VW versucht Neustart

Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn (rechts, mit Stephan Weil und Wolfgang Porsche, von links) will nach den Machtkämpfen den Konzern wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen. Bild: dpa

Drei Wochen währte die Führungskrise bei VW. Bei der Hauptversammlung fehlt der Verlierer des Machtkampfs, Ex-Chefaufseher Piëch - ein ungewohntes Bild. Die Gewinner würdigen seine Verdienste.

Nach dem erbitterten Machtkampf und dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch versucht Europas größter Autokonzern wieder Tritt im Alltag zu finden. "Hinter uns liegen - vorsichtig gesagt - bewegte Tage", sagte Vorstandschef Martin Winterkorn am Dienstag in Hannover. Der Autobauer sei nun aber "in ruhigerem Fahrwasser unterwegs", der Fokus liege wieder auf dem Geschäft.

Winterkorn würdigte Ferdinand Piëchs Verdienste um Volkswagen. Bei dem Aktionärstreffen fehlte der langjährige VW-Patriarch erstmals seit über einem Jahrzehnt an der Aufsichtsratsspitze. Piëch hatte die Führungskrise bei VW mit dem Versuch einer Demontage Winterkorns ausgelöst. Der Ex-Vorstandsvorsitzende und spätere Aufsichtsratschef Piëch war - wie Ehefrau Ursula - als Verlierer des Machtkampfes Ende April zurückgetreten. Für sie rückten Piëchs Nichten Louise Kiesling und Julia Kuhn-Piëch in das Gremium nach.

Breite Rückendeckung

Der Betriebsrat, das Land Niedersachsen als VW-Ankeraktionär sowie die Großaktionäre der Familie Porsche hatten in der Krise zu Winterkorn gestanden. Die Familien Porsche/Piëch halten die Stimmenmehrheit am VW-Konzern.

Auch der kommissarische VW-Aufsichtsratschef und frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber würdigte unter dem Beifall der Aktionäre die Leistungen Piëchs. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nannte den Rücktritt Piëchs einen "Einschnitt" in der Geschichte von VW. Bei der Suche nach einem neuen Chefaufseher lässt man sich Zeit. Bei der obligatorischen Aufsichtsratssitzung am Dienstag nach der Hauptversammlung sollte noch keine Entscheidung zur Nachfolge fallen.

Weil sagte zu der versuchten Demontage Winterkorns durch Piëch, es sei eine "Klärung" notwendig gewesen. An einen nachhaltigen Image-Schaden glaube er nicht. Auch Winterkorn sieht die Geschäftsbasis von Volkswagen durch die Führungskrise nicht beschädigt. Aktionäre kritisierten dagegen die Führungsdebatten. Der Machtkampf sei "schrecklich unprofessionell" gewesen, sagte etwa der Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Ulrich Hocker. Es müsse nun wieder Ruhe einkehren. Man wisse um die Aufgaben, sagte Winterkorn. "Und wir haben sie längst angepackt." Dazu zählen die renditeschwache Kernmarke VW, ein fehlendes "Budget Car" als billiges Einstiegsmodell in Schwellenländern und das angeschlagene US-Geschäft. VW wolle dort in die Offensive gehen, sagte Winterkorn. "Dafür stehe ich."

Neue Strukturen

Auch für eine Dezentralisierung unternimmt VW Schritte. Dazu bündelt der Konzern sein Nutzfahrzeug-Geschäft mit den Töchtern MAN und Scania in einer eigenständigen Holding mit eigenem Aufsichtsrat. "Wir brauchen klare Strukturen, um in den einzelnen Bereichen schnell und flexibel handeln zu können", forderte Betriebsratschef Bernd Osterloh. Für erfreuliche Nachrichten sorgt das Sparprogramm für mehr Kostenbewusstsein, das bis 2017 etwa fünf Milliarden Euro einsparen soll. Im ersten Quartal habe es bereits einen Betrag "im niedrigen dreistelligen Millionenbereich" gebracht. Nach Beschluss der Hauptversammlung erhalten Aktionäre eine Dividende von 4,80 (im Vorjahr 4,00) Euro je Stammaktie und 4,86 (4,06) je stimmrechtsloser Vorzugsaktie.
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