Vor 25 Jahren wurde die erste Webseite öffentlich gemacht
Drei Buchstaben verändern die Welt

Tim Berners-Lee. Archivbild: dpa

Das World Wide Web hat unser Leben drastisch verändert. Dabei wollte der Wissenschaftler Tim Berners-Lee vor 25 Jahren eigentlich den Informationsaustausch unter Kollegen vereinfachen.

Berlin. Von Information und Kommunikation über Beruf und Bildung bis hin zu unserem Shopping- und Datingverhalten: Das World Wide Web hat sämtliche Bereiche des Lebens umgekrempelt. Vor 25 Jahren wurde in der Schweiz die erste Webseite der Welt öffentlich gemacht.

Dass das Netz so ist, wie wir es in der heutigen Form kennen, ist maßgeblich einem Mann zu verdanken. Der britische Physiker Tim Berners-Lee, damals am Europäischen Kernforschungszentrum (CERN) bei Genf beschäftigt, wollte das dortige Informationschaos eindämmen. 1989 schlug er seinem Arbeitgeber ein Projekt auf Basis des Hypertexts vor, um den Datenaustausch zwischen den Forschern weltweit zu vereinfachen. Unterstützung bekam er von seinem Kollegen Robert Cailliau. Weihnachten 1990 legte Berners-Lee mit info.cern.ch den ersten Web-Server der Welt an. Am 6. August 1991 machte der damals 36-Jährige die erste Webseite im Internet öffentlich.

E-Mail gab es bereits


"Das war ein technischer Meilenstein", sagt Informatiker Werner Zorn, der als Gründungsvater des deutschen Internets gilt und 1984 an der Universität Karlsruhe die erste deutsche Internet E-Mail empfing. "Die Idee dahinter war die Verbindung von Apples Hypertext mit der Internet-Technologie auf der Netzebene", erklärt er. Denn das Internet, also die Netzwerk-Infrastruktur, gab es schon einige Jahre. Nach der E-Mail wurde nun mit dem World Wide Web ein weiterer Dienst geschaffen, der das Internet quasi zum Leben erweckte.

Im Wesentlichen basiert Berners-Lees Entwicklung auf drei Punkten: Zum einen entwickelte er die "Hypertext Markup Language" (HTML), die beschreibt, wie Seiten mit Hypertextverknüpfungen ("Links") auf unterschiedlichsten Rechnerplattformen formatiert werden. Mit dem "Hypertext Transfer Protocol" (HTTP) definierte er den technischen Kanal, den Computer benützen würden, um über das Internet zu kommunizieren. Der "Universal Resource Identifier" (URI), heute ist die Unterform "Uniform Resource Locator" (URL) geläufiger, bezeichnet die Webadresse, mit der Inhalte im Netz gefunden werden. Einen wichtigen Schritt machte das CERN 1993, als das Institut das World Wide Web für die Öffentlichkeit freigab und auf Lizenzzahlungen und Patentierung verzichtete. Damit trugen die Forscher maßgeblich zur Bedeutung des Webs in seiner heutigen Form bei. Den Durchbruch des WWW für Nicht-Computerspezialisten gelang dann 1993 Marc Andreessen. Der Student entwickelte den ersten Mosaic-Browser und machte sich später mit Netscape daran, seine Software zur führenden Online Plattform zu machen. Microsoft-Gründer Bill Gates zog mit seinem Explorer nach und zettelte den "Browser-Krieg" an, in dem Netscape dann auf der Strecke blieb.

Internet nun mobil


1994/1995 gingen mit Yahoo, Ebay und Amazon gleich drei spätere Internet-Riesen an den Start. 1998 folgte Google, sechs Jahre später gründete der damalige Harvard Student Mark Zuckerberg Facebook. 2007 präsentierte Apple-Chef Steve Jobs das erste iPhone, ein Jahr später kam das erste Smartphone mit der Google-Software Android auf den Markt. Das mobile Internet wurde massenkompatibel und Millionen von Apps drängen das Surfen über einen Browser zunehmend zurück.

Berners-Lee ging 1994 nach Boston um am Massachusetts Institute of Technology (MIT) das World Wide Web Consortium (W3C) zu gründen. 2004 wurde der Brite von der Queen zum Ritter geschlagen. In der breiten Öffentlichkeit ist er bis heute relativ unbekannt - trotz seiner Verdienste. Ihn selbst scheint das nicht zu stören. "Prominent zu sein, zerstört das Privatleben", sagte er einmal.
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