"Wackersdorf: Der Hesteller für Sitzsysteme ""Lear Corporation"" zieht nach Tschechien"
Verhandlungen über Lear-Zukunft

Die Zukunft des Lear-Standortes im Wackersdorfer Innovationspark ist ungewiss. Ein möglicher Abschied aus dem Landkreis im Jahr 2017 in Richtung Tschechien steht im Raum. Archivbild: Hösamer

Wackersdorf. (tib) Wie aus Kreisen der Belegschaft zu erfahren war, wurden die Mitarbeiter des im Innovationspark ansässigen Unternehmens bereits bei einer Betriebsversammlung darüber in Kenntnis gesetzt, dass ein Abschied der amerikanischen Firma - ein Hersteller von Sitzsystemen vornehmlich für BMW - aus dem Landkreis Ende 2017 im Raum steht.

Dem Vernehmen nach wird die Produktion ins Lear-Werk im tschechischen Tachov verlagert. Diese Entwicklung bestätigte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Markus Scharf gestern auf Anfrage der NT-Redaktion. Am Standort Wackersdorf sind derzeit rund 540 Mitarbeiter beschäftigt.

Keine Bestätigung

Roland Spindler, "Human Resources Manager Germany" der Lear-Corporation, wollte einen vorzeitigen Rückzug aus dem Landkreis nicht bestätigen. Aber: "Es gibt Verhandlungen über die Angleichung des Ergänzungstarifvertrags hinsichtlich der neuen Herausforderungen." Wie diese Angleichungen konkret aussehen könnten, darüber wollte Spindler keine Auskünfte erteilen: "Es gibt Möglichkeiten, wie auch immer die aussehen können". Die laufenden Verhandlungen hätten aber nichts mit neuen oder bestehenden Aufträgen zu tun. Die jetzige Modellreihe, über die Lear mit BMW einen Vertrag habe, gehe bis zum Ende des Jahres 2019. So lange gibt es laut Spindler auch Aufträge.

"Kämpfen um Arbeitsplätze"

In München tagten gestern Vertreter der IG Metall und des Unternehmens, um über die Lear-Zukunft im Landkreis Schwandorf zu verhandeln. Für Werner Hasenbank, Fachsekretär der IG Metall in Regensburg, wäre ein möglicher Rückzug von Lear aus dem Landkreis nicht so einfach: "Wir haben eine Beschäftigungsgarantie bis 2019", wies er in einem Telefonat mit dem NT auf den bestehenden Vertrag hin. Deshalb sei in dieser Frage noch nichts endgültig. Das Ziel der Gewerkschaft sei klar: "Wir kämpfen um die Arbeitsplätze". Die Vertreter der IG Metall werden vor der nächsten Verhandlung am 20. März unter anderem überprüfen, wie die Auslastung bei Lear in Wackersdorf genau ist. "Der Arbeitgeber muss beweisen, warum und weshalb er ans Personal will", unterstrich Hasenbank. Einen möglichen Passus im Vertrag, der dem Unternehmen einen frühzeitigen Ausstieg möglich mache, gebe es nicht: "Eine Sicherung bedeutet schlichtweg ,Arbeitsplätze bis 2019'."

Keine Folgen für Fehrer

Eng mit Lear verknüpft ist die Firma Fehrer, die ebenfalls im Innovationspark produziert. Sie stellt Polster und Schäume her, die Lear in seinen Sitzen verbaut. Einen möglichen Umzug des US-Unternehmens nach Tschechien würde Fehrer aber wohl kompensieren können. "Nur etwa 10 bis 15 Prozent des in Wackersdorf produzierten Volumens werden an Lear geliefert", schildert Marketingleiterin und Pressesprecherin Ursula Theiss. Außerdem gebe es die Aussicht auf weitere Aufträge, die einen möglichen Wegfall des Sitzherstellers sogar überkompensieren könnten.

Bereits vor fünf Jahren stand die Zukunft des BMW-Zulieferers Lear im Innovationspark auf der Kippe. Nach langen Verhandlungen wurde aber am Ende ein Ergänzungstarifvertrag geschlossen, der eine Beschäftigungssicherung bis 2019 beinhaltete. Im Gegenzug mussten die Arbeitnehmer Einbußen hinnehmen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.