"Supermond" im roten Kleid

Lokales
Dieterskirchen
26.09.2015
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Blutrot und riesig soll er aussehen, wenn die Erde ihren Schatten auf ihn wirft. Die totale Mondfinsternis wird in der Nacht von Sonntag auf Montag den passionierten Sternguckern schlaflose Stunden bescheren. Die Sternwarte von Dieterskirchen ist dabei.

Am Ortsende der Gemeinde, dort wo Straßenlaternen kaum noch den Blick in den Nachthimmel "verschmutzen", wartet das größte öffentlich zugängliche Teleskop Ostbayerns in der erst vor gut einem Jahr fertiggestellten Sternwarte mit Planetarium. Vor sechs Monaten verfolgten dort zahlreiche Besucher die Sonnenfinsternis, während Mitglieder des Vereins Sternenfreunde und Hobby-Astronomen Teleskope justierten und Wissenswertes aus dem All beisteuerten. Immer mit einer Folie vor Linse oder Auge, um die Netzhaut vor gefährlicher Strahlung zu schützen.

Völlig ungefährlich

"Solche Schutzmaßnahmen und Spezialbrillen brauchen wir diesmal nicht, der Blick auf die Mondfinsternis ist absolut ungefährlich", gibt David Janousch, stellvertretender Vorsitzender im Dieterskirchener Verein "Sternenfreunde", Entwarnung. Im Gegenteil: "Der Mond leuchtet dann viel schwächer als ein ganz normaler Vollmond." Trotzdem soll es spektakulär aussehen, was der Erdtrabant am Montag, 28. September, in den frühen Morgenstunden so zu bieten hat.

Ungewohnt soll der Anblick sein, wenn der runde Mond langsam zum Halbmond wird, sich zunehmend in Orange-Töne kleidet und schließlich mit rotem Schimmer seinen Platz am Horizont behauptet, um dann langsam wieder zur ursprünglichen Façon zurückzukehren - viel langsamer als vor sechs Monaten die Sonne. "So eine Sonnenfinsternis dauert ja nur fünf Minuten, der Mond steht eine Stunde im Schatten", erläutert Janousch.

Noch ein Umstand sorgt dafür, dass das Spektakel besonders prächtig ausfallen soll: Um diese Zeit ist der Mond besonders nahe an der Erde und damit größer zu sehen. "Supermond" heißt es dann, wenn er "nur" 353 000 (geringster möglicher Abstand 350 000 Kilometer) und nicht 410 000 Kilometer (maximaler Abstand) von der Erdoberfläche entfernt ist. Bedingt ist die größere Nähe durch die eliptische Bahn des Mondes. Die Nähe sorgt für ein um 14 Prozent größeres Abbild.

Doch woher kommt die rote Färbung? Das liegt an der Streuung des Sonnenlichts innerhalb der Erdatmosphäre, erklärt Janousch. So verfinstert sich der Mond nicht komplett, sondern wird intensiv rot beleuchtet. "Daher auch der Name Blutmond."

Sieben Jahre ist es her, dass so ein Spektakel zuletzt zu sehen war: Am 21. Februar 2008 war die letzte Mondfinsternis, seither kam es nur zu partiellen Verfinsterungen. Und die Chancen, dass weder Wolken noch Nebel den Sternguckern einen Strich durch die Rechnung machen, stehen gut. Nach der aktuellen Prognose soll es in Dieterskirchen am Sonntag und Montag schön sein, 17 Grad tagsüber, nachts um die 5 Grad. "Zu 95 Prozent klappt es mit der Sicht", meint Janousch, der sich auf eine Nacht ohne Schlaf eingestellt und den Montag schon mal freigenommen hat.

Tipps für Fotografen

Versierte Sterngucker sind warm angezogen, schließlich gehört langes Warten dazu. "Wer will, kann Kamera, Fernglas oder Teleskop mitbringen, wir beraten auch gern beim Fotografieren", verspricht der Hobby-Astronom. Der Andrang in der Sternwarte wird sich allerdings nach Einschätzung des stellvertretenden Vorsitzenden in Grenzen halten. "Wir rechnen damit, dass sich nur die Hardcore-Interessierten die Nacht um die Ohren schlagen", sagt Janousch und hat noch einen Tipp für alle, die den finsteren "Supermond" trotzdem nicht verpassen wollen: "Einfach ein bisschen früher aufstehen und vor der Arbeit vorbeischauen."

Schließlich ist die nächste Mondfinsternis erst am 27. Juli 2018 - und nicht ganz so spektakulär, weil "Frau Luna" dann weiter weg ist.
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