VW-Abgasskandal
Volkswagen-Führung steht Rede und Antwort

Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, gab sich am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wolfsburg kämpferisch: "Wir werden es nicht zulassen, dass uns diese Krise lähmt." Bild: dpa

Die schwerste Krise in der Unternehmensgeschichte sieht Volkswagen inzwischen auch als Antrieb für den Konzernumbau. Erstmals seit dem Beginn der Krise stand die VW-Führung jetzt der Öffentlichkeit Rede und Antwort.

Wolfsburg/Berlin. Der Abgas-Skandal zwingt Volkswagen zu einer schnelleren Neuausrichtung des riesigen Autokonzerns. "Wir werden es nicht zulassen, dass uns diese Krise lähmt", sagte Vorstandschef Matthias Müller am Donnerstag in Wolfsburg bei der Vorlage einer ersten Zwischenbilanz. "Wir nutzen sie als Katalysator für den Wandel, den Volkswagen braucht." Strukturen und Denkweisen müssten sich ändern, auch damit künftig ähnliche Vorfälle verhindert werden. Die Folgen des Abgas-Skandals sind allerdings immer noch gravierend.

Wenn es Europas größtem Autobauer gelänge, aus den millionenfachen Falschangaben zum Stickoxid-Ausstoß von Dieselautos Lehren zu ziehen, könne es wieder bergauf gehen, betonte Müller. "So ernst die aktuelle Situation auch ist: Dieses Unternehmen wird nicht daran zerbrechen." Das Management werde VW künftig weniger zentralistisch führen. "Diese Neuausrichtung wäre früher oder später ohnehin nötig gewesen", meinte der Vorstandschef. Einen Absatzeinbruch gebe es bisher nicht.

Nur wenige Verdächtige


Bei der Suche nach Verantwortlichen für den Diesel-Skandal hat die VW-Spitze nur einen relativ kleinen Kreis von Verdächtigen im Visier. "Wir halten es für wahrscheinlich, dass nur eine überschaubare Zahl an Mitarbeitern aktiv zu den Manipulationen beigetragen hat", sagte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch.

Inzwischen habe man mehr als 1500 elektronische Datenträger eingesammelt, um Hinweise auf den Ursprung der Affäre zu finden. Es seien zudem 87 Interviews im Rahmen der Ermittlungen geführt worden. "Viele weitere werden noch folgen", kündigte Pötsch an. Rund 450 Experten arbeiteten an der Aufklärung. Ziel sei es, bis zur Hauptversammlung am 21. April einen vollständigen Überblick über die Ergebnisse zu liefern. VW hatte Mitte September zugegeben, in elf Millionen Dieselmotoren weltweit eine Software eingesetzt zu haben, die Daten zum Ausstoß gesundheitsschädlicher Stickoxid-Abgase schönte. Für die Bewältigung der Krise wurden bisher Rücklagen von 6,7 Milliarden Euro gebildet.

"Brauchen keine Ja-Sager"


VW hatte bereits eine Neuausrichtung auf den Weg gebracht. Die Marken und Regionen bekommen mehr Verantwortung. Der "Kulturwandel" zielt darauf, enger zusammenzuarbeiten und offene Diskussionen über Fehler zuzulassen. Müller: "Wir brauchen keine Ja-Sager, sondern Manager und Techniker, die mit guten Argumenten für ihre Überzeugungen und ihre Projekte kämpfen - die unternehmerisch denken und agieren."

Dieses veränderte Unternehmensklima sieht Müller - neben Integrität und Nachhaltigkeit - als zentrale Säule beim Umbau an. Hinzu kommen die Digitalisierung und der Ausbau der bisher schleppend angelaufenen Elektromobilität. "Unser Anspruch ist es, diesen Entwicklungen nicht hinterherzulaufen, sondern sie maßgeblich mitzugestalten."
Weitere Beiträge zu den Themen: Volkswagen (133)Abgasskandal (23)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.