Fruchtiges Lexikon erwandern

Johann Köppl holt mit dem Obstpflücker die Äpfel von den Bäumen. Er ist auch der Ansprechpartner für Auskünfte rund um den Obstlehrpfad in Dieterskirchen. Bilder: adi (2)
Lokales
Dieterskirchen
27.09.2015
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Birnen, Äpfel, Kirschen und sogar Pfirsiche: Der Obstlehrpfad Dieterskirchen hat einiges zu bieten. Wenn da heuer nicht Hitze und andauernde Trockenheit gewesen wären. Doch neben den süßen Früchten gibt es ja noch viel mehr zu entdecken und zu lernen.

Bereits seit 1997 lädt der Obstlehrpfad in Dieterskirchen zu einem fruchtigen Spaziergang ein. Viele der Bäume sind aber schon weitaus älter. Johann Köppl, der sich seit Jahren um diese Sehenswürdigkeit der Gemeinde kümmert und auch Führungen anbietet, zeigte bei einem Rundgang mit der NT-Redaktion die verschiedenen Sorten und sprach unter anderem auch über die Auswirkungen des heißen Wetters auf die Früchte.

Während viele Apfel- und Quittenbäume voll behangen sind, schwächelten vor allem Pfirsich- und Kirschsorten. "Für diese Bäume war der Sommer einfach zu heiß und zu trocken", resümiert Johann Köppl. Vor allem im Winter und in den Sommermonaten habe es einfach zu wenig Niederschlag gegeben. Die Obstbäume würden sich bei solchen schweren Bedingungen selbst helfen und Wasser sparen: Die Früchte werden zum Teil schon frühzeitig abgestoßen oder der Baum produziert erst gar kein Obst. "Heuer sind Äpfel und Birnen aber aufgrund der Hitze schon viel früher reif und fallen dann ab", erklärt Köppl.

Aber nicht nur das Wetter hat einen entscheidenden Einfluss auf Menge und Wachstum. Auch der Bienenflug spielt eine große Rolle: Wenn die kleinen Helfer aufgrund von Regen oder Wind nicht fliegen können oder die Population in manchen Jahren sehr niedrig ist, werden die Obstbäume nicht befruchtet.

Ohne Chemiekeule

Manche Obstsorten benötigen außerdem den richtigen "Nachbarn", um Früchte in einer bestimmten Quantität und Qualität zu erzeugen. Daher sei es laut Köppl bei Neupflanzungen wichtig, zu berücksichtigen, welche Sorten sich "vertragen" und welche nicht. Aber auch Standort, Zustand des Bodens und Krankheiten bzw. Schädlingsbefall beeinflussen die Obsternte. Gegen Letzteres sei man aber so gut wie machtlos, so Köppl. "Die Krankheiten werden durch den Wind und Insekten übertragen. Wir verwenden aber keine chemischen Behandlungsmethoden." Und so machen vor allem Pilzkrankheiten wie Birnengitterrost, Monilia und Schorf den Bäumen zu schaffen. "Freud und Leid liegen oft eng beieinander", merkt Köppl an.

Auf eine artgerechte Pflege legt Johann Köppl aber großen Wert. Zweimal im Jahr wird den Obstbäumen an den Kragen gegangen: Im Juni und im Spätwinter bzw. Frühjahr schneiden er, Mitglieder des Gartenbauvereins und Gemeindearbeiter Alfons Richthammer die Bäume zurück. Hobbygärtner Köppl veranstaltet bereits seit 2014 Kurse zum richtigen Baumschnitt.

Dieses Engagement der Dieterskirchener macht sich bezahlt: Jedes Jahr besuchen Schulklassen und Vereine den Lehrpfad. "Er hat einen hohen pädagogischen Wert", so Köppl. Jung und Alt würden etwas über die Vielfalt der Natur sowie über die Vogel- und Insektenwelt lernen, für die die Bäume eine Bereicherung darstellen.

Jeder darf ernten

Eine Führung lohnt sich. Schulklassen, aber auch interessierte Gruppierungen und Vereine, können sich bei Johann Köppl, Telefon 09671/3007626, oder bei Bürgermeister Hans Graßl, Telefon 09671/9236950 anmelden. Übrigens: Die Bevölkerung ist eingeladen, für den eigenen Verzehr oder zur Weiterverarbeitung Früchte zu ernten und sie beispielsweise in Form von Marmelade oder Säften zu genießen. Ein leckeres Rezept für einen Apfelkuchen findet man unter www.vg-neunburg.de.
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