Zulassungszahlen gehen konstant nach oben
Mit dem Motorrad in den zweiten Frühling

Die Motorradbranche in Deutschland boomt. Bild: dpa

Teenager und ältere Herren entdecken das Motorrad neu. Auf Messen präsentiert die Branche auch nach dem Baukastenprinzip individuell gestaltete "Custom-Bikes".

München. Die Motorradbranche in Deutschland boomt. Immer mehr Männer erfüllen sich einen langgehegten Traum und kaufen sich eine schöne Maschine. Auch bei den Jungen ist das Bike wieder angesagt. 2015 schoss die Nachfrage nach leichten Motorrädern, die schon Anfänger fahren dürfen, um ein Viertel nach oben. Mit dem nahenden Frühling beginnen für die Hersteller und Händler jetzt die entscheidenden Wochen. Nach den Messen in Dresden, Leipzig und Berlin eröffnet am Freitag die Imot - die internationale Motorradausstellung - in München mit mehr als 300 Ausstellern.

Bei Motorrädern und Rollern gehen die Zulassungszahlen konstant nach oben. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 150 000 Maschinen verkauft - 7 Prozent mehr als im schon starken Jahr 2014, wie der Industrieverband Motorrad (IVM) mitteilte. "Den Aufwind in der Branche haben wir bei der Messevorbereitung deutlich gespürt", sagt Imot-Geschäftsführerin Lixi Laufer.

"Finanziell gesichert"


Viele gut betuchte Babyboomer gönnen sich nach der Karriere und dem Auszug der Kinder ab 50 dieses Hobby. Davon profitieren auch die Fahrschulen. In der Stadt "ist die Hauptklientel über 35 und finanziell gesichert", sagt Rainer Zeltwanger, Vorsitzender des Bundesverbands deutscher Fahrschulunternehmen. Zwischen 2000 und 3000 Euro kostet der Motorrad-Führerschein.

Die Älteren kaufen meist gut ausgestattete Tourenmaschinen, auf denen sie bequem und relativ aufrecht sitzen, wie IVM-Sprecher Achim Marten berichtet. Dafür zahlen sie teils auch den Preis eines Kleinwagens. Die meisten hätten präzise Vorstellungen, auch vom "Image, das sie damit transportieren wollen". Das meistverkaufte Motorrad ist die schwere Touren-BMW R 1200 GS. BMW hat im vergangenen Jahr weltweit 137 000 Motorräder verkauft, 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Stark gewachsen ist die Nachfrage nach leichten Maschinen mit 125 Kubikzentimetern Hubraum, die bereits 16-Jährige fahren dürfen.

Im Trend liegen auch individuell gestaltete Motorrad-Umbauten, sogenannte Custom-Bikes. Vorreiter sei eine bunte Lifestyle-Szene mit Manufakturen, die Motorräder umbauen. "Davon profitiert auch die Industrie, sie nimmt die Anstöße auf", sagt Marten. Der Kunde kann sich sein Traum-Bike im Baukastensystem selbst zusammenstellen. Auf der Weltleitmesse Intermot im Oktober in Köln werden Custom-Bikes eine ganze Halle bekommen.

Mehr tödliche Unfälle


Mit den Zulassungszahlen sind auch die Zahlen der tödlich verunglückten Motorradfahrer gestiegen - im vergangenen Jahr um 7 Prozent auf 620. Häufigste Ursachen: überhöhtes Tempo und Fahrfehler. Bei Fahrern, die den Motorradführerschein schon vor Jahrzehnten gemacht haben, "stellen wir Defizite fest", sagt Dieter Quentin, Vize-Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. "Da wären Auffrischungsstunden nötig." Aber das machten nur wenige. Auf der anderen Seite hätten Ältere schon "erfahren, dass etwas schief gehen kann, und fahren etwas überlegter", sagt Zeltwanger.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.