Vor 150 Jahren wurde BASF, der weltweit größte Chemie-Konzern, gegründet - Erfolg durch das ...
"Ein Unternehmen ist kein Museum"

Blick in das Indigo-Laboratorium der Badischen Anilin & Soda-Fabrik (BASF) in Ludwigshafen um 1914. Noch war es für die Laboranten und Chemiker nicht üblich, weiße Kittel zu tragen, die Männer behielten während der Arbeit die Hüte auf dem Kopf. Archivbild: dpa
Für den weltgrößten Chemiekonzern BASF war Energie schon immer ein Thema. Um 1970 herum wollte das Unternehmen an seinem Ludwigshafener Standort sogar ein eigenes Atomkraftwerk bauen, aber die Behörden verschärften die Sicherheitsvorschriften, und das Projekt wurde zu teuer. Das ist eine Episode aus der wechselvollen Geschichte des Chemieriesen, der vom Jeans-Farbstoff über Magnetband und Styropor bis zu Düngemitteln und Babywindel-Kunststoff zahlreiche Produkte entwickelt hat. Am 6. April vor 150 Jahren war das Unternehmen gegründet worden.

Das Portfolio hat sich in der Zwischenzeit kräftig gewandelt. Düngemittel, lange Zeit das wichtigste Produkt, gehören seit einigen Jahren nicht mehr dazu, ebenso das BASF-Magnetband. "Ein Unternehmen ist kein Museum, in das man einmal die Bilder hängt, um sie dann immer wieder zu betrachtet, sondern befindet sich in ständigem Wandel", sagt Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel. Dass das weltweit führende Chemieunternehmen in Deutschland entstand, führt der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser unter anderem auf das BASF-eigene Produktionsprinzip des "Verbunds" zurück. Damit wird ein Netzwerk von Betrieben bezeichnet, die über Produktions- und Energieströme verbunden sind und so Rohstoffe und Kosten sparen. Im Zentrum steht jeweils eine Riesenanlage, in der Rohbenzin mit Wasserdampf unter anderem in die Grundstoffe Ethylen und Propylen zerlegt wird. Ethylen ist laut BASF Ausgangsstoff für rund 30 Prozent aller Petrochemikalien. Weitere Anlagen verwandeln die Produkte des "Steamcracker" in Rohstoffe für andere Anlagen.

Sechs Verbundstandorte

Die Produktion werde so intelligent organisiert, dass es so gut wie keinen Abfall gebe, sagt IG-BCE-Landeschef Francesco Grioli. Mit dem von Ingenieuren perfektionierten System sei es gelungen, die klassischen chemischen Produkte weltweit am billigsten herzustellen, sagt Abelshauser, Herausgeber des Buchs "Die BASF. Eine Unternehmensgeschichte". Das in Ludwigshafen entwickelte Prinzip wurde ab 1964 exportiert, inzwischen gibt es sechs Verbundstandorte auf drei Kontinenten.

"Wir rechnen mit insgesamt einer Milliarde Euro jährlichen Einsparungen, die aus dem Verbundkonzept am Standort Ludwigshafen und an anderen Verbundstandorten resultieren", sagt Engel. Hinzu kam laut Abelshauser, dass das Unternehmen nicht nur Produkte verkaufte, sondern vor allem das Know-how, was man mit ihnen machen kann. "Während man am billigsten produziert hat, hat man am teuersten verkaufen können", sagt der Historiker.

Die Verbund-Idee war bereits angeklungen, als der Leuchtgasfabrikant Friedrich Engelhorn die "Badische Anilin- & Soda-Fabrik" 1865 ins Leben rief. Er wollte aus Teer synthetische Farben gewinnen - ein neues und einträgliches Produkt. Aus Kostengründen sollten die Hilfsstoffe im Werk mitproduziert werden.

Und was stört an der BASF? "Am Ende ist das Unternehmen keines, das den Beschäftigten etwas schenkt", sagt Gewerkschaftler Grioli. Das werde man am Ende des Jahres merken, wenn wieder über die Standortsicherung für Ludwigshafen gesprochen werde - "da werden wir uns ein paar Dinge erstreiten und erkaufen müssen".
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