Wirtschaft ausgebremst

Auftragseinbruch, Produktionsminus, Exportrückgang - die deutsche Wirtschaft schwächelt. Die Politik trägt eine Mitschuld. Reihenweise senken Ökonomen nun ihre Wachstumsprognosen.

Für die deutsche Wirtschaft sieht es düster aus. Weltweite Krisen und eine schwache Binnennachfrage bringen den Aufschwung ins Stocken. Nach dem herben Rückgang der Industrieaufträge brachen im August auch die Exporte ein. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute senkten ihre Wachstumsprognose für Deutschland für 2014 und 2015 deutlich.

Politik belastet Konjunktur

Als eine Ursache nannten die Ökonomen bei der Vorstellung des Herbstgutachtens am Donnerstag in Berlin auch "Gegenwind aus der Wirtschaftspolitik": Mindestlohn, Mütterrente und die Rente mit 63 hemmten die Investitionsbereitschaft der Unternehmen stärker als angenommen. Die Forderungen an die Bundesregierung, mit mehr Investitionen gegenzusteuern, werden lauter.

Die Forschungsinstitute Ifo (München), DIW (Berlin), RWI (Essen) und IWH (Halle) rechnen für dieses Jahr nur noch mit 1,3 Prozent mehr Wirtschaftsleistung. Vor einem halben Jahr hatten die von der Bundesregierung beauftragten Experten noch 1,9 Prozent Wachstum vorhergesagt. Auch ihre Prognose für 2015 kappten die Forscher von 2,0 auf 1,2 Prozent.

"Die Institute waren bisher davon ausgegangen, dass die für Deutschland historisch niedrigen Zinsen die Investitionstätigkeit stimulieren würden", heißt es im Gutachten. "Mehr und mehr zeichnete sich in den vergangenen Monaten aber ab, dass die deutsche Investitionsschwäche nicht überwunden wird."

Die Politik sei gefordert, das Wachstum mit geringeren Abgaben und höheren Investitionen anzukurbeln, mahnten die Forscher. Handwerk, Baugewerbe und Versicherungswirtschaft bekräftigten diese Forderung: Gefragt sei etwa mehr öffentliches Geld für Infrastruktur wie Straßen. Die Große Koalition habe sich "lange auf guten Wirtschaftsdaten ausgeruht", kritisierte die stellvertretende Fraktionschefin der Bundestags-Grünen, Kerstin Andreae. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sei nun gefordert, den Haushalt 2015 konsequent auf Investitionen zu trimmen.

Schlechte Stimmung

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will mit Anreizen für zusätzliche private Investitionen gegen die drohende Schwächephase angehen. Der Koalitionsausschuss habe sich damit beschäftigt, wie zusätzliche Investitionen etwa im digitalen Bereich oder im Zusammenhang mit der Energiewende ermöglicht werden könnten oder wie Bürokratie abgebaut werden könne, sagte Merkel: "Diesen Kurs werden wir sehr entschieden jetzt weitergehen."

Die Stimmung in vielen Unternehmen lässt allerdings nicht auf rasche Besserung hoffen. Der Mittelstand meldete laut KfW-Ifo-Barometer für September eine erneute Verschlechterung seines Geschäftsklimas. Damit trübte sich die Stimmung bereits im sechsten Monat in Folge ein.

Selbst die gesenkten Konjunkturprognosen könnten sich als zu optimistisch erweisen, meint KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner: "Die Perspektiven für 2015 werden düsterer." Der jüngste Einbruch bei den Auftragseingängen lasse erwarten, dass diese "Belastungen ihre Spuren im Außenhandel hinterlassen werden", warnte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Anton F. Börner. Nach dem Rekordmonat Juli brachen die deutschen Ausfuhren im August zum Vormonat um 5,8 Prozent ein.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.