Zinstief setzt Institute unter Druck
Sparkassen denken über höhere Gebühren nach

Die EZB hat die Niedrigzinsen zementiert - das zwingt Deutschlands Sparkassen zum Gegensteuern. Die Institute dürften an der Gebührenschraube drehen und wollen intern Kosten senken. Bild: dpa

Frankfurt. Sparkassen-Kunden müssen sich auf höhere Gebühren einstellen. "Die Zeit von weiten Angeboten kostenloser Kontoführung ist aus meiner Sicht vorbei", sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, am Dienstag in Frankfurt. "Wir werden Leistungen bepreisen müssen - und zwar verursachergerecht." Alle Marktteilnehmer müssten angesichts der "falschen Zinspolitik" der Europäischen Zentralbank (EZB) neue Ertragsquellen erschließen. Die EZB hatte den Leitzins im Euro-Raum vergangene Woche auf Null gesenkt. Strafzinsen, die die EZB für geparkte Gelder von Banken verlangt, wird die Branche nach Fahrenschons Einschätzung zunehmend an gewerbliche Kunden mit hohen Einlagen weiterreichen. Dem könnten sich auch die Sparkassen nicht entziehen. Er betonte, die Gebühren würden von den jeweiligen Instituten festgesetzt.

2015 konnten die 413 (Vorjahr: 416) Sparkassen sinkende Zinsüberschüsse durch höhere Provisionsüberschüsse ausgleichen, besonders dank guter Geschäfte mit Wertpapieren. Der Vorsteuergewinn lag mit 4,6 Milliarden Euro um 200 Millionen Euro unter dem Wert von 2014. Unter dem Strich stand erneut ein Überschuss von rund 2,0 Milliarden Euro. "Es ist aber angesichts der Zinspolitik der EZB klar, dass sich diese guten Ergebnisse in den nächsten Jahren nicht wiederholen werden", sagte Fahrenschon.

Zuwächse verbuchten die öffentlich-rechtlichen Institute bei Krediten wie bei Kundeneinlagen. Ende Dezember 2015 lag der Kreditbestand der Sparkassen bei 745,1 Milliarden Euro (Vorjahr: 720,7 Milliarden Euro). Obwohl die Institute Sparen kaum noch belohnen, trugen Kunden weitere 24,8 Milliarden Euro zu den Sparkassen. Die Einlagen stiegen auf 861,5 Milliarden Euro (Vorjahr: 836,7 Milliarden Euro). Kosten senken wollen die Institute beim Personal. Im vergangenen Jahr wurden 6427 freigewordene Stellen nicht besetzt. Die Mitarbeiterzahl der Sparkassen sank auf 233 719.

Hier wird sich der Trend nach unten nach DSGV-Einschätzung fortsetzen. Das Filialnetz wurde ausgedünnt: von knapp 14 900 auf 14 451 - inklusive Selbstbedienungspunkten.
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