Bei der Ebermannsdorfer Theatergruppe bebt der Saal
Ruhestand als Drama mit Lachgarantie

Mitten im Chaos (von links): Michael Elsner (Erwin Hirsch), Georg Feuerer (Ludwig Brand) und Sigi König (Rentner). Dann kommt auch noch Marianne Widenbauer (Sekretärin) mit einem neuen Gast, Josef Götz, anstatt ihrem ehemaligen Chef und seinen Freunden aus der Patsche zu helfen. Bild: wec
Kultur
Ebermannsdorf
23.03.2016
24
0

Die voll besetzte Mehrzweckhalle bebte, als die Ebermannsdorfer Theatergruppe zur Abschiedsfeier für Julius Klein, Neurentner wider Willen, einlud. Eines war unmöglich an diesem Premierenabend - auch nur fünf Minuten lang ernst zu bleiben. Die Theatergruppe um Franz Pfab zeigte mit ihrem neuen Stück "Ruhestand - und plötzlich war die Ruhe weg" aus der Feder von Regina Rösch, dass es nicht für jeden Menschen gleich erfreulich ist, in selbigen einzutreten.

Mit der Firma verheiratet


Das Publikum erlebte das unausweichliche Schicksal von Julius Klein, der von der tragenden Säule in seiner Firma, mit der er 43 Jahre lang "verheiratet" war, zum Rentner mutiert, dem diese Rolle große Probleme bereitet. Die Figur des ewig nörgelnden und alles besser wissenden früheren Geschäftsmannes erfüllte Siegfried König geradezu unheimlich authentisch mit Leben. Dass er von seiner Gattin Theres als Nur-Hausfrau und Betreiberin einer kleinen Pension nicht allzu viel bis gar nichts hielt, erwähnte er in beinahe jedem Satz.

Aber er wäre ja nicht jahrzehntelang erfolgreich im Job gewesen, wenn er dieses Wissen nun nicht auch zu Hause an die Frau bringen könnte. Deshalb, her mit dem Medienkoffer, drei Mal täglich das Gehirn aufwirbeln - also Brainstorming machen und politisch korrekte Entscheidungen treffen. Diese dann aber in Chefmanier ablehnen und nach eigenem Gusto neu formulieren. Dabei hatten Julius' Freunde Ludwig und Erwin ganz andere - und viel lustigere - Pläne mit dem Neu-Ruheständler.

Gebannt lauschten die Zuhörer den gefühlten Kilometern an Texten, die Sigi König als Rentner wider Willen scheinbar mühelos und sprudelnd wie ein Wildbach von sich gab. Die Kombination mit seinen Spezln Ludwig und Erwin, alias Georg Feuerer und Michael Elsner, zündete ein Feuerwerk an Pointen. Allein die Mimik und das ganze Gestell eines Michael Elsner bedurften keiner großen Worte, um die Leute zum Lachen zu bringen.

Ordentlich Temperament


Sabine Deinzer, die bedauernswerte Neu-Rentnersgattin Theres Klein, bewies große Geduld und einen klugen Kopf, verkörperte die Rolle der missachteten Hausfrau fantastisch und fuhr zum rechten Zeitpunkt die Krallen aus, wenn sich Frau Schlüpfer, die langjährige Sekretärin ihres Gatten, allzu intensiv um dessen Wünsche und Forderungen kümmerte. Claudia Lorenz-Pfab hauchte der resoluten Gattin des armen Ludwig Brand ordentlich Temperament ein.

Auch Verena Weigl bewies großes Talent in ihrer Rolle als Gisela Hirsch. Marianne Widenbauer ließ als unterwürfige Chefsekretärin keinen Zweifel daran, dass sie ihrem bisherigen Herrn und Meister bis in alle Ewigkeit aufopferungsvoll dienen würde. Mit jugendlichem Schwung und trockenem Humor glänzte Versuchsschwiegersohn Stefan, den Reiner Rohrwild mit Bravour und Lockerheit verkörperte. Zusammen mit seinem Herzerl Renate, gespielt von Corina König, sorgte er dafür, dass sein potenzieller Schwiegervater Julius und dessen dicken Freunde schmerzhaft zugeben mussten, dass "das bisschen Haushalt" doch nicht so einfach ist, wie immer behauptet.

Die witzigen Dialoge und Handlungen waren so realistisch vom Leben abgekupfert, dass immer wieder spontaner Szenenapplaus und großes Gelächter erklangen. Offensichtlich konnten sich die Zuschauer sehr gut in die Rollen der Männer und Frauen auf der Bühne hineinversetzen und fanden sich bestätigt.

Viele feine Spezialeffekte, gepaart mit einigen verblüffenden Überraschungsmomenten, waren Sahnehäubchen in diesem Drama mit Lachgarantie. Als es schließlich ein unverhofftes Ende fand, donnerte der Applaus für die hervorragenden Darsteller durch den Saal.

Weitere AufführungenWeitere Vorstellungen der Ebermannsdorfer Theatergruppe laufen im Domcom am Ostersonntag/-montag, 27./ 28. März, sowie Freitag/Samstag, 1./2. April. Karten für acht Euro gibt es bei der Gemeindeverwaltung oder an der Abendkasse. (wec)
Weitere Beiträge zu den Themen: Theater (265)Theatergruppe Ebermannsdorf (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.