Vor fünf Jahren Chefwechsel bei Apple
Tim Cooks Apple

Ich bin der Boss: Vor fünf Jahren übernahm Tim Cook den Chefposten von Apple. Archivbild: dpa

Seit fünf Jahren steht Tim Cook an der Spitze von Apple. Vor allem das I-Phone fuhr in dieser Zeit sagenhafte Gewinne ein. Doch zuletzt ließ der Schwung nach - und Cook muss weiterhin beweisen, dass er die Schuhe des Visionärs Steve Jobs ausfüllen kann.

Cupertino. Am 24. August 2011 beugte sich Steve Jobs dem Unausweichlichen. Der todkranke Apple-Mitgründer gab nach jahrelangem Kampf gegen den Krebs schließlich den Posten des Firmenchefs ab. Jobs wechselte noch an die Spitze des Verwaltungsrates und versprach, für das Unternehmen dazu sein - doch es dauerte keine eineinhalb Monate mehr, bis er am 5. Oktober starb.

Sein Lebenswerk legte er in die Hand von Tim Cook, der ihn schon zuvor bei Krankheits-Abwesenheiten vertrat und als Zuständiger für das operative Geschäft das Unternehmen in- und auswendig kannte. Die Latte hätte für den damals 50-Jährigen Cook kaum höher liegen können. Jobs hatte mit einer Erfolgsserie aus I-Mac, I-Pod, I-Phone und I-Pad ganze Branchen umgepflügt und unter anderem den Smartphone-Boom in Gang gebracht.

230 Milliarden Dollar


Viele Marktbeobachter stellten in Frage, dass Cook, der vor allem als Optimierer von Apples Produktionskette bekannt war, diesem Erbe gewachsen ist. Fünf Jahre später sitzt Apple auf einem Geldberg von gut 230 Milliarden Dollar und hat gerade das milliardste I-Phone verkauft. Im vergangenen Weihnachtsgeschäft fuhr der Konzern mit 18,4 Milliarden Dollar den höchsten Quartalsgewinn der Geschichte ein. Zugleich wurde das I-Phone zum wichtigsten Apple-Produkt und brachte zeitweise mehr als zwei Drittel des Konzerngeschäfts ein. Und als in diesem Jahr die Anziehungskraft der I-Phones nachließ, bedeutete das auch einen spürbaren Rückgang für das Apple-Geschäft.

Aber in Cooks Amtszeit stieß Apple bisher in eine neue Produktkategorie vor. Die im April 2015 gestartete Apple Watch eroberte zwar aus dem Stand die Marktführung bei Computer-Uhren. Doch Verbraucher zögern noch. Der Konzern veröffentlicht immer noch keine Zahlen, aber nach Einschätzung von Marktforschern verkaufte Apple im Start-Quartal noch 3,6 Millionen seiner Uhren, inzwischen sollen es um die eineinhalb Millionen pro Vierteljahr sein. Auch das wäre noch ein gutes Geschäft - aber nicht unbedingt die steile Erfolgskurve, die viele von Apple bei einem neuen Produkt erwarten.

Die Tech-Welt hat sich in den fünf Jahren massiv verändert. Heute spielen künstliche Intelligenz und selbstlernende Maschinen eine zentrale Rolle. Und nicht nur Google arbeitet daran, sie in den Alltag zu bringen, sondern auch Facebook und Amazon. Virtuelle Realität steht vor dem Sprung in den Massenmarkt, und die gesamte Autobranche wird von der Digitalisierung umgekrempelt.

Neue Betätigungsfelder


Cooks Job ist es, den Platz von Apple in dieser neuen Welt zu sichern. Er kaufte für drei Milliarden Dollar den Kopfhörer-Anbieter Beats, um schneller ins Geschäft mit Musik-Streaming aus dem Netz zu kommen. Er betont die Anstrengungen des Konzerns bei künstlicher Intelligenz, angefangen mit der Sprachassistentin Siri. Er investierte eine Milliarde Dollar in den chinesischen Fahrdienst-Vermittler Didi Chuxing. Außerdem erklärte Cook "Augmented Reality", die "erweiterte Realität", bei der künstliche und reale Objekte auf einem Display kombiniert werden, sowie Gesundheitsdienste für interessante Bereiche. Hier wurde der Kauf des Start-ups Gliimpse bekannt, das Patientendaten speichert.

Das Apple von Tim Cook ist in vielem anders als das von Steve Jobs. Der Gründer beschränkte die Außendarstellung von Apple gern auf Produktkommunikation. Cook stellt Umweltschutz in den Vordergrund und ging einen öffentlich ausgetragenen Konflikt mit der US-Regierung ein, indem Apple sich weigerte, Software zum Entsperren von I-Phones zu schreiben. Anders als Jobs schüttet Cook auch Geld an die Aktionäre aus, durch Dividenden und Aktienrückkäufe. Der Kurs des Apple-Papiers verdoppelte sich unter Cook, und Apple ist weiterhin das teuerste Unternehmen der Welt vor Google.

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