Weihnachtsfrieden bei der Bahn

Am Freitag zeigten sich die EVG-Mitglieder (links Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba) kämpferisch. Doch die Gewerkschaft verzichtet bis 11. Januar auf einen Streik bei der Bahn. Bild: dpa

Bei der Bahn kommen die verzwickten Verhandlungen mit zwei konkurrierenden Gewerkschaften langsam voran. Die EVG hat erste Zugeständnisse erreicht, doch jetzt kommt mit der Lokführer-Gewerkschaft GDL der härtere Brocken.

Die streikgeplagten Bahnkunden können durchschnaufen: Nach der GDL hat auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG erklärt, bis in den Januar hinein auf Streiks bei der Deutschen Bahn zu verzichten. Man wolle bei Arbeitskampfmaßnahmen den Arbeitgeber treffen und nicht die Kunden, erklärte EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba am Freitag in Frankfurt. Die GDL hatte bereits zuvor angekündigt, bis zum 11. Januar keine Streiks mehr durchzuführen. Die EVG will bis zu ihrer nächsten Verhandlungsrunde am 14. Januar die Füße stillhalten.

Soziale Komponente

Verhandlungsführerin Rusch-Ziemba sagte nach der vierten Verhandlungsrunde am Freitag, die Bahn habe erstmals eine soziale Komponente bei den angestrebten Gehaltssteigerungen akzeptiert und einen monatlichen Mindestbetrag von 50 Euro angeboten. Damit sei sie allerdings noch weit von der geforderten Mindesterhöhung entfernt. Die EVG fordert für ihre rund 100 000 DB-Beschäftigten sechs Prozent mehr Geld, mindestens aber 150 Euro bei einer einjährigen Laufzeit. Zumindest nach EVG-Einschätzung vom Tisch ist der Vorschlag des Unternehmens zu einer neuartigen Tarifstruktur. "Es wird kein neues Tarifwerk geben, sondern wir werden auf dem bewährten Tarifsystem weiter verhandeln", sagte Rusch-Ziemba. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber nannte es zweitrangig, in welcher Reihenfolge über Strukturen und Lohnforderungen gesprochen werde. "Hauptsache ist, wir bleiben am Tisch und stehen erst wieder auf, wenn wir Ergebnisse haben."

Eine härtere Nuss könnten die erneuten Verhandlungen mit der Lokführergewerkschaft GDL werden, die für den 17. Dezember anstehen. In der "Süddeutschen Zeitung" hat der GDL-Dachverband Deutscher Beamtenbund (DBB) der Bahn mit "einem der schlimmsten Arbeitskämpfe aller Zeiten" gedroht. Das Unternehmen solle der GDL ein Angebot "ohne Vorbedingungen" unterbreiten, sagte der zweite Vorsitzende des Beamtenbunds, Willi Russ. Der DBB verwaltet die Streikkasse, aus der die Lokführer ihre Arbeitskämpfe finanzieren. Russ sagte, künftige Streiks würden nicht am Geld scheitern. Er drohte: "Im Vergleich zu dem, was uns dann bei der Bahn bevorstehen wird, war alles Bisherige nur Kinderkram." Weber reagierte gelassen: "Ich hatte spontan den Eindruck, dass der DBB-Vertreter sich im Ton vergriffen hat."
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