Wer eine Handyversicherung abschließen will, sollte das Kleingedruckte sorgfältig lesen
Policen mit wenig Vorteilen

Es kann so schnell gehen: Das Handy wird aus dem Rucksack geklaut. Händler spekulieren mit solchen Ängsten und bieten beim Kauf eine Handyversicherung an. Bild: hfz
Im Internet surfen, Fotos machen, Kontakte verwalten: Ein Handy ist längst nicht mehr nur zum Telefonieren da. Immer luxuriöser werden die Geräte - und das hat auch seinen Preis: Unter 600 Euro sind gute Smartphones oder auch Tablets heutzutage kaum zu haben. Doch schon beim Aussuchen eines Modells im Geschäft kommt bei vielen Käufern Angst auf: Sie malen sich aus, wie leicht das Stück gestohlen oder beim Herausziehen aus der Hosentasche auf den Boden krachen und beschädigt werden. Händler spekulieren mit solchen Ängsten und bieten oft gleich beim Kauf eine Versicherung für zwischen drei und zehn Euro pro Monat an.

Ein Muss ist eine Handyversicherung nicht. "Der Verlust eines Handys bedroht die finanzielle Existenz des Besitzers in aller Regel nicht", erklärt Michael Sittig von der Stiftung Warentest. Eine Handyversicherung gehört daher aus seiner Sicht nicht zu den wichtigen Policen. Wer dennoch eine abschließt, muss damit rechnen, dass der Anbieter im Schadensfall nicht oder nur teilweise zahlt.

Angebote vergleichen

Lohnt sich unter solchen Voraussetzungen eine Handyversicherung überhaupt? "Das hängt vom Inhalt des Versicherungsschutzes und dem Wert des zu versichernden Handys ab", sagt Hasso Suliak. Er ist Sprecher beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit Sitz in Berlin. Suliak verweist darauf, dass es auf dem Markt unterschiedliche Produkte gibt. Diejenigen, die auf keinen Fall auf einen speziellen Schutz für ihr Smartphone, I-Phone oder Tablet verzichten wollen, sollten unbedingt die Angebote mehrerer Anbieter vergleichen. Das rät Rita Reichard von der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf. "Vor allem das Kleingedruckte in punkto Zeitwert, Ausschlüsse, Leistungsumfang und Selbstbehalt sollte genau geprüft werden", betont Reichard. Sie weist darauf hin, dass sich niemand beim Kauf eines Handys auf die angebotene Police einlassen muss.

"In der Regel wird nur der Zeitwert eines Geräts unter Anrechnung einer Selbstbeteiligung erstattet", erklärt Suliak. Der Zeitwert beträgt nach Angaben von Reichard in der Regel bereits nach einem Jahr nur noch 50 bis 80 Prozent des Neupreises. Die Höhe der Selbstbeteiligung beziffert die Verbraucherschützerin auf zwischen 10 und 20 Prozent des Kaufpreises. "Bei Diebstahl oder Defekt zahlt die Versicherung aber häufig gar nichts", sagt Reichard. Oft bietet sie statt Bares nur ein gebrauchtes Ersatzgerät gleicher Art und Güte an. "Alles in allem rechnet sich der Versicherungsschutz nicht", meint Reichard.

Im Auge behalten

"Wer das Smartphone ablegt, es dabei nur kurzfristig aus dem Auge lässt und es gestohlen wird, riskiert seinen Versicherungsschutz", erklärt Sittig. Grundsätzlich sollten Interessenten einer Handyversicherung prüfen, ob sie im Fall eines Einbruchdiebstahls oder eines Raubes nicht schon über die Hausratversicherung geschützt sind. Denn wird bei einem Handybesitzer zu Hause eingebrochen und das Mobiltelefon gestohlen, zahlt die Hausratversicherung. "Sie muss für den Neuwert des Geräts aufkommen", sagt Sittig. Das gilt nach seinen Angaben auch in Fällen, in denen Besitzern das Mobiltelefon mit Gewalt entwendet wird, also in Fällen von Raub. "Sowohl bei Einbruch als auch bei Raub muss der Handyverlust unbedingt bei der Polizei angezeigt werden", betont Reichard.

Details über Ausschlüsse stehen im Kleingedruckten des Vertrags. "Die Liste ist oft lang", sagt Reichard. So ist häufig festgelegt, dass der Handybesitzer bei Bedienfehlern oder Virenbefall selbst für den Schaden aufkommen muss. Für einen Schaden durch Nässe kommt die Handyversicherung oft nur dann auf, wenn das Gerät ins Wasser gefallen ist.

Ende im Schadensfall

Eine Handyversicherung wird in der Regel für eine Laufzeit zwischen 12 und 24 Monaten angeboten. "Eine fristgerechte Kündigung ist bei automatischer Vertragsverlängerung in aller Regel ein bis drei Monate vor Ablauf der Mindestvertragslaufzeit möglich", erklärt Reichard. In einigen Fällen endet der Vertrag automatisch. Die Verbraucherschützerin weist darauf hin, dass bei einigen Anbietern der Versicherungsschutz automatisch im Schadensfall endet. Versicherte haben aber auch die Möglichkeit, nach einer Schadensmeldung von sich aus zu kündigen.
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