Weidener bauen Super-Schleuse

Eine vergleichbare Dimension wie die Kaiserschleuse in Bremerhaven (hier die Torkammer mit Schienenanlage) weist das geplante Projekt im Nord-Ostsee-Kanal auf. Für diese größte Schleuse Europas konstruiert, fertigt und montiert die Weidener Maschinenbaufirma Hermann erneut die komplette Antriebstechnik. Bild: hfz

Der Nord-Ostsee-Kanal ist mit 35 000 Schiffspassagen im Jahr eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt. Die wichtigsten Schleusen stammen aus der Kaiser-Zeit. Eine Firma aus Weiden, der Maschinenbauer Hermann, fertigt die technischen Schlüsselelemente bei der Modernisierung.

Weiden. Fast eine halbe Milliarde Euro kostet die neue riesige Schleuse mit ihren 21 000 Tonnen Spundwandstahl und 115 000 Kubikmetern Stahlbeton. Für das 360 Meter lange und 45 Meter breite Großprojekt bei Brunsbüttel liefern die Oberpfälzer - quasi maßgeschneidert - die komplette Antriebstechnik für die gewaltigen Schleusentore, einschließlich Schienenanlagen und Montage. Am Standort Weiden herrscht Freude über diesen Großauftrag in knapp zweistelliger Millionenhöhe. Die Regie für das Projekt selber - eine der größten Baustellen in Europa - führt ein Hamburger Unternehmen.

Günther Hastaedt, Geschäftsführer der Hermann GmbH, und Jürgen Graßl, Verantwortlicher für den Stahlwasserbau, stiegen erst 2008 in die komplizierte und komplexe Schleusentechnik ein. Sie setzten sich auf Anhieb mit hoher Qualität und Präzision aus dem klassischen Maschinenbau gegen die etablierten Mitbewerber aus den Nordländern durch. Vorzeigeprojekte für die Weidener sind unter anderem die Harburger Hafenschleuse in Hamburg, die Kaiserschleuse in Bremerhaven (ein Jahrhundertbauwerk) und die gewaltige Sturmflutsperre bei Greifswald. Die Firma Hermann erarbeitete sich in der Branche einen ausgezeichneten Ruf. Hastaedt: "Vor allem mit der Kaiserschleuse haben wir ein Ausrufezeichen gesetzt."

Oberpfälzer Tugenden

Da die Konstruktionen starker Gefährdung durch Korrosion im Wasser ausgesetzt sind, bedarf es aufwendiger Beschichtungsverfahren für die hochwertigen Stahlelemente. Diese Prozesse werden in Weiden ebenso mit routinierter Hand erledigt wie die haargenaue Fertigung, die nur zwei Zehntel Millimeter Toleranz erlaubt - und dies bei enormen Dimensionen. So weist ein Stahlrad für den Unterwagen der Schleusentore ein Gewicht von 5,3 Tonnen und einen Durchmesser von 1,6 Metern auf. Der Unterwagen selber bringt 73 Tonnen auf die Waage. Ausdrücklich loben Hastaedt und Graßl den Fleiß, die Loyalität und das Können ihrer inzwischen 150 Mitarbeiter: "Diese Oberpfälzer Tugenden sind ein klarer Standortvorteil."

Die Belegschaft setzt sich vorwiegend aus Feinwerkmechanikern, Technikern, geprüften Schweißern, Maschinenbauern und Maschinenbau-Ingenieuren zusammen. Als klaren Vorteil für schnelles, flexibles Handeln wertet Geschäftsführer Hastaedt den eigenen modernen Maschinenpark. "Wir erledigen nahezu alle Arbeitsprozesse in Eigenregie." Sechs Millionen Euro Investitionen flossen allein in den Jahren 2013/14. So kann die größte CNC-Anlage bis zu 13 Meter lange und 3,3 Meter hohe Stahlteile bearbeiten. Spezialtransporter bringen die Produkte zum Kunden.

Vier Standorte

Die Firma Hermann Maschinenbau GmbH zählt vier Standorte: in Weiden-West an der Dr.-Müller- und Philipp-Karl-Straße, in Erpetshof (Landkreis Neustadt/WN) und in Niederlamitz bei Selb. Das Unternehmen ist auch in den Bereichen Landmaschinen, Luft- und Raumfahrt, Medizin- und Bühnentechnik aktiv.
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