Warnstreiks: Verdi legt der Post ein Ei ins Nest

Der Tarifkonflikt zwischen Deutscher Post und Verdi spitzt sich zu. Zahlreiche Briefe und Pakete könnten an Ostern auf der Strecke bleiben. Außerdem reicht die Gewerkschaft eine Klage gegen den Konzern ein.

Durch den Tarifstreit mit der Gewerkschaft Verdi könnten zahlreiche Kunden der Deutschen Post an Ostern vergeblich auf ihre Päckchen warten. Verdi werde seine Mitglieder ab 1. April zu Warnstreiks bei dem Logistikkonzern aufrufen, teilte die Gewerkschaft am Montag in Berlin mit. Verdi will damit ihrer Forderung nach Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich Nachdruck verleihen.

Verzögerte Zustellung

Das Management der Deutschen Post hält dagegen, es habe bereits ein weiterreichendes Konzept zur wöchentlichen Arbeitszeit vorgelegt. "Es gibt daher aus den Verhandlungen heraus überhaupt keinen Grund für Warnstreiks", erklärte Post-Personalchefin Melanie Kreis. Die Post geht davon aus, dass es durch die angekündigten Warnstreiks "zur Verzögerung einzelner Sendungen" kommen wird. "Man kann die Auswirkungen nie ganz verhindern", sagte Post-Sprecher Dirk Klasen. Wann und wo die Warnstreiks stattfinden sollen, will Verdi kurzfristig bekanntgeben.

Verdi fordert für die nach ihren Angaben 140 000 Tarif-Beschäftigten der Deutschen Post eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 auf 36 Stunden - bei vollem Lohnausgleich. "Das würde ja bedeuten, dass die Beschäftigten 2,5 Stunden weniger arbeiten würden, aber trotzdem das gleiche Gehalt verdienen. Das können wir so einfach nicht akzeptieren", sagte Klasen. Zumal man nicht wisse, was Verdi bei den in spätestens zwei Monaten startenden Lohntarifverhandlungen fordern werde. Der Lohntarifvertrag der Tarif-Beschäftigten läuft Ende Mai aus.

Die Gewerkschaft kündigte zudem eine Klage vor dem Arbeitsgericht Bonn an gegen die geplante Ausgliederung von Paketzustellern in 49 Regionalgesellschaften mit schlechteren Tarifbedingungen. Mit der Ausgliederung soll der Post zufolge vor allem Beschäftigten, die bislang befristete Verträge beim Mutterkonzern haben, ein dauerhafter Job geboten werden. Sie sollen aber nach dem Tarif der Speditions- und Logistikbranche bezahlt werden. Damit verdienen sie dann weniger als im Mutterkonzern. Nach Angaben der Post haben inzwischen schon rund 5500 Beschäftigte die neuen Verträge unterschrieben.

Ausstand bei Amazon

Bis einschließlich heute sind auch Mitarbeiter an fünf Standorten von Amazon im Ausstand. Betroffen von Arbeitsniederlegungen waren am Montag die Standorte Bad Hersfeld (Hessen), Leipzig (Sachsen), Koblenz (Rheinland-Pfalz), Werne und Rheinberg (beide Nordrhein-Westfalen).

"Wer mit Standardversand bis Dienstagabend bestellt, kann sicher sein, dass die Ware noch am Samstag ankommt", versprach Amazon-Sprecherin Anette Nachbar. Das Unternehmen arbeitet mit verschiedenen Partnern zusammen, darunter auch mit der Deutschen Post DHL. Bei der Gewerkschaft ist man hingegen überzeugt, dass es zu Lieferverzögerungen kommen werde.
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