Auch ohne Schlips viel bewegt

Von Balkon und Terrasse aus hat Bürgermeister Hans Graßl einen stattlichen Teil der Gemeinde im Blick, für die er seit 20 Jahren Verantwortung trägt. Dass er da auch mal im Urlaub Dienstliches erledigt, ist für ihn selbstverständlich. Bild: Bugl
Politik
Dieterskirchen
17.09.2016
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Die Krawatte lässt Bürgermeister Hans Graßl lieber im Schrank. Die Dieterkirchener nehmen ihm das nicht krumm. Viermal haben sie ihn wiedergewählt, jetzt ist er seit 20 Jahren im Amt - und hat es nicht bereut.

Beim Interview mit dem "Neuen Tag" zieht Hans Graßl eine Bilanz über 20 Jahre. Eigentlich ist er da noch in Urlaub. Aber er trennt nicht so genau zwischen Freizeit und all den Anfragen, die sein Bürgermeisteramt mit sich bringt. Daheim im Ortsteil Weislitz, dort wo er vom Lieblingsplatz auf der Terrasse eine dunkelrote Rose im Blick hat und das aufgeschlagene Buch noch auf dem Tisch liegt, stellt er ohne einen Hauch von Bedauern fest, "wenn man da ist, ist man da".

"Fast schon anrüchig"


Hans Graßl war da, als 1996 in Dieterskirchen gewählt wurde, er hielt die Stellung 2002, 2008 und 2014. "Am spannendsten war die erste Wahl, da wurde ich noch als Außenseiter gehandelt und hab dann doch überraschend klar mit über 60 Prozent gewonnen", erinnert sich der 61-Jährige. Bei den jüngsten Wahlen waren es über 90 Prozent, die für ihn stimmten. "Das ist fast schon ein anrüchiges Ergebnis", meint er mit einem Schmunzeln, "aber es ist sicher auch ein Verdienst des gesamten Gemeinderats."

Wenn er an seine Anfangszeit zurück denkt, dann fällt ihm spontan die Krawatte ein. "Am schlimmsten war, dass ich gemeint hab', ich müsste eine tragen. Aber das war nicht ich, so hab' ich mich nie wohlgefühlt", gesteht der Bürgermeister. Erst nach und nach hat er sich getraut, sie wegzulassen. Nur für Trauungen, die zu seinen liebsten Amtshandlungen gehören, will er nicht auf das formale Accessoire verzichten. Und haben die Ehen dann auch so gut gehalten wie ein Krawattenknoten? "Nicht alle", räumt Graßl ein, "aber die meisten".

Ob mit oder ohne Krawatte, heftig war der Einstieg in die Kommunalpolitik, als beim Thema Wasserversorgung die Emotionen hochkochten. "Ich habe immer versucht, alles sachlich abzuhandeln", erklärt der 61-Jährige und denkt dabei auch an die Diskussion über Mobilfunk. Und dann gibt es noch die Angelegenheiten, die "für vieles entschädigen": der Bau der Sternwarte mit Planetarium beispielsweise.

Nicht immer persönlich


"Am Anfang dachte ich, dass man als Bürgermeister für alles zuständig ist", erinnert sich Graßl. Da habe er sich auch aufs Schlichten von Nachbarschaftsstreitigkeiten eingelassen - "bis ich gemerkt habe, dass ich plötzlich für alle der Böse bin". Inzwischen ist er vorsichtiger. "Man muss auch lernen, dass vieles, was als persönlicher Angriff rüberkommt gar nicht so gemeint ist", hat er festgestellt. Generell ist er auch nach 20 Jahren überzeugt: "Bürgermeister zu sein ist ein schöner Job, wo man viele Freiheiten hat und einiges bewegen kann."

Dabei war und ist die Politik nicht Graßls einziges Betätigungsfeld. An vier Tagen in der Woche unterrichtet der Vater von vier erwachsenen Töchtern an der Mittelschule Neunburg. Eine Kollision gab es da für ihn nicht, im Gegenteil: "Jeder hat beruflich mal ein Tief. Mich hat da die Bürgermeisterei eher rausgezogen, weil man sich da entfalten kann." Und nichts beflügelt mehr, als ein abgeschlossenes Projekt. "Das ist positiver Stress, das gibt wieder Power", ist der Rathaus-Chef überzeugt.

Prognose schwierig


Aktuell schwebt ihm für Dieterskirchen eine Bestandsaufnahme vor. Was gut ist, was fehlt und was sinnvoll ist, möchte er gern zusammen mit den Bürgern eruieren. "Dabei kann man vielleicht noch Leute aktivieren, die sich einbringen können", überlegt er. Und wird er selbst sich bei den nächsten Kommunalwahlen noch einmal als Bürgermeister-Kandidat einbringen? Da will sich der Rathaus-Chef jetzt auf keinen Fall festlegen und zitiert mit einem breiten Lächeln Karl Valentin: "Prognosen sind schwierig - besonders, wenn sie die Zukunft betreffen."

Jeder hat beruflich mal ein Tief. Mich hat da die Bürgermeisterei eher rausgezogen, weil man sich da entfalten kann.Bürgermeister Hans Graßl
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