Weiden: 25 Mitarbeiter wurden bei ATU wieder gekündigt
Wieder Kündigungen bei ATU

Die ATU-Zentrale in Weiden. (Bild: Huber)

Weiden. (ca) Erst am Freitag, 16.30 Uhr, fasste die ATU-Geschäftsführung den Beschluss, die Kassenprüfung aufzulösen. Am Montag wurden die 25 Kündigungen schon ausgesprochen. Die Abteilungsleiterin war am Morgen aus dem Urlaub zurückgekehrt. Mittags konnte sie ihren Schreibtisch räumen.

Sie ist ein "Urgestein" von ATU. Auch etliche andere Betroffene hatten seit über 25 Jahren ihren Arbeitsplatz in der Dr.-Kilian-Straße. Die Gewerkschaft spricht von einer Sauerei. "Ich bin einigermaßen fassungslos", sagte Horst Ott, 1. Bevollmächtigter der IG Metall. "So geht man mit Menschen nicht um."
Unter den Gekündigten herrsche "blanke Ohnmacht". Etliche sprachen am Dienstag im IG-Metall-Büro vor, das im Mai im ersten Stock der ATU-Zentrale eingerichtet wurde.

Noch kein Betriebsrat

Nur: Helfen kann die Gewerkschaft allenfalls mit Rechtsberatung, weil ATU eben noch keinen Betriebsrat hat. Dieser soll in vier Wochen (3. bis 7. November) erstmals gewählt werden. Zu spät für die 25 Entlassenen (20 aus der Kassenprüfung, fünf aus dem Debitoren-Management). Gäbe es bereits einen Betriebsrat, würde laut Ott das Betriebsverfassungsgesetz greifen. Dann könnte die Auflösung der Abteilung als Betriebsänderung gelten - und ein Interessensausgleich und ein Sozialplan wären nötig. "Wir hätten eine ganz andere Mitbestimmung."

Betriebswirtschaftliche Entscheidung

Ott traf sich am Dienstagmorgen mit Personalchef Thomas Thiede. Dieser habe die Entscheidung betriebswirtschaftlich begründet. Die Kosten für eine ganze Kassenprüfungsabteilung stünden nicht im Verhältnis zu den Fehlbuchungen, die mit ihr festgestellt worden seien. Eine Kassenprüfung in dieser Form sei nicht mehr zeitgemäß. Ott kann und will das nicht beurteilen: "Wir haben nichts dagegen, wenn man alte Strukturen kappt. Aber gegen die Art, wie man es hier tut." Auch von der ATU-Card verabschiedet sich das Unternehmen - die hier betroffenen Mitarbeiter kommen aber anderweitig unter.

Stellenabbau abgeschlossen?

Erst im Mai waren in Weiden 50 Arbeitsplätze gestrichen worden. Nach dieser Umstrukturierung hatte der im Februar neu eingesetzte Geschäftsführer Norbert Scheuch verkündet: "Der Stellenabbau für den Standort Weiden ist abgeschlossen." Gegenüber Ott begründete Thiede den jetzt weiteren Abbau damit, dass die Kassenprüfung im Frühjahr "durchgerutscht" sei: Hätte man schon damals bemerkt, dass sie nicht lohnend sei, wäre der Schritt früher erfolgt. Die Abfindungen, die den 25 Gekündigten aktuell angeboten werden, entsprechen denen vom Mai.

"Keine Strategie"

Nach wie vor hält Ott viel von Scheuch, "wie Thiede ein absoluter Profi". "Ich halte eher die mittlere Führungsschicht an der einen oder anderen Stelle für eine Schwäche bei ATU." Ott will der Geschäftsführung auch nicht unterstellen, dass die Auflösung der Kassenprüfung Teil einer "Strategie contra Betriebsratsgründung" sei. "Ich halte das nicht für Bösartigkeit. Aber es ist sicher nicht vertrauensbildend."

Auch Josef Bock (DGB) hielt sich am Dienstag in der ATU-Zentrale auf: Angesichts der aktuellen Entwicklung sei ein Betriebsrat für die knapp über 1000 ATU-Mitarbeiter in Weiden "umso wichtiger, um aus dieser Ohnmacht herauszukommen". Er rief zur Kandidatur auf: "Wir brauchen die besten Leute aus allen Bereichen."
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