John Cryan beginnt mit dem Aufräumen

Am Donnerstag trat John Cryan erstmals als Co-Chef der Deutschen Bank vor die Presse. Er kündigte unter anderem den Abbau von Tausenden Stellen im In- und Ausland an. Bild: dpa

Endlich zeigt er sich. Seit Monaten krempelt John Cryan intern die Deutsche Bank um. Jetzt erklärt sich der Brite erstmals der deutschen Öffentlichkeit.

Das ist er also, der Retter der Deutschen Bank: Um Punkt 9 Uhr tritt John Cryan ins Blitzlichtgewitter. Endlich, fast vier Monate nach seinem Antritt als Co-Chef, zeigt sich der neue starke Mann des größten deutschen Geldhauses in der Öffentlichkeit. Er habe viel zu tun gehabt in den vergangenen Monaten, entschuldigt sich der Brite wenig später in fast akzentfreiem Deutsch. Nach einem Monat harter Entscheidungen wird am Donnerstag in Frankfurt klar: Die Aufräumarbeit hat erst begonnen.

"Müssen besser werden"

Mit weicher Stimme, aber doch bestimmt trägt der 54-Jährige seine Agenda vor: "Wir müssen einfach besser werden." Weniger Personal, weniger riskante Geschäfte, weniger Auslandsmärkte: Cryan verordnet dem deutschen Branchenprimus einen harten Sparkurs. Und noch eines ist ihm nach der Skandalserie der vergangenen Jahre ganz wichtig: "Für Fehlverhalten gibt es keinerlei Entschuldigung. Wir werden angemessene Konsequenzen ziehen. Das gilt über alle Hierarchiestufen hinweg." Moralisches Verhalten vorzuleben sei "eine Kernaufgabe des Vorstands", doziert Cryan. Noch-Co-Chef Jürgen Fitschen nickt zustimmend. Der Niedersachse hatte sich schon seit Mitte 2012 in der Doppelspitze mit Anshu Jain bemüht, das ramponierte Image der Bank durch einen "Kulturwandel" zu verbessern. "Es war nicht genug", räumt Fitschen nun ein. Jain wurde Anfang Juli abgelöst, Fitschen darf noch bis zur Hauptversammlung Mitte Mai 2016 weitermachen.

Über die Sparvorgaben den neuen Managements herrscht seit Donnerstag mehr Klarheit. Neben dem Verkauf der Postbank will die Bank weltweit netto 9000 Stellen streichen, 4000 davon in Deutschland. Weniger klar ist dagegen, wie die Bank angesichts immer strengerer Kapitalvorgaben der Regulierer künftig Geld verdienen will. "Die große Frage ist, ob Ertragssteigerungen auf Sicht der nächsten Jahre nach drastischem Asset-Abbau und Kosteneinsparungen überhaupt noch darstellbar sind", kommentiert Helmut Hipper, Fondsmanager bei Union Investment. "Darauf gibt es noch keine Antwort, daher die Skepsis am Kapitalmarkt."

"Lausige Systeme"

Die Deutsche Bank setzt auf mehr Geschäft mit Superreichen und Unternehmenskunden. Schließlich sei die Bank vor fast 150 Jahren gegründet worden, um Firmen im internationalen Geschäft zu helfen, erinnerte Cryan. Trotz der tiefgreifenden Einschnitte setzt Cryan auf eine Wechselstimmung in der Belegschaft: "Wir haben lausige, schrecklich ineffiziente Systeme. Aber unsere Leute machen das mehr als wett."

Gänzlich unbelastet geht auch Cryan die Neuausrichtung nicht an: Als Mitglied des Aufsichtsrates wachte er von 2013 an mit über die Geschäfte der Bank - und muss sich darum fragen lassen, warum er nicht früher eingegriffen hat. Er habe durchaus Hinweise gegeben, antwortet Cryan darauf, allerdings hätten die Regulatoren in der Zwischenzeit die Zügel auch nochmals angezogen.
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