Integration von Flüchtlingen im Betrieb – Aufrichtig nach dem Mitarbeiter erkundigen
Respekt und viel reden

Wenn zwei Kulturen bei der Arbeit aufeinandertreffen, kommt es schnell zu Missverständissen. Dagegen hilft nur, ständig im Gespräch zu bleiben. In der Firma Reuther STC GmbH in Fürsten- walde (Brandenburg) arbeitet der 26-jährige Asylbewerber Hamza Ahmed aus Somalia gemeinsam mit dem Meister für Zuschnitt Thorsten Muschack. (Foto: dpa)
(dpa)

Wie kann ich jemanden aus einem anderen Kulturkreis in die Firma integrieren? Vor dieser Frage steht, wer einen Flüchtling als Azubi oder Mitarbeiter gewinnen will. Eine Trainerin für interkulturelle Kompetenz erzählt, wo- rauf Vorgesetzte und Kollegen achten müssen.

Wer einen Flüchtling beschäftigen möchte, stellt sich häufig die Frage: Wie lässt sich jemand aus einem anderen Kulturkreis am besten in die Firma integrieren? „Man muss sich vor allen Dingen Zeit für einander nehmen“, sagt Connie Voigt. Sie ist Coach zum Thema interkulturelle Kompetenzen in Potsdam und hat mehrjährige Erfahrung etwa mit Mitarbeitern aus Syrien, Libanon und Irak. Mancher habe den Irrglauben: „Ich hole jemanden hier rein und das läuft dann so“, erzählt sie. Doch ohne die Muße und Geduld, sich auch auf persönlicher Ebene kennenzulernen, ist häufig ein Scheitern die Folge.

Ein Beispiel: Für Menschen aus dem arabischen Raum ist es in der Regel sehr wichtig, dem Gegenüber auf eine bestimmte Art und Weise Respekt zu erweisen. Dazu gehört etwa, dass man nicht gleich über die Arbeit und die Fähigkeiten des anderen spricht, sondern man erkundigt sich erst einmal nach der Person als solche: Woher kommt jemand? Hat er Familie? In Deutschland ist es genau umgekehrt: Bei der Arbeit reden Arbeitgeber und -nehmer erst einmal darüber, welche Aufgaben erledigt werden müssen. Sich nach zu vielen privaten Details zu erkundigen, wirkt schnell aufdringlich. Voigt rät Chefs und Mitarbeitern, sich aufrichtig nach dem Mitarbeiter zu erkundigen. Wer auf diesem Weg Respekt erweist, hat beim Gegenüber schon viel gewonnen.

Gleichzeitig sollten Vorgesetzte darauf achten, dass sie bestimmte Missverständnisse am besten schon im Vorstellungsgespräch ausräumen. Dazu gehört etwas das Thema Zeit: Wenn Arbeitsbeginn um 8.00 Uhr in der Früh ist, erwarten Arbeitgeber hier ein pünktliches Erscheinen. In anderen Ländern sei es dagegen durchaus in Ordnung, zwischen 8.00 und 9.00 Uhr zu kommen, wenn der Beginn für 8.00 Uhr angesetzt ist. „Um hier Ärger zu vermeiden, sollte man von Anfang an klar kommunizieren, was man erwartet und darauf vorbereitet sein, dass eine Uhrzeit in manchen Kulturen ein Zeitraum von einer Zeitstunde bedeuten kann“, rät Voigt.

Das Gleiche gilt beim Thema Frauen als Führungskräfte. „Frauen, die arbeiten und Chef sind, sind in Deutschland viel normaler als in der arabischen Welt“, erläutert Voigt. Hier rät sie, von Anfang an klar zu sagen: „So sieht unsere Gesellschaft aus. Und ich erwarte, dass in meinem Betrieb Frauen auf Augenhöhe behandelt wer- den.“ Ob der andere sich einfügen will, bekommt man am besten mit daran an- schließenden Fragen heraus: Wie sehen Sie weibliche Chefs? Welche Fragen und welche Erwartungen haben Sie?

Auch ein häufiger Konfliktherd: die Arbeitsweise. Deutsche arbeiten in der Regel Aufgaben systematisch von vorne nach hinten ab. Menschen aus dem arabischen Kulturkreis setzen häufiger auf Multitasking: Sie beginnen mit einer Sache, geht es damit nicht voran, machen sie mit einer zweiten weiter, dann fangen sie mit einer dritten an. Für deutsche Augen sehe das häufig chaotisch und unstrukturiert aus, sagt Voigt. Hier rät sie: erst einmal abwarten, nicht abwerten, sondern machen lassen. Führt die Arbeitsweise genauso zum Erfolg, kann der andere „seine“ Methode ja ruhig beibehalten.

Auf jeden Fall müssen Arbeitgeber und Kollegen erst einmal Zeit investieren. „Es gibt aber auch sehr viel zu gewinnen“, sagt Voigt. Gelingt die Integration in den Betrieb, ist die Dankbarkeit bei den neuen Mitarbeitern häufig so groß, dass sie ihrem Arbeitgeber überdurchschnittlich loyal sind.

Rassistische Äußerungen im Betrieb führen zu fristloser KündigungFremdenfeindliche Parolen im Betrieb? Arbeitsrechtlich ist eindeutig, was aus so einem Verhalten folgen kann. Unklarer ist das bei Äußerungen von Arbeitnehmern in privaten Accounts in sozialen Netzwerken.

Wer sich in der Firma rassistisch äußert, muss mit ei- ner fristlosen Kündigung rechnen. „Das geht gar nicht und zwar unabhängig davon, wie alt jemand ist“, sagt Prof. Jobst-Hubertus Bauer, Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Die Linie des Bundesarbeitsgericht ist eindeutig. So wurde zum Beispiel 1999 die fristlose Kündigung eines Azubis für rechtmäßig erklärt, der während der Arbeitszeit ein Blechschild mit dem Schriftzug „Arbeit macht frei – Türkei schönes Land“ angefertigt hatte (Az.: 2 AZR/676/98). Das Schild hatte er am Arbeitsplatz seines türkischen Azubi-Kollegen befestigt. In solchen Fällen darf auch niemand darauf hoffen, mit einer Abmahnung davonzukommen.

Rechtlich schwieriger zu bewerten sind rassistische Äußerungen von Mitarbeitern auf privaten Accounts in sozialen Netzwerken wie Facebook. „Es gilt erst ein- mal der Grundsatz: privat ist privat“, erklärt Prof. Bauer. Was der Mitarbeiter in sei- ner Freizeit meint und tut, geht die Firma grundsätzlich nichts an. Doch auch hier gibt es Grenzen: „Wenn sich ein Arbeitnehmer im Netz rassistisch äußert und führt das zu Diskussionen und Unfrieden im Betrieb, kann das zu einer fristlosen Kündigung führen“, sagt Prof. Bauer. Letztendlich sei das jedoch immer eine Einzelfallentscheidung des Gerichts.

Zu berücksichtigen ist zum Beispiel, ob durch die Äußerung des Mitarbeiters auf Facebook der Ruf des Unternehmens geschädigt wird. Das dürfte auf jeden Fall dann gegeben sein, wenn sich ein Mitarbeiter in herausgehobener Position rassistisch äußert. Ausschlaggebend ist auch, ob es außerhalb des Betriebs zu heftigen Reaktionen oder zum Beispiel zu Kundenbeschwerden kommt.

Entscheidend ist auch, was für eine Art von Aussage der Mitarbeiter trifft. Äußerungen wie „Das Boot ist voll“ seien politische Äußerungen und von der Meinungsfreiheit gedeckt, gegen so et- was können Arbeitgeber nicht vorgehen. Rassistische Parolen wie „Heil Hitler“ rechtfertigten dagegen eine fristlose Kündigung.
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