisen und spürbaren Lohnerhöhungen im Rücken trugen allein die Konsumenten mehr als die Hälfte dazu bei. Dies berichtete das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Berlin. Für 2015 wird deswegen weiter spürbares Wachstum erwartet.

Die gute Konjunktur lässt auch die Steuereinnahmen sprudeln, so dass Finanzminister Wolfgang Schäuble für den Bund schon 2014 ohne neue Schulden auskommen konnte. Zählt man Länder, Gemeinden und Sozialkassen dazu, hat der deutsche Staat im vergangenen Jahr einen Überschuss von fast 12 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das sind 0,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), nach einem Plus von bereits 0,1 Prozent in den beiden Vorjahren. Damit hält Deutschland souverän die Stabilitätsregeln der EU ein, die sogar neue Schulden in Höhe von drei Prozent vom BIP tolerieren.

Das Wachstum 2014 liegt am oberen Rand der Erwartungen von Fachleuten - und deutlich über den extrem niedrigen Werten der Vorjahre: 2012 hatte die deutsche Wirtschaft lediglich 0,4 Prozent, 2013 sogar nur 0,1 Prozent zulegen können. Auch damals schon hatten sich die privaten Konsumausgaben als entscheidende Stütze erwiesen. Anders als noch im Vorjahr trugen aber auch die Investitionen und der Außenhandel zum Wirtschaftswachstum bei, wie die Statistiker berichteten.

Investitionen weiter fördern

Der Präsident der Statistikbehörde, Roderich Egeler, attestierte der größten Volkswirtschaft Europas eine solide Verfassung. "Offensichtlich konnte sich die deutsche Wirtschaft in einem schwierigen weltwirtschaftlichen Umfeld behaupten und dabei vor allem von einer starken Binnennachfrage profitieren."

Danach sah es im Jahresverlauf nicht immer aus. "Versöhnliches Ende", lautet dann das Fazit des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Dessen Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben forderte indes politische Maßnahmen, um die immer noch verhaltene Investitionslust der Firmen anzufachen. "So mussten in den letzten Jahren gerade viele energieintensive Betriebe ihre Investitionen zurückfahren. Zudem hat sich inzwischen der Fachkräftemangel zu einer echten Investitionsbremse ausgewachsen."

Export schiebt an

Anders als 2013 trug auch der Export wieder zum Schwung der Wirtschaft bei. Weil die Einfuhren (plus 3,3 Prozent) etwas schwächer zulegten als die Ausfuhren (plus 3,7 Prozent), schlägt wieder ein positiver Außenbeitrag zu Buche. Die Statistiker beziffern diesen Effekt beim Wachstum auf 0,4 Prozentpunkte - etwa die Hälfte dessen, was der private Verbrauch beitrug.

Auch im internationalen Vergleich steht Deutschland gut da: Für die mittlerweile 19 Länder der Euro-Zone insgesamt rechnen die Statistiker lediglich mit einem Wachstum von durchschnittlich 0,8 Prozent, für die gesamte EU von 1,3 Prozent. Ein entscheidender Faktor für die Stärke der deutschen Wirtschaft ist die Lage am Arbeitsmarkt: Im Jahresschnitt waren 42,7 Millionen Menschen in Lohn und Brot. "Damit gab es bereits das achte Jahr in Folge einen neuen Höchststand bei der Zahl der Erwerbstätigen", berichtete Egeler.
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