Wirtschaftsnobelpreis
Hart und Holmström ausgezeichnet

Oliver Hart, seit 1993 Wirtschaftsprofessor an der Harvard-Universität in Cambridge bei Boston, erhält den Wirtschafts-Nobelpreis 2016 zusammen mit ...

Beim Autokauf, im Job, in der Politik: Überall begegnen uns Verträge. Zwei Forscher helfen, die komplizierten Konstruktionen besser zu verstehen. Dafür haben sie den Wirtschafts-Nobelpreis bekommen.

Stockholm. Der Nobelpreis für Wirtschaft 2016 geht an die Vertragsforscher Oliver Hart und Bengt Holmström. Die in den USA lehrenden Wissenschaftler bekommen die Auszeichnung, weil sie mit ihren Beiträgen zur Kontrakttheorie helfen, Verträge sinnvoll zu konstruieren und besser zu verstehen, wie die Königlich-Schwedische Wissenschaftsakademie am Montag in Stockholm bekanntgab. Der 1948 in London geborene Hart, der US-Staatsbürger ist, lehrt an der US-Elite-Universität Harvard. Der ein halbes Jahr jüngere Finne Holmström am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), ebenfalls in den USA.

Gehälter und Policen


"Verträge sind ganz fundamental, wir sehen sie überall in der Gesellschaft", sagte der Vorsitzende des Nobelkomitees, Per Strömberg, in Stockholm. Die von den beiden Preisträgern entwickelten Theorien helfen Firmen etwa dabei, die Gehälter von Top-Managern festzulegen, oder zu entscheiden, wann eine Privatisierung von staatlichem Eigentum Sinn macht, wie Strömberg erklärte. "Auch Versicherungen sind ungeheuer interessiert an Kontrakttheorie", sagte der Jury-Chef. Mit ihrer Hilfe könnten die Unternehmen herausfinden, welche Versicherungssummen sinnvoll sind - und ihre Kunden verstehen, weshalb sie bei einem Verlust nicht den ganzen Schaden erstattet bekommen. Ein Beispiel ist die Autoversicherung: "Wenn ich voll versichert bin, habe ich nicht so einen großen Anreiz, vorsichtig zu fahren", erklärte die Wirtschaftswissenschaftlerin Tessa Bold von der Uni Stockholm.

Während Holmström etwa zeigte, wie Anreize und Risiken in einem Vertrag abgewogen werden können, ging Hart davon aus, dass es vieles gibt, das nur schwierig in Verträgen festgehalten werden kann. "Verträge sind von Natur aus unvollständig", sagte Forscherin Bold. Die Nachricht vom Nobelpreis erreichte Hart in den USA wegen der Zeitverschiebung gleich nach dem Aufwachen. "Ich bin um 4.40 Uhr wach geworden und habe mich gefragt, ob es zu spät ist, als dass es dieses Jahr sein kann, aber dann hat zum Glück das Telefon geklingelt", sagte Hart der Nobelpreis-Stiftung zufolge. Holmström sagte während der Pressekonferenz in Stockholm, bei der er per Telefon zugeschaltet war: "Ich habe das überhaupt nicht erwartet."

Nachträglich gestiftet


Mit Hart teilt sich der Finne ein Preisgeld von acht Millionen schwedischen Kronen (rund 830 000 Euro). Anders als die klassischen Nobelpreise geht der Wirtschaftspreis nicht auf das Testament des schwedischen Dynamit-Erfinders Alfred Nobel (1833-1896) zurück. Die schwedische Reichsbank stiftete den Preis 1968 nachträglich, um bedeutende Ökonomen zu würdigen. Verliehen wird die Auszeichnung aber gemeinsam mit den anderen Nobelpreisen am 10. Dezember, dem Todestag Nobels.
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