Weiter Fahrt aufgenommen

Der neue Firmenchef vor der Anlage zum Härten von Präzisionsteilen: Der gebürtige Rothenstädter (bei Weiden) ist bescheiden. "Einzelpersonen sind nicht wichtig. Funktionieren muss es", sagt Dietmar Wohlfart. Bild: cf

Auch heute stammen alle Getriebe, die bei der Formel 1 zum Sieg führen, aus der Nordoberpfalz. Vor zwei Jahren übernahm Dietmar Wohlfart das Vorzeige-Unternehmen Hör Technologie. Die Bilanz fällt erfreulich aus.

Mitterteich/Weiden. Die Firma war das Lebenswerk von Albrecht Hör. Er hatte sie 1979 in einer Garage gegründet und zu einer Hightech-Schmiede von internationalem Ruf mit 242 Beschäftigten an den Standorten Mitterteich und Weiden-West entwickelt: mit Präzisions-Maschinenbau für Zahnräder, Nockenwellen oder Getrieben - als Prototypen oder für Kleinstserien in der Automobilindustrie, im Motorsport oder in der Luft- und Raumfahrt. Legendär ist das von Hör komplett entwickelte Getriebe für den Porsche Carrera GT.

Hör war an einer regionalen Lösung gelegen. Nachdem eine familieninterne Nachfolge ausgeschlossen war, kam der damals 63-Jährige Ende 2012 mit Dietmar Wohlfart ins Gespräch. Der gebürtige Rothenstädter hatte sich bei Hueck-Folien in Pirk (später Constantia) als Geschäftsführer unternehmerische Meriten erworben. Als die Constantia an einen amerikanischen Investor ging, schied Wohlfart ("ich wollte nie zu einem Konzern") Mitte 2011 einvernehmlich aus - und hielt Ausschau nach neuen Herausforderungen. Er war ja erst 55 Jahre alt.

Regionale Finanzierung

Beide Seiten gestalteten einen "sanften Übergang". Albrecht Hör steht bis heute im regen (Ideen-)Austausch mit Dietmar Wohlfart. "Der Kaufpreis war der technischen Kompetenz der Firma angemessen", sagt Wohlfart. Die Sparkasse Oberpfalz Nord richtete dieser Tage eine eigene Veranstaltung zur Unternehmensnachfolge am Hör-Standort Mitterteich aus, um einem ausgewählten Kundenkreis diesen besonders geglückten Fall vor Augen zu führen.

Die funktionierende zweite Management-Ebene stellte für Wohlfart eine "wesentliche Kernanforderung" dar. Er kaufte die Immobilien direkt von Albrecht Hör, löste alle Finanzierungen ab und band die Sparkasse Oberpfalz Nord und die Raiffeisenbank Weiden ein. "Mittelständische Unternehmen müssen regional finanziert sein." Der Leiter Vertrieb und Technik, Peter Helwig, ist seit Anfang des Jahres als Geschäftsführer am Unternehmen beteiligt. Mit eingestiegen sind auch zwei Beteiligungsgesellschaften. Wohlfart beziffert die Eigenkapitalquote auf 60 Prozent. Hör Technologie operiere mit einer neuen Organisationsstruktur noch effizienter - "mit einer extremen Wertschöpfungstiefe".

Neue Übernahmen geplant

In den vergangenen zwei Jahren investierte Wohlfart in die beiden Standorte rund 5 Millionen Euro, weitere 1,5 Millionen Euro flossen in den Grundstückserwerb am "sehr beengten" Standort Weiden. Neue Kunden kamen gerade im Maschinenbau (Verzahnungstechnik) hinzu. Erfolgreich ist die Firma auch im Motorsport unterwegs: Hör Technologie liefert für den neuen Audi R 8 das komplette Renngetriebe, "mit besseren Werten als von Audi gefordert". So reduzierte sich das Gewicht des Getriebes um 25 Kilogramm - mit wesentlich höherer Effizienz und geringeren Reibungsverlusten. Dietmar Wohlfart erzielte seit 2013 20 Prozent mehr Umsatz und ein "überdurchschnittliches Ertragswachstum". Das Unternehmen zählt heute 260 Beschäftigte. In den nächsten Jahren lotet Wohlfart eine 100-prozentige Beteiligung an bis zu neun Unternehmen aus, "die zu uns passen und uns ergänzen". Die Schwerpunkte für die geplanten Übernahmen liegen in Nordbayern und im Raum Stuttgart.
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