Zehnjährige Bundesanleihen werfen fast keine Rendite ab - Versicherungen und Banken fallen ...
Das zinslose Risiko

Finanzminister Wolfgang Schäuble kann sich freuen. Deutschland kann sich über die Ausgabe von Bundesanleihen so günstig verschulden wie nie zuvor. Archivbild: Götz
Zehnjährige Staatsanleihen Deutschlands - an Europas Finanzmärkten das Maß der Dinge - werfen vielleicht schon bald keine Zinsen mehr ab. Am Donnerstag fiel ihre Rendite erstmals unter die Marke von 0,1 Prozent. Unter Fachleuten gilt es als Frage der Zeit, bis der Zins unter die Nullgrenze fällt. Das würde bedeuten: Leiht man dem Staat für zehn Jahre sein Geld, bekommt man nicht nur keine Zinsen - man müsste sogar draufzahlen. Und der Staat würde fürs Schuldenmachen Geld bekommen.

Die Folgen des Zinstiefs sind erheblich und vielfältig zugleich. Auf der Gewinnerseite steht der deutsche Staat, der sich über die Ausgabe von Bundesanleihen so günstig verschulden kann wie nie zuvor. Das Kieler Forschungsinstitut IfW hat ausgerechnet, dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) allein in diesem Jahr auf geringere Zinskosten von 20 Milliarden Euro zählen kann. Die "schwarze Null" im Bundeshaushalt - ein Vorzeigeprojekt der Großen Koalition - wurde nicht zuletzt durch die Niedrigzinsphase erst möglich.

Sparer auf Verliererseite

Zu den großen Verlierern der Null-Zins-Politik zählen dagegen die deutschen Sparer, die ihr Geldvermögen traditionell in festverzinsliche oder andere sichere Anlagen stecken. Die DZ Bank kommt zu dem Ergebnis, dass den privaten Haushalten in den vergangenen fünf Jahren 190 Milliarden Euro an Zinsen durch die Lappen gegangen sind. Zwar profitieren sie auch über geringere Kreditkosten, weil die Zinsen etwa für den Hauskauf ebenfalls stark gesunken sind. Unter dem Strich bleibt aber ein deutlicher Verlust.

Vor drastischen Konsequenzen der Nullzinsphase warnen auch namhafte Institutionen wie der Internationale Währungsfonds. Der IWF - grundsätzlich Befürworter einer lockeren Geldpolitik - sieht die Gefahr erheblicher Verwerfungen in der Finanzindustrie. Weil in Europa bereits ein Drittel aller Staatsanleihen negative Zinsen tragen, sieht der Währungsfonds Versicherungsunternehmen, aber auch Banken in Bedrängnis. Der Grund: Zinseinnahmen aus Staatsanleihen stellen für Versicherer wie Geldhäuser eine wichtige Einnahmequelle dar, aus denen sie Ausgaben für Versicherte und Bankkunden finanzieren. Fallen die Zinsen, fallen auch die Ertragschancen. Das trifft am Ende auch die Kunden - also neben den Sparbuchbesitzern auch Privatanleger, die Lebensversicherungen oder Rentenfonds als Kissen für die Altersvorsorge gekauft haben.

Bankvolkswirte gehen mittlerweile so weit, den einstigen Status von Bundesanleihen als sicheren Anlagehafen infrage zu stellen: "Aus einem risikolosen Zins ist ein zinsloses Risiko geworden", heißt es beim Bankhaus M.M. Warburg.
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