Milchmarkt fordert Handeln

MdB Karl Holmeier blickt von oben auf den modern eingerichteten Kuhstall. "Hier wird Tierschutz und artgerechte Tierhaltung praktiziert", war bei der Besichtigung durch die CSU-Politiker und Landwirtskollegen immer wieder zu hören. Den Kühen, die jederzeit ins Freie können, ist anzusehen, dass sie sich wohlfühlen, was sich auch auf die Milchleistung niederschlägt. Bilder: frd (2)
Wirtschaft
Dieterskirchen
22.07.2016
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MdB Karl Holmeier (von rechts) und CSU-Ortsvorsitzender Richard Brunner waren fasziniert von der perfekten Technik im Melkstand, die Milchbauer Markus Schwendner (links) erläuterte.

10 000 Euro kostet ein Liegeplatz für eine Kuh. Landwirte, die in einen neuen Stall investiert haben, kämpfen nun mit niedrigen Milchpreisen. Markus Schwendner hat 120 Kühe und öffnete die Türen für eine Fachdiskussion des CSU-Ortsverbandes.

-Bach. Landwirt Markus Schwendner und seiner Familie macht der Beruf Landwirt immer noch Spaß - und das trotz all der von außen erzeugten Problematiken. Mit einem modern eingerichteten Stall für rund 120 Kühe wurde in Bach in die Zukunft investiert. Davon machten sich auf Einladung des CSU-Ortsverbandes Dieterskirchen Bundestagsabgeordneter Karl Holmeier und viele Milchbauern aus der Region ein Bild.

Fasziniert waren Holmeier und die gesamte Delegation vom bestens organisierten Ablauf im Stall, der über den Bildschirm im Büro oder vom Handy aus ständig überwacht werden kann. An die Melk-Computer haben sich die Kühe längst gewöhnt, da sie hier von großen Bürsten sogar "Streicheleinheiten" bekommen.

Nach der Stallbesichtigung, die bei den Besuchern viele positive Eindrücke hinterließ, ging es ins Gasthaus "Alter Wirt", wo CSU-Ortsvorsitzender Richard Brunner auch Georg Müller, Geschäftsführer Beschaffung, von den Naabtaler Milchwerke begrüßte. Dieser nahm - nach einem Grußwort von Bürgermeister Hans Graßl - ausführlich Stellung zur Situation aus Sicht der Milchwerke.

Ziel aller müsse es sein, so Müller, das Thema Milch gemeinsam "in den Griff" zu bekommen, wobei das gegenseitige Vertrauen von Milcherzeugern und Milchwerken eine große Rolle spiele. Schließlich seien beide in irgendeiner Form aufeinander angewiesen. Müsse sich der Landwirt auf feste Preise bei der Abnahme verlassen können, so sind die Naabtaler Milchwerke, mit ihren 400 Mitarbeitern und einer Verarbeitung von 700 Millionen Kilogramm Milch im Jahr, auf eine zuverlässige und konstante Lieferung angewiesen.

Immerhin sei von seinen Milchwerken in den vergangenen Jahren ein durchschnittlicher Milchpreis von 33 Cent/Liter bezahlt worden. Im ersten Halbjahr 2016 lag der Milchpreis bei 27,5 Cent/Liter, womit ein Tiefpunkt erreicht sei. Da die Märkte zusammengebrochen sind, steht der Milchpreis wieder in der Diskussion der Verbände. Die Bundesregierung habe die Bauern mit etlichen Millionen Euro an Subventionen unterstützt, nachdem viele um ihre Existenz bangen müssen, seit der Milchpreis unter dem Erzeugerpreis liegt.

Im weiteren Verlauf des Abends nahm auch der Stimmkreisabgeordnete, MdB Karl Holmeier Stellung. Seiner Ansicht nach müsse es vorrangiges Ziel sein, wieder Liquidität auf die Höfe zu bringen, da viele Milcherzeuger nicht mehr in der Lage sind, die laufenden Kosten zu decken und sich die Hausbanken zunehmend zurückziehen. Aus diesem Grund müsse es einen Schulterschluss mit der EU geben und weitere EU-Liquiditätsprogramme folgen. Die Bundesregierung setze sich mit Zuschüssen für die Unfallversicherung, Bürgschaftsprogrammen von Bund und Land und steuerlichen Erleichterungen dafür ein, wieder mehr Geld auf die Höfe zu bringen. Aber auch die Bauern selbst seien gefordert, da zu viel Milch am Markt die Balance zwischen Angebot und Nachfrage störe. So sei mit dem Agrarmarkt-Strukturgesetz beschlossen worden, dass sich die Bauern zu Branchenorganisationen zusammenschließen und Vereinbarungen für allgemeinverbindlich erklären können, was auch genutzt werden sollte. Folgen müsse eine mittelfristige Schärfung des Wettbewerbsrechts und ein Nachhaltigkeitsprogramm, da seitens der Politik nur ein kleiner Spielraum zur Minderung von Auflagen bleibe.

Derzeit stünden zwar Soforthilfemaßnahmen im Mittelpunkt, doch in Zukunft müssten Erzeuger und Vermarkter einen gemeinsamen Weg mit der Gesellschaft gehen, so Holmeier.
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