Gesprächsabend "Frauen in der Kommunalpolitik"
Alles andere als Quotenfrauen

Als kommunalpolitische "Power-Frauen mit Kämpferherz" für ihre Heimat und ihre Mitbürger zeigten sich (von links) Gemeinde- und Kreisrätin Bettina Bihler, Neunburgs Zweite Bürgermeisterin Margit Reichl, Bürgermeisterin Sonja Meier (Winklarn), Gemeinderätin Angelika Portner aus Dieterskirchen und die Neunburger Stadträtin Verena Binder. Bild: frd
Politik
Dieterskirchen
20.02.2016
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In Dieterskirchen soll die Kommunalpolitik weiblicher werden. "Wir wollen, dass mehr Frauen die Gemeinde verantwortlich mitgestalten", betont CSU-Ortsvorsitzender Richard Brunner. Als Motivationshilfe schildern fünf "Polit-Damen" - von Gemeinde- über Kreisrätin bis hin zur Bürgermeisterin - ihren Werdegang.

Im Vergleich zum Bundestag mit 36,5 Prozent Frauenanteil und kommunalen Gremien mit 25 Prozent Frauenquote, hat die Gemeinde Nachholbedarf: Unter 13 Ratsmitgliedern ist aktuell Angelika Portner die einzige Frau. "Da haben wir noch Luft nach oben", stellt Bürgermeister Hans Graßl beim Gesprächsabend "Frauen in der Kommunalpolitik" fest.

Das Thema hat enorme Zugkraft: Viele Interessierte, darunter mehr als doppelt so viele Frauen wie Männer, kommen ins "Hexenhäusl". Für Richard Brunner, Vorsitzender des veranstaltenden CSU-Ortsverbandes, ein Anzeichen dafür, dass sich das weibliche Geschlecht durchaus für Kommunalpolitik begeistern lässt. Der Zeitpunkt zwischen den Wahlen sei ideal, um das Thema zu beackern, denn da könnte niemand unterstellen, dass die Parteien schon wieder auf "Kandidaten-Fang" wären.

Spezieller Blickwinkel


Graßl und Brunner betonen, dass es in den Ratsgremien längst keine reinen Männer- oder Frauenthemen mehr gibt. Aspekte wie demografischer Wandel, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sozialer Zusammenhalt, Integration oder Breitbandausbau gehen alle an. Und dazu brauche es auch die Kompetenz, die Lebenserfahrung und den speziellen Blickwinkel von Frauen.

Im Anschluss schildern fünf engagierte Damen ihre Erfahrungen in der Politik. Sonja Meier, die 2014 zur Bürgermeisterin von Winklarn gewählt worden war, hatte sich zuerst mit der Frage "Wie geht Politik überhaupt?" befassen müssen, da sie zuvor nicht im Gemeinderat war. Auch der Rückhalt der Familie spielte bei diesem Schritt eine große Rolle. Mittlerweile hat sie aber festgestellt, dass es durchaus kein Nachteil gewesen sei, "unbelastet" in die Politik einzusteigen. Und in Sachen "Frauen-Quote" nimmt Winklarn einen Sonderstatus ein: Im 13 Köpfe zählenden Gemeinderat sitzen 4 Frauen, 2 davon fungieren als Meiers Stellvertreterin - eine komplett weibliche Gemeindespitze also.

Seit 14 Jahren schon gehört Margit Reichl, Zweite Bürgermeisterin in Neunburg, dem Stadtrat an. Sie sei damals von ihrer Kandidatur regelrecht überrumpelt worden, schildert sie, als sie "ihr Einverständnis voraussetzend" einfach auf die Liste gesetzt wurde. Doch die Zeit im Rat und ihr Ehrenamt als stellvertretende Bürgermeisterin hätten ihre Persönlichkeit gestärkt. Mit Wohlwollen nimmt sie einen Satz auf, den Bürgermeister Graßl anmerkt: "Wenn Du etwas gesagt haben willst, dann sag es einem Mann, wenn du aber etwas getan haben willst, dann sag es einer Frau"." Das sei ganz in ihrem Sinn.

Über die Junge Union kam Bettina Bihler, Gemeinderätin in Wackersdorf, Kreisrätin und JU-Kreisvorsitzende, in die Kommunalpolitik. Sie vertritt die Ansicht, dass Politik nicht nur mit Arbeit verbunden sein, sondern das Engagement auch Spaß machen solle. Sie ist überzeugt, dass junge Leute in den Gremien viel bewegen können, wenn erstmal der häufig gehörte Einwand "das war schon immer so" überwunden ist.

Als Kind empfand es die Neunburger Stadträtin Verena Binder als ungerecht, dass in ihrer Heimatpfarrei nur Buben ministrieren durften. Damals setzte sie sich zusammen mit einer Gruppe anderer Mädchen erfolgreich dafür ein, dass auch sie Altardienst übernehmen dürfen. So habe sie gemerkt, dass sich Vieles erreichen lässt, wenn man sich dafür einsetzt. Über die JU erfolgte später der Einstieg in die Kommunalpolitik, seit 2011 gehört sie dem Stadtrat an.

Auch Frauen wählen


Ganz und gar nicht als Quotenfrau unter acht Männern sieht sich die Dieterskirchener Gemeinderätin Angelika Portner. Die frühere Wirtstochter und langjährige Vorsitzende des Frauenbundes habe sich durch Einsatz in der Pfarrei und ihre berufliche Arbeit einen großen Bekanntheitsgrad erworben. Ihre Erfahrungen bringe sie in den Rat ein, in dem sie sich durch die Männer respektiert fühle. Sie mahnte zur Solidarität: Wenn die Gremien weiblicher werden sollen, müssten Frauen auch noch verstärkt Frauen wählen. Am Ende sind nicht nur die anwesenden Damen davon überzeugt, dass den Gremien noch mehr solche "Polit-Power-Frauen" gut täten.

Zitate"Es macht mir viel Spaß, die Ansichten und Belange der jüngeren Generation in den Kommunalparlamenten zu vertreten."

Bettina Bihler (Wackersdorf), Gemeinde- und Kreisrätin.

"Die Arbeit im Stadtrat und das Ehrenamt als Zweite Bürgermeisterin haben meine Persönlichkeit gestärkt. Es macht Spaß, die Kommunalpolitik mitzugestalten."

Margit Reichl (Seebarn), Zweite Bürgermeisterin in Neunburg.

"Ich verfolge das Ziel, meine Heimatgemeinde voranzubringen und für die Bürger ein Umfeld zu schaffen, in dem sie sich wohl und daheim fühlen können."

Sonja Meier, Bürgermeisterin aus Winklarn.

"Von den Männern im Gemeinderat wird mir viel Respekt entgegengebracht. Es bereitet Freude, die Heimatgemeinde zum Wohle der Bürger mitgestalten zu können."

Angelika Portner, Gemeinderätin aus Dieterskirchen.

"Ich habe es als große Ehre empfunden, schon in jungen Jahren für den Stadtrat kandidieren zu dürfen. Im Stadtrat bringe ich mich vor allem für die Anliegen der jungen Generation und der Familien ein."

Verena Binder, Stadträtin aus Neunburg. (frd)
Wenn Du etwas gesagt haben willst, dann sag es einem Mann, wenn du aber etwas getan haben willst, dann sag es einer FrauBürgemeister Hans Graßl
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