Wasser auf die Mühlen

Querbauwerke, Fischaufstiege und Mindestwasser: Bei der ökologischen Verträglichkeit von Wasserkraftwerken sind die Betreiber und die Fischer oft gegensätzlicher Meinung. Archivbild: Götz

Nicht nur "ständigen Anfeindungen" aus den Reihen der Fischer sehen sich die Betreiber von Klein-Wasserkraftwerken ausgesetzt. "Gegen uns wird bei Genehmigungsverfahren öffentlich Stimmung gemacht," klagt Vorsitzender Hans-Peter Lang.

Regensburg. (cf) 41 Prozent trägt die Wasserkraft zur Stromproduktion durch erneuerbare Energien im Freistaat bei. "Der Anteil der Photovoltaik liegt bei 29 Prozent und der Biomasse bei 25 Prozent," erklärte Lang (Pleystein) bei der Versammlung des Landesverbands Bayerischer Wasserkraftwerke in Regensburg. "Ohne Wasserkraft ist die Energiewende nicht zu schaffen." Lang unterstrich die "ausgereifte Technologie" seit 100 Jahren. Er rechnete vor, dass es in Bayern 30 0000 Querbauwerke in Flüssen, aber nur 4200 Wasserkraftwerke gebe. "Es wäre fahrlässig, die Querbauwerke nicht mit Wasserkraftanlagen auszustatten."

Streit um Restwasser

Bereits 70 Prozent der Verbandsmitglieder bieten Fischaufstiegshilfen, 20 Prozent planen solche Anlagen. "Wir sind es also, die die europäische Wasser-Richtlinie umsetzen, nicht die Fischereiverbände." 2014 wurden in Bayern 1270 Wasserkraftwerke überprüft, ob sie auch ausreichend "Restwasser" abgeben. 75 Prozent der Anlagen erfüllen die behördlichen Vorgaben, bei 12 Prozent liegen "leichte Abweichungen" vor. Unterm Strich gab es 160 Mitteilungen an die Kreisverwaltungsbehörden, die 50 Ordnungswidrigkeits-Verfahren einleiteten. "Diese 50 im Vergleich zu den vorhandenen 4200 Wasserkraftanlagen sind lediglich 1,19 Prozent", rechnete Lang vor. Er wolle diese Zahl "nicht schön reden", aber sie rechtfertige keinesfalls einen "Frontalangriff" des Landesfischerei-Verbands gegen die Wasserkraft. Der Vorsitzende appellierte an die Mitglieder, die festgesetzten Restwasser-Mengen einzuhalten. "Wir dürfen uns hier keine Blöße geben."

Lang klammerte die Speicherung vom Strom nicht aus: "Es muss an Planung und Genehmigung von Speicherkraftwerken nicht nur im großen Stil, sondern in kleinen Einheiten herangegangen werden. Unsere Mittelgebirgslagen sind dazu bestens geeignet." Auch der sogenannte "Schwellbetrieb" ("oftmals geht es nur um Minuten") dürfe kein Tabu mehr sein. "Wir müssen jedoch einsehen, dass selbst die Bestands-Erhaltung der Wasserkraft schon ein Erfolg für uns ist," schätzte Lang abschließend die reale Lage ein.
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