Wachstum: Frankreich überholt Deutschland

Dämpfer für die deutsche Wirtschaft: Der Aufschwung hat sich zum Jahresbeginn spürbar verlangsamt. Trotzdem geht es im Euro-Raum allmählich bergauf - und das, obwohl Griechenland wieder in die Rezession gerutscht ist.

Der deutsche Konjunkturmotor ist zum Jahresauftakt etwas ins Stottern geraten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im ersten Quartal 2015 im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mit. Zum Jahresende 2014 hatte das Wachstum 0,7 Prozent betragen.

Vor allem der Privatkonsum

Wachstumstreiber war erneut vor allem der Inlandskonsum. Die privaten Haushalte steigerten ihre Ausgaben, weil Sparanlagen angesichts der geringen Zinsen unattraktiv sind und die Haushalte dank steigender Löhne und Rekordbeschäftigung mehr Geld in der Tasche haben. Zudem sei die Kaufkraft durch den moderaten Preisanstieg gestützt worden, betonte das Bundeswirtschaftsministerium. Positive Impulse kamen auch von den staatlichen Konsumausgaben. Auch die Investitionen zogen an. Hingegen bremste der Außenbeitrag - die Differenz der Entwicklung von Ex- und Importen - das Wachstum. Zwar wurden nach den vorläufigen Berechnungen mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als Ende 2014. Die Importe stiegen allerdings noch sehr viel kräftiger.

Im Euro-Gebiet hat der Aufschwung im ersten Quartal 2015 an Fahrt gewonnen. Das BIP in den 19 Euro-Staaten stieg der Europäische Statistikbehörde Eurostat zufolge im Vergleich zu den drei Monaten davor um 0,4 Prozent. Ende 2014 hatte das Quartalswachstum noch 0,3 Prozent betragen. Allerdings sind Griechenland und Finnland in die Rezession gerutscht: Beide Länder verbuchten zwei Vierteljahre hintereinander eine schrumpfende Wirtschaft. Als Wachstumslokomotive hat Frankreich Deutschland abgelöst. Das französische BIP stieg im ersten Quartal um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Zugleich ließ Italien die schlimmste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg hinter sich. Im ersten Quartal legte die Wirtschaft um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Italien durchlebte zuvor eine Durststrecke ohne Wachstum in 14 aufeinanderfolgenden Quartalen.

Ökonomen zuversichtlich

Trotz der Delle zum Jahresauftakt blicken Ökonomen mit Zuversicht auf die deutsche Wirtschaftsentwicklung. "Wir erwarten ein solides Wachstum der deutsche Wirtschaft in den kommenden Quartalen", betonte beispielsweise Unicredit-Volkswirtin Martina von Terzi. Eingerechnet wird in das BIP alles, was in einem bestimmten Zeitraum hergestellt wird. Zudem fließt der Wert von Dienstleistungen ein sowie die Ausgaben von Verbrauchern und Unternehmen.
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