"Wie ein Wurm an der Angel"

Wer mit Hilfe von Apps oder dem Internet für seine Fitness sorgt, hinterlässt Spuren in der digitalen Welt, Spuren, die möglicherweise auch für Versicherungen von Interesse sind. Archivbild: dpa

Informationen über die Nutzer sind eine begehrte Währung im Internet. Verbraucherschützer mahnen, besonders sensible Angaben über Fitness und Krankheiten aus digitalen Geschäftsmodellen herauszuhalten.

Die Verbraucherzentralen warnen vor sorglosem Umgang mit persönlichen Daten bei digitalen Gesundheitsangeboten. Das könne zu Rundumüberwachung führen, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Klaus Müller. Etwa bei Gesundheits-Apps könnten solche Modelle für Kunden bedeuten, dass ihnen eine Versicherung rund um die Uhr auf der Schulter sitze und ins Ohr flüstere: "Wenn Du Dich falsch ernährst und wenn Du Dich nicht gesund bewegst, dann kann das womöglich für Dich teuer werden."

Mahnung an Politik

Modelle, die bei gesundem Lebenswandel geringere Tarife in Aussicht stellten, seien außerdem eine Abkehr von der solidarischen Versicherung, kritisierte Müller. Auch die Politik sollte ein Auge auf solche Art von Verträgen haben. In der Branche gibt es Überlegungen, etwa die Fitnessdaten von Versicherten zu sammeln und einen gesunden Lebensstil zu belohnen. Solche Regelungen könnten "vermeintlich attraktiv wie ein Wurm an der Angel daherkommen, wenn ich jung, gesund, fit und fidel bin", sagte Müller. Aber man wisse auch aus anderen Versicherungstarifen, dass dies selten bis zum Ende des Lebens so sei. "Und insofern können wir nur eindeutig davor warnen."

Der Branchenverband GDV hatte betont, dass der Datenschutz insbesondere bei der Verarbeitung von Gesundheitsdaten höchste Priorität habe. Grundsätzlich könnten solche Modelle den Versicherungsschutz attraktiver machen.

Generell sei gerade bei den Jüngeren eine Veränderung beim Umgang mit Daten festzustellen, sagte Verbraucherschützer Müller. "Wir beobachten vielleicht noch keine Trendwende, aber wir beobachten gerade bei jüngeren Menschen, dass sie die vermeintlich kostenlosen sozialen Netzwerke wie Facebook nicht mehr so stark frequentieren wie in der Vergangenheit." Es gebe ein Unwohlsein, "was womöglich jemand anderes mit meinen Bildern, mit meinen Dateneinträgen in 5, in 10, in 20 Jahren bewerkstelligt".

Nötig sei in diesem Bereich auch eine stärkere Verbraucherbildung. Ziel müsse eine kritische Generation sein, "die sehr sorgfältig nachfragt, ob alles vermeintlich kostenlos ist, was als solches daherkommt".
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