Wirtschaft der Nordoberpfalz und des südlichen Oberfranken suchen Zusammenarbeit - Gemeinsame ...
Vision einer gemeinsamen "Gesundheits-Region"

Der Ausdruck "Grenzen überschreiten" berührt nicht nur den tschechischen Nachbarn, sondern anscheinend auch die Oberpfalz und Oberfranken. Jedenfalls trafen sich die - direkt angrenzenden - IHK-Gremien von Weiden und Marktredwitz-Selb am Dienstagnachmittag zur ersten gemeinsamen Sitzung ihrer Geschichte: in der großartig restaurierten Burg Falkenberg (Kreis Tirschenreuth). Zwischen den Unternehmern aus der nördlichen Oberpfalz und dem südlichen Oberfranken stimmt die "Chemie", so offen und freimütig verlief der zweistündige Meinungsaustausch mit zahlreichen "Schnittstellen".

Diese nordostbayerische Wirtschafts-Begegnung brachte eine Initialzündung für die Vision, eine gemeinsame Gesundheits-Region auf die Beine zu stellen: nämlich das Fichtelgebirge mit Entspannung und Natur sowie die Nordoberpfalz mit der medizinisch-technischen Komponente. Dr. Laura Krainz-Leupoldt, Vorsitzende des IHK-Gremiums Marktredwitz-Selb, sieht hier nicht nur eine "gemeinsame Basis": Sie nimmt für das bisher ungenutzte Potenzial - mit Blick auf die berühmten Bäder in Westböhmen - die Grenzregion Freiburg zum Vorbild.

"Das vernetzen, was da ist", unterstrich die Hauptgeschäftsführerin der IHK-Oberfranken, Christi Degen. Im südlichen Oberfranken laufen derzeit touristische Großprojekte in Weißenstadt (60 Millionen Euro für ein 200-Betten-Hotel) und in Bad Alexandersbad (13 Millionen Euro für ein neues Kurmittelhaus). Beim Gesundheitstourismus denkt Degen an eine gemeinsame Vermarktung und Anreize für Investoren. Auch der Vorsitzende des IHK-Gremiums Weiden, Gerhard Ludwig, hofft auf eine "Sogwirkung für den Tourismus".

Als ehemaliger Fachbereichs-Vorsitzender auf Landesebene ist Hotelier Lothar Heigl (Weiden) mit dem Gesundheits-Tourismus vertraut, dem "Mega-Trend in diesem Jahrhundert". Nach Erkenntnissen Heigls wandelt sich die Wellness zur Medical-Wellness in einer Kombination von Erholung und qualifizierter medizinischer Betreuung. Schon heute logieren zahlungskräftige Gäste aus Osteuropa meist in komfortablen Weidener Hotels, wenn sie sich am Klinikum einer Behandlung unterziehen. "Es fehlen noch Leuchttürme in der Region, ein neues Hotel am Sibyllenbad ist zu wenig", meinte Heigl. Der Geschäftsführer des IHK-Gremiums Weiden, Florian Rieder, lotet die Möglichkeiten an einer Beteiligung für eine Studie aus, bevor sich die beiden Wirtschafts-Vertretungen im Frühjahr 2016 erneut treffen.

"Weil wir nicht zu einer Laber-Bude werden wollen" (Degen), beschränkte sich die Versammlung auf zwei Themen. Neben der Gesundheitsregion stand das jahrzehntelange Dauerthema Elektrifizierung der Bahnstrecke Regensburg-Hof im Fokus. Gerhard Ludwig forderte einen "hochwertigen Lärmschutz, um die Interessen der Menschen zu berücksichtigen". Höchst beeindruckt waren die Unternehmer von einer Besichtigung des Falkenberger Unternehmens IGZ, das auf die Anwendung von SAP-Software spezialisiert ist. Geschäftsführender Gesellschafter Wolfgang Gropengießer nahm selbst die Führung vor. "In der Oberpfalz gibt es nichts Vergleichbares", betonte Ludwig.
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