VW will zum Neukauf locken

Auch die Fuhrparks der Polizei sind von der Rückrufaktion des VW-Konzerns betroffen. Allein Bayerns Polizei geht davon aus, dass rund 530 Wagen zum Service müssen. Bild: dpa

Mit den Rückrufen in der Abgas-Affäre rollt eine Riesenwelle auf die VW-Werkstätten zu. Wartezeiten drohen, womöglich auch logistische Probleme. VW hat aber schon eine Idee parat, mit der der Autobauer gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen könnte.

Der VW-Konzern erwägt für die Rückrufaktion der 2,4 Millionen Diesel-Fahrzeuge hierzulande auch Eintauschprämien als Alternative zur Nachbesserung. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen des Konzerns und der Volkswagen-Partner. Bei der Idee, wonach VW die Wagen in Zahlung nehmen und gleichzeitig zusätzliche Anreize für einen Neuwagenkauf setzen könnte, stehen vor allem die betroffenen Motoren mit 1,6 Liter Hubraum im Fokus. Bei dem Aggregat reicht ein Softwareupdate nicht aus, es muss auch neue Technik her - mit entsprechenden Kosten für die Bauteile und die Arbeitsstunden.

Der VW-Betriebsrat wies unterdessen einen Medienbericht über einen angeblich schon beschlossenen Beförderungsstopp zurück. "Hier handelt es sich um einseitige Vorstellungen des Vorstands, die wir so nicht akzeptieren werden. Das haben wir am Freitag mit dem Personalwesen besprochen", sagte der VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh am Samstag. Zuvor hatte das "Manager Magazin" berichtet, der Betriebsrat habe schon abgesegnet, bei der VW-Kernmarke 2016 auf Beförderungen zu verzichten. Dem trat Osterloh nun entgegen.

VW-Kunden könnten vor allem bei Dieseln mit einer sehr hohen Laufleistung von einem eventuellen Eintausch profitieren, falls sie ohnehin mit einem Neukauf liebäugeln und VW sich großzügig bei der Restwertberechnung zeigt. "Entschieden ist da aber noch nichts, das ist alles noch im Fluss", sagte ein Insider. Die Überlegungen seien aber "mehr als ein Gedankenspiel".

Die 8,5 Millionen Diesel, die nun in Europa zur Werkstatt müssen, sind laut Experten für den Kontinent der größte Rückruf überhaupt - und für VW sowieso. Neben VW-Pkw sind Audi, Seat, Skoda und die VW-Nutzfahrzeuge betroffen. Die ersten Wagen sollen von Januar nächsten Jahres an in die Werkstatt. In vielen Bundesländern muss sich auch die Polizei auf tausendfache Rückrufe ihrer VW-Streifenwagen einstellen - die Sicherheit soll darunter aber nicht leiden. Wie eine Umfrage bei den Innenministerien ergab, sind große Teile des Fuhrparks von den Anfang 2016 bevorstehenden Nachrüstungen bei Abgas-Software oder Umbauten an Motoren und Katalysatoren betroffen. Allein bei Bayerns Polizei müssen rund 530 Wagen zum Service.
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