Zur Diskussion um Stromtrassen:
Amprions "Charme-Offensive"

Der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Amprion versuchte in Bayreuth, seine Weste grün zu waschen. Dazu organisierte er eine Frühstücksveranstaltung für Pressevertreter, um diese in angenehmer Gesprächsatmosphäre davon zu überzeugen, dass er die HGÜ im öffentlichen Interesse baut und sie so zu Multiplikatoren zu machen. Ist das den Amprion-Vertretern gelungen oder sind Fragen unbeantwortet geblieben?

Eine Übersicht:

Keine Angaben zum Kohlestromanteil aus den Braunkohletagebauen der Lausitz, die von Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt hervorragend angebunden sind. Dort ist der neue Anfangspunkt der HGÜ Süd Ost.

Keine genauen Angaben zu realistischer Leistung und genauer Lage der Windparks, deren Strom die Trasse füllen soll. Es wird pauschal von "gigantischen Windparks" im Norden und Nordosten gesprochen mit installierten 30 Gigawatt und geplanten 30 GW. Ist damit der Offshore- oder der Onshore-Bereich gemeint? Wie viele Benutzungsstunden ergeben sich daraus?

Stefan Grüger, Vorstand der deutschen Sektion der Vereinigung für Erneuerbare Energien beispielsweise spricht von Windparks mit 25 GW offshore in Nord- und Ostsee und 25 GW onshore in Hessen und Sachsen-Anhalt. Grüger: "Daraus resultieren 3000 und 2000 Benutzungsstunden, jährlich wären das 125 Terrawattstunden. Im Norden werden aber 243 Terrawattstunden verbraucht und auch AKW abgeschaltet. Eventuell erzeugte Windspitzen in den Süden zu übertragen, bringt wegen fehlender Speicher nichts."

Keine Frage und auch keine Antwort auf die Einspeisemöglichkeit von Atomstrom aus England (AKW Hinkley Point, mit EU-Mitteln subventioniert) oder von den erneuten tschechischen AKW-Plänen. Bekenntnisse zur Atomtechnologie gibt es genug, im Positionspapier zur EU-Energieunion heißt es: "Ferner sollte die EU dafür sorgen, dass sie ihre technologische Führungsposition im Nuklearbereich halten kann."

Elektromagnetische Felder: Strahlenschutzkommission und WHO sehen Forschungsbedarf und Risiken. Wo und wie hat Amprion die 30 Mikrotesla gemessen? In anderen europäischen Ländern liegen die Grenzwerte bei 1,0 oder gar 0,1 Mikrotesla, Deutschland hat den Grenzwert für das Pilotprojekt HGÜ auf 500 Mikrotesla erhöht

Mit der neuen Kommunikationsstrategie "Charme-Offensive" hat Amprion die Notwendigkeit der Trasse weiterhin nicht bewiesen. Ich sehe hier nur eine neue Taktik.

Fest steht, dass RWE weiterhin den Netzausbau durch die Sperrminorität bei Amprion beeinflusst und darin ein Standbein sieht, bestätigt auf der diesjährigen Hauptversammlung. Mit einem Sitz im Vorstand des Deutschen Braunkohle-Industrie Vereins betreibt der Konzern Lobbyarbeit, auch für die Lausitz. Wie glaubhaft sind da die Energiewende-Aussagen von Amprion-Vertretern, sobald es um eine Stromtrasse geht, die nahe der größten Braunkohlereviere Deutschlands beginnt?

Bayern jedoch gibt mit der faktischen Beendigung des Windkraftausbaus durch die 10H-Regelung ein wichtiges Argument gegen die Trasse auf. Zusammen mit dem Ausbremsen der Photovoltaik durch das neue EEG kann das zu ihrer Legitimierung führen.

Maria Estl, 95704 Pullenreuth
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