Vor 20 Jahren Börsengang der Telekom
T-Aktie: Erst geliebt, dann gehasst

Sie befeuerte einst die Aktienkultur in Deutschland, wurde als Rentenpapier gepriesen und galt als sicherer Hafen für Erspartes von Kleinanlegern. Doch im Rückblick steht die T-Aktie vor allem für eines: vollmundige Versprechungen und bittere Enttäuschungen.

Bonn. An den 18. November 1996 möchten in diesen Tagen manche Aktionäre der Deutschen Telekom nicht gern erinnert werden. Der Börsengang des ehemaligen Staatsmonopolisten ist nun 20 Jahre her. Es war der Startschuss zur Privatisierung des Unternehmens und zunächst der Beginn des Aufstiegs einer Aktie, die wie keine andere die Gemüter von Anlegern erregte. Für 14,57 Euro (28,50 Mark) waren die Papiere angeboten worden - und die 712 Millionen T-Aktien gingen weg wie warme Semmeln. 1,4 Millionen Privatanleger ergatterten Papiere.

Werbung mit Krug


"Die Telekom geht an die Börse, und ich gehe mit", warb damals der kürzlich verstorbene Schauspieler Manfred Krug für die T-Aktie, wofür er sich später entschuldigte. Der Konzern kassierte rund 10 Milliarden Euro aus seinem Kapitalmarkt-Debüt, drei Jahre später ungefähr noch einmal die gleiche Summe beim zweiten Börsengang. Der Wert der T-Aktie hatte sich fast verdreifacht. Es begann - getragen von einer Börseneuphorie bis dato unbekannten Ausmaßes - ein Kursfeuerwerk. Im März 2000 erreichte das Papier mit einer Notierung von 103,50 Euro seinen historischen Höchstwert. Doch dann platzte die Internet-Blase und riss die Telekom-Werte mit in den Abgrund. Der Wert des Papiers hatte bereits deutlich nachgegeben, als der Bund sich von einem Aktienpaket trennte. Rund 13 Milliarden Euro flossen so in die Staatskasse. Noch heute streiten Anleger mit der Telekom vor Gericht wegen falscher Angaben im Verkaufsprospekt um eine Entschädigung.

Für das Debakel der T-Aktie wurden viele verantwortlich gemacht. Der Bund, der Aufsichtsrat, das Börsenklima - vor allem aber der Mann, der wie kein anderer für den Börsengang getrommelt hatte: der damalige Telekom-Chef Ron Sommer. Die T-Aktie koste so viel wie ein Kinobesuch mit der Familie, betonte Sommer. Doch am Ende wurde der Manager zum "Buhmann der Nation" und "Totengräber der Aktienkultur".

Dabei hatte Sommer wesentlich dazu beigetragen, das einst behäbige Bundesunternehmen aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Um ihn fit zu machen für den Wettbewerb, verordnete er dem Konzern eine Rosskur nach innen und nach außen: Internationalisierung, Neuausrichtung der Geschäfte und Stellenabbau. Das kostete viel Geld, die Verschuldung stieg. Anderen ehemaligen Staatsbetrieben in der Telekom-Branche erging es nicht anders. Plötzlich galten die Aktien als Teufelszeug. Heute ist die Telekom, an der der Bund direkt und indirekt über die KfW Bankengruppe immer noch mit 32 Prozent beteiligt ist, ein anderes Unternehmen geworden. Sommers Nachfolger haben Schulden reduziert, den Konzern kontinuierlich umgebaut und ihn in ruhigeres Fahrwasser geführt.

"Auf sehr gutem Weg"


Auch die T-Aktie hat sich stabilisiert - auf niedrigem Niveau. "Die Telekom ist auf einem sehr guten Weg", sagt der amtierende Vorstandschef Tim Höttges. So schlecht stünden ihre Aktionäre heute gar nicht da, rechnet er vor. Wenn die Frühzeichner von 1996 nicht nur Kurse, sondern auch den reduzierten Ausgabepreis (14,32 Euro), gezahlte Dividenden und Treue-Aktien mit einbezögen, stehe über 20 Jahre unter dem Strich eine Gesamtrendite von 155 Prozent.
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