Wasserkraft für Ostafrika

Neben Weltkonzernen wie Bosch oder Siemens gehörte auch ein Oberpfälzer Mittelständler der hochkarätigen Delegation bei der Afrikareise von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier an. Ostafrika öffnet die Tür für den Wasserkraft-Spezialisten aus dem Landkreis Neustadt.

Pleystein. Die Firma Kochendörfer Wasserkraftanlagen Turbinen-Maschinenbau e. K. bedient vom Städtchen Pleystein aus eine internationale Marktnische: Wartung und Reparatur von Turbinen für (Klein-)Wasserkraftwerke sowie deren Leistungssteigerung. Mit dem Unternehmen F.EE aus Neunburg vor Wald errichtete Kochendörfer über die gemeinsame Firma Kochendörfer & F.EE Hydropower bereits ein Wasserkraftwerk mit einer Leistung von 2,5 Megawatt im ostafrikanischen Staat Ruanda (wir berichteten).

Vor diesem Hintergrund plädierten sowohl der deutsche Botschafter in Ruanda, Peter Fahrenholtz, als auch Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht für die Teilnahme des Geschäftsführers von Kochendörfer & F.EE, Ingo Giersemehl, an der Afrikareise. Außenminister Steinmeier entsprach prompt den Empfehlungen. 225 Seiten umfasste das dicht gedrängte, straffe Programm. Neben Politikern, Spitzendiplomaten des Auswärtigen Amts und den zuständigen deutschen Botschaftern von Ruanda, Kenia und Kongo flogen u.a. mit: der Präsident des Goethe-Instituts, der Intendant der deutschen Welle, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Top-Manager von Siemens, Bosch, Strabag sowie auf den afrikanischen Markt spezialisierte Unternehmen - und Ingo Giersemehl als einziger Oberpfälzer ... Die drei afrikanischen Gastgeber-Länder bedienten die deutschen Besucher mit ihrer ersten Garde: den jeweiligen Präsidenten und Ministern.

Autarke Energieversorgung

Der gemeinsame Auftritt von Politik und Wirtschaft - quasi Schulter an Schulter - und die professionelle, perfekte Organisation der Reise beeindruckten Giersemehl nachhaltig. "Entwicklungshilfe ist heute gleichbedeutend mit Wirtschaftshilfe. Die Zeiten von Lebensmittel-Spenden und der Ausgabe von Trinkwasser-Kanistern sind vorbei."

Im Fokus der Reise standen die regenerativen Energien Wasser, Sonne und Wind, um Ostafrika eine weitgehend autarke Energieversorgung zu ermöglichen. Für Kochendörfer & F.EE festigte Ingo Giersemehl mit der ruandischen Regierung den Bau eines Wasserkraftwerks mit einer Leistung von 1,8 Megawatt. Außerdem schloss er eine Kooperations-Vereinbarung für die Errichtung eines 6,8-Megawatt-Kraftwerks. "Am Laufen" ist die Bewerbung um eine effiziente Betriebsführung zweier bestehender Wasserkraftwerke in Ruanda. "Vielversprechende Kontakte" erschloss der Oberpfälzer in Kenia, das einen gänzlich neuen Markt darstellt.

Nach dem grausamen Völkermord in den 90er Jahren gilt Ruanda heute als ein Hort der Stabilität und Prosperität in Afrika. Die "afrikanische Schweiz" mit ihren reizvollen Mittelgebirgen begeisterte die gesamte Delegation aus Berlin. Nach Einschätzung Kochendörfers hält auch Kenia - nach Ruanda - als "aufstrebende Wirtschaftsregion" alle Trümpfe in der Hand. Vor gewaltigen Problemen stehe allerdings der geografisch riesige Staat Kongo ...

Schnelles Internet

Gerade in Ruanda und Kenia traf Giersemehl übrigens eine nahezu perfekte Infrastruktur für schnelle Internetverbindungen an: "Die Versorgung mit Daten-Autobahnen ist beneidenswert. Selbst im hintersten Dorf gibt es schon Glasfaserkabel."

Ingo Giersemehls Fazit der Afrikareise mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier fällt absolut positiv aus: "Die Politik vertrat freundlich, aber bestimmt, deutsche Interessen und zeigte ,Gesicht' mit den Unternehmern."
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