Weiter mit "eigenem" Wasser

Auf dem Gelände der alten Aufbereitungsanlage entsteht ein Neubau, um die Wasserversorgung im Gebiet des Zweckverbandes weiter auf sichere Beine zu stellen. Bild: Völkl

Hauseigentümer, die vom Zweckverband Neunaigen-Kemnath ihr Wasser beziehen, werden schlucken: Um die Versorgung auch in Zukunft zu gewährleisten, muss eine neue Aufbereitungsanlage gebaut und finanziert werden.

Wernberg-Köblitz-Neunaigen. (cv) Es ist die Krux ländlicher Gebiete: Ein langes Leitungsnetz mit relativ wenig Wasserbeziehern. Im Wasserzweckverband Neunaigen-Kemnath sind es 330 Anwesen. Die Anschließer aus den Gemeindebereichen Neunaigen und Kemnath am Buchberg (ohne Sitzambuch) beziehen ihr Wasser aus dem eigenen Brunnen bei Kettnitzmühle. Ein wertvolles Gut. 60.000 Kubikliter werden im Jahr verkauft. Das Positive: Seit vielen Jahren zahlen die Anwesen einen Wasserpreis von 86 Cent. Zum Vergleich: Im Wernberg-Köblitz sind es 1,40 Cent. Das weniger Erfreuliche: Der Preis wird sich erhöhen, und auch um Verbesserungsbeiträge kommt man nicht herum.

Verbandsvorsitzender Vitus Bauer erläutert die Situation: Das seit mehreren Jahrzehnten geltende Wasserrecht läuft 2016 aus. Da sich der Stand der Technik geändert hat, auch andere Sicherheitsmaßstäbe angelegt werden, muss die Aufbereitungsanlage erneuert werden. Ansonsten gibt es keine Verlängerung des Wasserrechts.

Mehrere Varianten

Welcher Zukunftsplan ist für den Zweckverband und seine Wasserbezieher wirtschaftlich und zukunftsorientiert? Seit dem Jahr 2013 befasst sich der Zweckverband mit der Thematik, spielte die Varianten durch, so Vitus Bauer. Im Gespräch war auch ein Wasserbezug aus Wernberg-Köblitz oder Schnaittenbach. Einhellig entschied man sich, in der Versorgung eigenständig zu bleiben und einen Neubau zu planen. Ein Umbau wäre nicht mehr wirtschaftlich. Die Aufbereitungstechnik hat sich enorm verändert, eine alte Anlage reagiert bei weiten nicht so schnell auf Einträge - beispielsweise Nitrat - ins Trinkwasser. Und mit Blick auf terroristische Anschläge wird auch dem Sicherheitsaspekt von Wasserversorgungsanlagen bei Genehmigungen ein größerer Stellenwert eingeräumt.

"Das Wasserrecht behalten und die eigene Versorgung langfristig sicherstellen, das ist unser Ziel", so der Verbandsvorsitzende. In Abstimmung mit dem Wasserwirtschafts- und dem Gesundheitsamt wurde die Maßnahme auf die Beine gestellt. Das Projektbüro Wolf aus Kemnath-Stadt begleitet den Zweckverband. An Kosten stehen derzeit geschätzte 900 000 Euro netto im Raum, berichtet Bauer. Es gibt keine Förderung. Der Zweckverband hat den Bau komplett selbst zu finanzieren.

Zeitnah informieren

Nur für den Moment gedacht, gebe es auch billigere Lösungen, doch die Berechnungen zeigen, dass langfristig gesehen der Neubau am günstigsten sei, meint auch Kämmerer Bernhard Praschel. Noch im November vergibt der Zweckverband die Entwurfs- und Genehmigungsplanung. Die Bürger werden zeitnah und umfassend informiert, sobald man Konkretes an der Hand hat.

Es gibt drei Varianten, wie das Projekt bezahlt werden kann: Über den Wasserpreis, über Verbesserungsbeiträge oder über einen Mix aus beidem. Das wird denn auch der Fall sein. Einen Teil wird der Zweckverband über den Wasserpreis und einen Teil über Verbesserungsbeiträge finanzieren. Sie orientieren sich an den Investitionskosten, der Geschoss- und Grundstücksfläche. Wenn die Zahlen belastbar sind, geht man damit umgehend an die Öffentlichkeit.

Baubeginn 2016

Der Wasserpreis wird 2016 für die nächsten drei Jahre neu kalkuliert. Baubeginn soll nächstes Jahr sein. Eineinhalb Jahre sind veranschlagt. "Das wird kein Luxusbau", fasst Vitus Bauer zusammen, sondern ein zweckmäßiger und wirtschaftlicher Bau, "um das Wasser in der eigenen Hand zu haben und den Wasserpreis bezahlbar zu halten".
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