Wernberg-Köblitz plant trotz 10H-Regelung Strategie für die Windenergie
Windkraft im Griff haben

In Sachen Windenergie will die Marktgemeinde das Heft in der Hand haben: Sie wird Konzentrationsflächen ausweisen, um mit selbst gewählten Abstandsflächen entgegen 10H noch Windkraft zu ermöglichen. Diese Strategie schlägt sogar zwei Fliegen mit einer Klappe.

Wernberg-Köblitz. (cv) Wenn der Markt für sein Gemeinde-Areal klare Windkraftflächen umreißt, ist er auch auf der sicheren Seite, falls Gerichte die 10H-Abstandsregelung aushebeln sollten. Windräder würden dann bei geringeren Abstandsflächen zur Wohnbebauung wieder verstärkt möglich. In Wernberg-Köblitz dann aber nur auf den vom Marktrat abgesegneten Flächen. Einer Verspargelung der Landschaft würde so ein Riegel vorgeschoben.

Zwei Türme stehen

Bisher hielt sich die Kommune an den Regionalplan, der Flächen in Deindorf/Woppenhof und in Feistelberg zuließ. Bei zwei Windkraftanlagen im Raum Deindorf stehen bereits die Türme. Die beiden Windräder waren noch vor 10H genehmigt worden. Doch dann kam die neue gesetzliche Abstandsregelung. Ihr fiel das Bögl-Wiesner-Windrad bei Deindorf/Woppenhof zum Opfer, waren doch die Unterlagen zu spät eingereicht worden. Der von Voltgrün und RWE avisierte Standort Feistelberg wäre mit 10H wohl nicht mehr realisierbar.

Die Staatsregierung eröffnet Kommunen jedoch die Möglichkeit, über Bebauungspläne eigene Abstandsflächen festzulegen. Wenn die Gemeinde will, kann sie in der Bauleitplanung von 10H abweichen, erläutern Zweiter Bürgermeister Alexander Werner und Verwaltungsleiter Stefan Falter auf Anfrage. Guteneck und Niedermurach praktizieren die gleiche Vorgehensweise. Die Marktgemeinde Wernberg-Köblitz wird nun formell eine Flächennutzungsplanänderung in die Wege leiten, eine Potenzialflächenanalyse machen und untersuchen lassen, wo Windkraft möglich und den gesetzlichen Richtlinien entsprechend umsetzbar wäre. "Über die so entstehenden Konzentrationsflächen für Windenergie wird der Bebauungsplan gelegt", erklärt Stefan Falter. Damit wird ein Gerüst geschaffen, das festlegt, "wo Windenergie erlaubt ist und wo nicht".

Der Grund: Mit der 10H-Regelung wäre in der Gemeinde keinerlei Windkraftnutzung mehr umsetzbar, "doch keiner weiß momentan, ob die Regelung rechtlich hält", gibt Falter zu bedenken. "Sollte dies nicht der Fall sein und 10H als verfassungswidrig eingestuft werden, tritt das alte Recht wieder in Kraft, wonach Windkraftanlagen im Außenbereich privilegiert sind". Dann stünden zwei Tage später die Anleger beim Landratsamt auf der Matte, um Anlagen für diverseste Standorte zu beantragen. "Wir könnten so gut wie nichts mehr steuern", betont Falter. Der Planer der Marktgemeinde wird das formelle Verfahren entsprechend vorbereiten. Nach wie vor haben Voltgrün und RWE Interesse an drei bis sechs Anlagen auf dem Feistelberg, die Bögl-Wiesner GmbH in Woppenhof/Deindorf.

Bürger informieren

Der Zeitplan: Wenn der Flächennutzungsplanentwurf mit umrissenen Standorten auf dem Tisch liegt - das dürfte im September sein - wird es eine öffentliche Informationsveranstaltung geben, um die Bürger umfassend zu informieren. Im Verfahren werden wohl rund 90 Stellen gehört werden, mutmaßt Falter. Er rechnet mit einem Jahr, bis der Bebauungsplan steht und von seiten der Gemeinde Baurecht geschaffen werden könnte. Daran würde sich noch ein fünf- bis achtmonatiges imissionsschutzrechtliches Verfahren anschließen. Bis zu einer möglichen Genehmigung wird man das Jahr 2017 schreiben.
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