Anekdoten aus "Hanskirchen"

Bürgermeister Hans Graßl (links) war die bevorzugte Zielscheibe für den Fastenprediger. Das Starkbier hat ihm trotzdem geschmeckt.
Lokales
Dieterskirchen
26.03.2015
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Als "Platzhirschkracher" bekommt Bürgermeister Hans Graßl beim Starkbierfest sein Fett weg. Jüngere Bürger verehren ihn gar als Heiligen, verrät Fastenprediger "Bruder Robertus".

(bgl) "Hochverehrtes Publikum, es ist Zeit, die Andächtigkeit des Abends zu hem und nicht nur sich sinnlos die Kanne zu gem - um Kultur in dey Veranstaltung zu bringa und niad bloß irgendwelche Sauflieder zu singa." Mit dieser Vorrede eröffnete Fastenprediger "Bruder Robertus" (alias Robert Becher) seine Predigt beim Starkbierfest.

Einen Treffer landete der CSU-Ortsverband mit seinem Vorsitzenden Richard Brunner beim Starkbierfest im Gasthaus Hexenhäusl. Die Musik war super, die Brotzeiten lecker, die Tombolapreise wertvoll, und das Bier floss in Strömen. So könnte man das Angebot in einer Kurzfassung kommentieren, das die Gäste bei den Wirtsleuten Gerald und Mona Scheitinger erwartete. Für die richtige Würze aber sorgte die Predigt von "Bruder Robertus".

Der Prediger erinnerte nicht nur an interessante Begebenheiten aus dem vergangenen Jahr, sondern zerrte durch lückenlose Recherche auch Verborgenes ans Tageslicht. Da reichte oft schon ein einziges Stichwort, und schon erntete er Lachsalven. Insider wussten schnell Bescheid, was gemeint war.

Bonsai-Pegida

Dass Bürgermeister Hans Graßl beim Leviten-Lesen besonders herhalten musste, versteht sich von selbst: "Presse, Funk und Fernsehmacher huldigen Graßl als dem Platzhirschkracher", verkündete der Prediger. Von Bonsai-Pegida war die Rede und von weltoffenen Grundschülern, deren Einschätzung des Gemeindeoberhaupts an seinem 60. Geburtstag die Runde machte: Hatte doch der Pfarrer in der Religionsstunde die Kinder gefragt, welcher Heiliger an diesem Tag Geburtstag hat. "Da wurde einstimmig der Graßl Hans genannt", wusste der Prediger.

Auch über fast alle Gemeinderäte hatte Bruder Robertus einiges zu berichten. Dafür verteilte er unter ihnen alle verfügbaren Ministerposten und Ehrentitel. Dem Energie-Wandel schenkte der Fastenprediger ebenfalls seine Aufmerksamkeit. Für Fracking, Erdöl und Wind werde es zukünftig eigene Ministerposten geben. Weitere Themen waren die Firmpatentaufe, ein "Pickerl" für die neue Straße nach Prackendorf, eine mögliche Ortsnamenänderung von Dieterskirchen in "Hanskirchen" sowie eine fast missglückte Kulturreise der Dieterskirchener Sänger.

Ob alle geschilderten Begebenheiten sich haarscharf so abgespielt haben, darauf kam es beim Starkbierfest auch gar nicht an. Die Kunst des Erzählens lag darin, aus jedem Ereignis lustige Anekdoten zu formulieren. Dieses Kunststück gelang Robert Becher hervorragend, denn die Zuhörer quittierten die einzelnen Passagen in der einstündigen Fastenpredigt immer wieder mit Zwischenapplaus. Ein Applaus galt auch den Dieterskirchener Sängern: "Sänger kommts bald wieder, bald wieder nach Haus", hieß es da.

Erlös für Musiker

Anschließend zog die charmante Rhaner Bierkönigin Angelina I. die Losnummern für die Gewinner bei der Tombola. Das Bier, ein süffiger "Lilly Bock" der Rahnerbrauerei, fand willige Abnehmer, und so erfüllte sich auch der Zweck der Veranstaltung: Der Erlös geht an den Musikverein für seine Jungmusikerausbildung. Die Musiker unter der Leitung von Jürgen Lößl zogen dafür umso mehr alle Register ihres Blasmusik-Repertoires. Auch MdB Karl Holmeier, der für die Tombola eine Reise nach Berlin spendiert hatte, war begeistert von den Darbietungen.
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