VW-Abgasaffäre
Vorstand will auf Teil der Bonuszahlungen verzichten

Auch der ehemalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn will laut "Handelsblatt" teilweise auf seinen Bonus verzichten. Bild: dpa

Den Großteil ihres Geld verdienen die VW-Vorstände mit ihren Boni. Diese sind in der Abgas-Krise umstrittener denn je. Eine mächtige Allianz im Aufsichtsrat macht Druck für einen Verzicht. Unterdessen gibt es neue Probleme für den Konzern.

Wolfsburg. Bei dem Streitthema Bonuszahlungen im VW-Konzern zeichnet sich eine rasche Lösung ab. Der Volkswagen-Vorstand will nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur freiwillig auf einen Teil seiner umstrittenen millionenschweren Prämien verzichten. Darüber beriet die Führungsetage am Dienstag, hieß es aus VW-Kreisen. Ein Vorschlag liege auf dem Tisch. Details wurden nicht bekannt.

Mit dem Vorliegen eines entsprechenden Vorstandsbeschlusses könnte die VW-Aufsichtsratsspitze anschließend den Segen der Kontrolleure erteilen. Aus Konzern-Kreisen verlautete mit Blick auf eine mögliche öffentliche Erklärung zu den Ergebnissen, dass es frühestens heute so weit sein dürfte. Ende kommender Woche treffen sich alle 20 Aufseher des Konzerns zu einer Sitzung in Wolfsburg. Es ist anzunehmen, dass das VW-Präsidium das Thema Boni spätestens dann abgeräumt haben möchte. Das Präsidium hatte sich am Montag noch nicht auf eine Linie zu den Vergütungen einigen können. Nach dpa-Informationen befürworten der Betriebsrat, das Land Niedersachsen und die IG Metall wegen des Abgas-Skandals eine Senkung der Sonderzahlungen für den Vorstand.

Mit Spannung wird erwartet, ob der im Abgas-Skandal zurückgetretene Konzernchef Martin Winterkorn ebenfalls bereit ist für einen Bonusverzicht. Laut "Handelsblatt" ist das der Fall. Die Zeitung berichtete dies am Dienstag unter Berufung auf sein Umfeld. Im VW-Konzernvorstand sitzen derzeit acht Männer und eine Frau. Die Mehrheit ist erst seit kürzerer Zeit im Amt. Längere Erfahrung an der VW-Spitze haben nur Einkaufschef Francisco Javier Garcia Sanz, Audi-Chef Rupert Stadler, China-Vorstand Jochem Heizmann und der Winterkorn-Nachfolger Matthias Müller, der zuvor als Cheflenker der Stuttgarter Tochter Porsche auch im Wolfsburger Konzernvorstand saß.

17 Millionen für Winterkorn


Die Vergütungen des gesamten VW-Vorstands sind wegen der wechselnden Besetzungen und des schwankenden Erfolges über die Jahre nur schwer zu vergleichen. Ex-Chef Martin Winterkorn verdiente zuletzt pro Jahr inklusive seiner Arbeit beim Großaktionär Porsche-Holding fast 17 Millionen Euro. Er war damit über lange Zeit der Spitzenverdiener im Deutschen Aktienindex Dax.

Problemkind Passat


Der Diesel-Rückruf des VW Passat infolge der Abgas-Krise droht unterdessen endgültig zum Desaster zu werden. Trotz wochenlanger Nachprüfungen sowie Nachbesserungen an der neuen Software ist es Volkswagen bislang nicht möglich, die vorgegebenen Grenzwerte einzuhalten. Nach Angaben eines VW-Sprechers will der Autobauer nun den bisherigen Rückrufplan ändern und andere Fahrzeuge - darunter den Golf - früher in die Werkstätten rufen.

"Wir werden jetzt mit dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sprechen und überlegen, wie wir das nächste Cluster konkret vorziehen können", hieß es am Dienstag aus Wolfsburg. Wann die ersten Golf-Modelle dann in den Werkstätten auftauchen könnten, sei letztlich aber abhängig von einer Genehmigung der Behörde. Mit Blick auf das Sorgenkind Passat brauchen die Besitzer der rund 160 000 Fahrzeuge, die in dieser Welle von der illegalen Software befreit werden sollen, weiter Geduld. Parallel zu den Golf-Plänen würden die Nachprüfungen beim Passat weitergehen. "Dies wird aber noch Wochen dauern", erklärte der Sprecher.
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