Sternwarte im Stresstest

Für das Schauspiel am Himmel sorgt die Sonne selbst. David Janousch vom Verein "Sternenfreunde Dieterskirchen" (rechts) steuert die Fakten bei und kümmert sich darum, dass das große, mit einem Filter geschützte Teleskop der Sternwarte (im Hintergrund) an diesem aufregenden Tag immer perfekt auf die Sonne ausgerichtet ist. Bild: Götz
Lokales
Dieterskirchen
20.03.2015
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"Jetzt hab' ich den Mond gesehen", behauptet ein kleiner Bub nach dem Blick durchs Teleskop der Dieterskirchener Sternwarte. Der Irrtum ist schnell aufgeklärt: Diese Sichel ist die Sonne, der heute der Mond im Weg steht. Ein Spektakel, das einsame Sterngucker in Scharen lockt.

David Janousch vom Verein "Sternenfreunde Dieterskirchen" hat schnell noch mal die Linse am riesigen Teleskop geputzt, damit kein Staubkörnchen den Blick auf die partielle Sonnenfinsternis verstellt. Doch an diesem Tag ist das Fernrohr der Sternwarte bei weitem nicht das einzige. Acht weitere gruppieren sich auf dem Hang bei Dieterskirchen um die neugierigen Besucher. Die ersten Experten haben ihr Instrument schon um acht Uhr morgens in Position gebracht und lassen nun den Laien bereitwillig den Vortritt beim Blick in den Himmel.

"Das geht ganz langsam los", weiß Jürgen Richthammer aus Schwarzhofen, "auch wenn nur 30 Prozent der Sonnenfläche frei bleiben, unser Hirn kann das schnell wieder heller machen". Nur das Auge ist für den Anblick nicht gerüstet. "Vorsicht, nur wenn die Spezialbrille gut sitzt, in die Sonne schauen", warnen die Fachleute vor allem die Dieterskirchener Grundschüler, die das richtig "cool" finden. Andere haben Fernglas oder Kamera mit Spezialfolie geschützt, die aussieht wie Aluminiumfolie, pro Bogen Din-A4-Bogen aber 25 Euro kostet.

"Ohne diesen Schutz hätte das den gleichen Effekt aufs Auge wie eine Lupe, mit der man Papier in Brand setzen kann", warnt Janousch und demonstriert, wie heiß der gebündelte Sonnenstrahl auf der Hand werden kann. " Wer da mit bloßem Auge hinschaut, der g'hört der Katz'", ergänzt ein Zuschauer. Kein Wunder, dass die "Sofi-Brillen" schnell weg waren, schon Tage vor dem Spektakel haben sich Findige in der Sternwarte eingedeckt. Arnold Pickl aus Oberviechtach genügt ein postkartengroßes Stück Karton mit einem Folienstreifen. "Das ist noch von der Sonnenfinsternis 1999", kommentiert er mit einem Schmunzeln den aufgedruckten Werbetext. "Man merkt schon, dass es kühler wird, weil jetzt die Sonne nicht mehr so stark strahlt, meint Claus Zille aus Georgenberg, der geduldig sein Teleskop neu justiert, damit alle Kinder auch die Gas-Auswürfe sehen können, die ein paar Tage später als Polarlichter erscheinen. "Das ist schon Faszination pur", gesteht Dominik Turban aus Oberviechtach als sich die Sonnenfinsternis ihrer maximalen Ausprägung nähert. Das wollte er sich auf keinen Fall entgehen lassen.

"So gut wie alle an Astronomie Interessierten haben heute Urlaub genommen", kommentiert Michael Bäsler aus Weiden das Zusammentreffen so vieler Experten am Hang bei Dieterskirchen, während die Kamera neben seinem Teleskop regelmäßig automatisch "Klick" macht. Später wird er die Bilder zusammenfügen und die Sonnenfinsternis im Zeitraffer darstellen.

Und die nächste totale Sonnenfinsternis über Deutschland wird es erst 2081 geben. "Und irgendwann wird es gar keine mehr geben, denn der Mond wandert weg", wirft ein Fachmann ein. Der Hobby-Astronom neben ihm relativiert: "Das dauert aber noch drei Milliarden Jahre."

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/sofi2015
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