Zu friedlichen Lösungen keine Alternative

Einige Gedanken zum Ukrainekonflikt macht sich ein Leser:

Gorbatschow prangert einen katastrophalen Vertrauensverlust zwischen Ost und West an und warnt vor einem Krieg in Europa. Russland hat mit der Okkupation der Krim allerdings maßgeblich Anteil daran. Man sollte aber auch die Fehler, die auf westlicher Seite gemacht wurden, nicht vergessen. Dazu ist aber ein Blick in die Vergangenheit nötig. Die Freigabe der DDR durch die Sowjetunion unter Gorbatschow ermöglichte erst die Wiedervereinigung Deutschlands. Die Warschauer-PaktStaaten, allen voran Russland, zogen sich aus der DDR zurück.

Eine Zusage des Westens, dass sich das westliche Militärbündnis, die Nato, nicht nach Osten ausdehnen wird, gaben die damaligen Außenminister Amerikas, Deutschlands und Russlands öffentlich ab. In den folgenden Jahren wurden aber die ehemaligen Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts - Polen, Tschechien, Ungarn (1999), Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Slowakei, Slowenien (2004), Albanien und Kroatien (2009) - trotzdem in das westliche Bündnis aufgenommen.

Mit der nun drohenden Westbindung der Ukraine, zunächst an die EU und der späteren Aufnahme in die Nato, wurde vermutlich für die russische Staatsführung eine Schmerzgrenze überschritten. Der frühere militärische Gegner würde damit bis an die russischen Staatsgrenzen heran rücken, der russische Militärhafen Sewastopol würde an den militärischen Gegner fallen. Durch das Näherrücken der Nato bis an seine Staatsgrenzen kann man sich in Russland durchaus bedroht fühlen. Die Einstufung Russlands als Regionalmacht durch den amerikanischen Präsidenten ist für eine Staatsführung und ein Volk, das in der Uno ein Vetorecht besitzt und welches über mehrere tausend Atomsprengköpfe verfügt, alles andere als vertrauensbildend oder vertrauenserhaltend.

Man bedenke bitte auch, wie sich die USA in der Kuba-Krise verhielten, als sie sich durch die Stationierung russischer Raketen auf Kuba bedroht fühlten. Die Welt stand damals am Rande eines Weltkrieges. Russland zog die bereits aufgestellten Raketen zurück und Amerika fühlte sich weniger stark bedroht. Vielleicht sollte sich im Umkehrschluss der Westen in der Ukraine stärker zurückhalten und die in Russland empfundene Bedrohung ernst nehmen.

Noch eine Ergänzung zur Krim: 1954 "schenkt" der aus der Ukraine stammende Kremlchef Nikita Chruschtschow anlässlich des 300. Jahrestages der Vereinigung von Russen und Ukrainern die mehrheitlich von Russen bewohnte Krim der ukrainischen Sowjetrepublik. War das völkerrechtlich in Ordnung? Um die endgültige Zugehörigkeit der Krim zu bestimmen, wäre vielleicht eine Volksabstimmung unter UN-Aufsicht eine sinnvolle Lösung. Zu den bisher verhängten Sanktionen des Westens gegenüber Russland ist zu sagen, dass diese einmal zu einer Verschärfung der Konfrontation beitragen und zum anderen nicht nur der russischen Seite schaden, sondern auch unserer Wirtschaft. Ein gedeihliches Miteinander zwischen EU und USA einerseits und Russland andererseits könnte helfen, kriegerische Auseinandersetzungen zu vermeiden. Damit wäre auch der Ukraine und dem ukrainischen Volk geholfen.

Es bleibt nur zu hoffen, dass alle verantwortlichen Politiker in der Ukraine, Russland, Europa und den USA dies ebenso sehen und danach handeln. Uns allen wäre dies zu wünschen.

Josef Weinfurtner,92237 Sulzbach-Rosenberg
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