Palestrina-Ensemble singt Liebeserklärungen
Das Publikum lauscht atemlos

Der Palestrina-Chor wurde von Flötistinnen perfekt begleitet. Bild: wec
Kultur
Ebermannsdorf
16.03.2016
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Für Christel Wawra, die Leiterin des Chor-Ensembles Palestrina, war das Konzert mit dem Titel "Liebeserklärungen" in der Aula der Grundschule beinahe ein Heimspiel. War sie doch vor 14 Jahren als Organistin und Leiterin des Kirchenchores in der katholischen Pfarrei Bruder Konrad angestellt.

Im zweiten Anlauf


Christine Schormüller hatte schon im vergangenen Jahr das Ensemble, das seit elf Jahren in der Pfarrei Dreifaltigkeit in Amberg zu Hause ist, eingeladen. Ihr war es ein besonderes Anliegen, als Ortsheimatpflegerin und aktive Sängerin den Ebermannsdorfern diese ganz besondere Art von Gesang und Musik aus der Renaissancezeit nahezubringen. Im vergangenen Jahr war der Auftritt krankheitsbedingt ausgefallen. Nun war die Aula dafür sehr gut besucht.

Die Zuhörer beeindruckt


Vier der Sängerinnen beherrschen auch das Blockflöten-Spiel in unterschiedlichen Tonlagen perfekt. Sie eröffneten den Abend mit einem Menuett aus dem frühen 17. Jahrhundert. Das Flötenquartett mit dem Namen Block-Shocks spielte im Wechsel mit dem Palestrina-Ensemble, teilweise auch begleitend zum Gesang. Die neun Frauen und vier Männer, die vielstimmige Madrigale in einer wunderbar aufeinander abgestimmten Chorkomposition zu Gehör brachten, beeindruckten die Zuhörer durch perfekte und saubere Klänge. Die Texte der vorwiegend in der Renaissance geschriebenen Lieder handeln von Liebeserklärungen an die Musik - "ohne die alles nichts wäre", wie schon Wolfgang Amadeus Mozart wusste - aber auch von der Liebe selbst und den vier Jahreszeiten.

Das Madrigal ist ursprünglich eine sehr freie Gedichtform, die als Textgrundlage für eine Komposition dient und meist weltliche Themen beinhaltet. Das geistliche Pendant dazu ist die Motette. Anders, als man es für gewöhnlich von Chören kennt, sind die Lieder sehr komplex durchkomponiert und werden mit viel emotionalem Ausdruck wiedergegeben. Die lautmalerischen Effekte der Sänger sorgten beim atemlos lauschenden Publikum für eine beinahe andächtige Atmosphäre.

Wie bei Aschenbrödel


Ein Schmunzeln riefen zuweilen die alten deutschen Wörter und Formulierungen der gesungenen Geschichten hervor. Genauso wie die englischen Lieder, bei denen man sich mit geschlossenen Augen beinahe in einem altehrwürdigen englischen Königshaus ferner Jahrhunderte wähnte. Auch hier bestachen die sehr emotional wiedergegebenen Klänge - so unterschiedlich und doch so harmonisch im Einklang. Und beim Spiel des Blockflötenquartetts in kammermusikalischem Rahmen sah man vor seinem inneren Auge den Prinzen mit Aschenbrödel durch den Ballsaal tanzen.

Gemeinsam singend beendeten alle Anwesenden den Abend mit dem Lied "Der Mond ist aufgegangen". Bürgermeister Josef Gilch dankte Ensemble-Leiterin Christel Wawra mit einem Blumenstrauß. Er lud sie und ihre Sänger bereits jetzt ein, bei der Wiedereröffnung der alten Schlosskirche, nach deren Renovierung in ungefähr drei Jahren, den musikalischen Part zu übernehmen. Der Applaus des Publikums bekräftigte seine Lobesworte.
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