"Dreckspatzen" mit Lodenhut

In Neufmanil ist man besonders stolz auf eine "Ville Fleurie", eine blühende Stadt.
Lokales
Dieterskirchen
28.02.2015
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Den Moorfrosch finden die kleinen Franzosen vor allem lecker. Ihre Eltern stehen mehr auf grüne Lodenhüte und Bierzelt. Wenn die Freunde aus der Partnergemeinde Neufmanil in Dieterskirchen anrücken, tauchen sie auch Altbekanntes in neues Licht.

"Das war eine Mordsgaudi, als die Franzosen alle im Gänsemarsch mit den nagelneuen Hüten aus einem Oberviechtacher Geschäft ins Prackendorfer Gemeindehaus einmarschiert sind", erinnert sich Johann Köppl. Er ist Vorsitzender des "Vereins für die Gemeindepartnerschaft Dieterskirchen und Neufmanil" (Frankreich) und kennt fast alle Anekdoten, die sich um die seit 13 Jahren bestehenden Kontakte ranken.

Begonnen hat alles im September 2002 mit einer Anfrage aus Frankreich. Durch eine Art Partnerschaftsvermittlung war der junge, dynamische Bürgermeister Pierre Cordier auf Dieterskirchen gestoßen. Über Lehrerin Annie Voltzenlogel ließ er in schon recht gutem Deutsch mitteilen, dass die Gemeinde aus der Region Champagne-Ardenne versuche, eine Partnerschaft "abzuschlössen". Das Ja aus Dieterskirchen ließ nicht lange auf sich warten. "Der Gemeinderat war einstimmig dafür", berichtet Köppl stolz.

"Dreckspatzen"

Das war der Beginn einer Korrespondenz, die schließlich 2005 in einen Partnerschaftsvertrag mündete. "31 Dieterskirchener waren bei der Unterzeichnung dabei", weiß Köppl, der alle Besuche akribisch dokumentiert hat. Drei dicke Ordner umfasst die deutsch-französische Freundschaft der beiden Gemeinden. Das Neufmaniler Gemeindeblatt "Le Petit Crayat" landet auch im Postkasten von Dieterskirchen und informiert über Geburten, Hochzeiten und Todesfälle. "Les Crayats, das ist auch der Spitzname der Neufmaniler", erklärt Köppl und grinst. "Dreckspatzen", heißt das übersetzt und es spielt auf die Vergangenheit der französischen Gemeinde in der Eisenindustrie an.

Von dem Dreck ist heute wenig geblieben. "Viel Wald, sehr kurvenreich", beschreibt Köppl die Umgebung. Nicht von ungefähr ist das Wildschwein mit seiner Vorliebe für Eicheln und Bucheckern das Wahrzeichen der Gegend. Ein Zuckerkuchenverein ist dort zu Hause, die Senioren begeistern sich fürs Boule-Spielen, und bei den mehrgängigen Menüs kann es auch bis zwei Uhr morgens dauern, bis das Dessert serviert wird.

"Die Gemeinde dort hat aber auch ganz ähnliche Probleme wie wir", berichtet Köppl und zählt auf: Bevölkerungsschwund, Überalterung, Wegzug der Jugendlichen und schwindende Schülerzahlen. "Letztes Jahr haben sie dort eine Klasse verloren." Solche Themen einen. Aber es sind vor allem die kulturellen Unterschiede, die faszinieren. So staunt die Delegation aus Neufmanil über die großen Festzüge bei Vereinsjubiläen und das Bierzelt, das die Franzosen "le grand chapiteau" nennen. Dafür sind dann die Deutschen im Dezember zum Barbara-Fest eingeladen, die Heilige gilt dort vor allem als Patronin der Feuerwehr.

Boule und Fußball

Ein Waldmuseum, eine Champagner-Kellerei und die Einweihung der Neufmaniler Mehrzweckhalle waren die bisherigen Höhepunkte für die Dieterskirchener. Nicht zu vergessen ein Boule-Wettbewerb und ein Fußballspiel. Das Ergebnis hat der Freundschaft keinen Abbruch getan: Das Spiel ging 2:2 aus. (Hintergrund)
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