Sanierung der Johanneskirche kommt voran
Überraschung unterm Dach

Momentan ist die Johanneskirche in Ebermannsdorf eingerüstet: Die Sanierung des Kleinods kommt gut voran.
Kultur
Ebermannsdorf
24.05.2016
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Als das Mansarddach abgedeckt war, kam hinter der Lattung Bruchsteinmauerwerk zum Vorschein. Eigentlich hatte man hier einen Dachstuhl erwartet. Die stattdessen entdeckte Mauer gibt sonst bei Oberpfälzer Kirchen so nicht. Bilder: wec (2)

Als das Dach der Johanneskirche abgedeckt war, war die Überraschung groß: Anstelle des erwarteten Gebälks kam unter der Lattung eine Bruchsteinmauer zum Vorschein. Etwas, was es bei anderen Oberpfälzer Kirchen so nicht gibt.

Das ist nur eine Besonderheit der Ebermannsdorfer Schlosskirche Johannes Baptist. Sie gilt als ein herausragendes Baudenkmal von nationalem Rang, als barockes Kleinod, das einmalig und kunsthistorisch bedeutsam ist. Doch die Substanz hat schwer gelitten: Das Gotteshaus muss dringend saniert werden.

Seit Jahresanfang läuft's


Die Kirchenstiftung Ebermannsdorf hatte in der Vorbereitung dieses Mammutprojekts viele Anträge auf Unterstützung gestellt - nicht nur beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, bei der Diözese Regensburg und beim Denkmalschutzprogramm des Bundestages, sondern auch bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz Berlin, der Bayerischen Landesstiftung und der Gemeinde Ebermannsdorf. Zu Beginn dieses Jahres kam endlich das erlösende Schreiben aus der Finanzverwaltung der Diözese mit der offiziellen Genehmigung, den ersten Bauabschnitt, die Außensanierung, zu beginnen. Das Landesamt für Denkmalpflege in München hatte schon Ende vergangenen Jahres grünes Licht dazu gegeben.

Schädlinge sind ein Thema


Bevor die Bauarbeiter anrückten, packten aber erst einmal die Mitglieder der Kirchenverwaltung und des Pfarrgemeinderats an: Sie sagten mit Besen und Schaufel den Hinterlassenschaften von Holzwürmern und Spinnen den Kampf an. Den tatsächlichen, akuten Schädlingsbefall ermitteln inzwischen Fachleute, die dann die passende Methode zur Bekämpfung auswählen. Durch die komplett durchfeuchteten Wände der alten Schlosskirche St. Johannes wurden außer dem Mauerwerk auch die Innenausstattung und der Dachstuhl in Mitleidenschaft gezogen. Ziel ist es, das Wasser künftig von den Mauern fernzuhalten. Dazu wurden zunächst die Fundamente freigelegt. Dann wurde eine 30 Zentimeter dicke Lehmschicht an der Außenseite angebracht und im Verbund mit weiterem Füllmaterial festgestampft.

Lehm lässt Mauer atmen


Dieses Verfahren sei derzeit in der Denkmalpflege üblich, erklärten die Architekten Michael Dittmann aus Amberg und Friedrich Roskamp vom Landesamt für Denkmalpflege: Dadurch könne das Mauerwerk noch "atmen". Über die kapillaren Kräfte werde die Feuchtigkeit aus der Mauer nach draußen abgegeben.

Mitte März wurde trotz Schneefalls der Lehm angeliefert. Damit konnten die Arbeiter der Baufirma Reim & Kraus aus Schirmitz, die dieses Verfahren auch schon am Kloster Speinshart angewandt haben, beginnen. Mitte der Karwoche waren das gesamte freigelegte Fundament auf ganzer Höhe mit dem Lehm versehen, das Material verdichtet und der Graben wieder geschlossen. Auch alle notwendigen Installationen konnten bis dahin verlegt werden.

Ein Gerüst für den Turm


Ab Anfang April stellten die Arbeiter das Gerüst für die Außensanierung von Dach, Fenstergittern, Wänden, Turmuhr und Schallläden der Glocken auf. Seit Mitte April kümmern sich die Zimmerleute um das Dach. Der Turm wurde mit einer freitragenden Konstruktion umgeben, damit er frei zugänglich bearbeitet werden kann und der Dachstuhl nicht belastet wird. Die zuständigen Sachverständigen der Diözese haben den Glockenstuhl begutachtet. Danach wurde der Kran aufgestellt und die Restauratoren untersuchten die Außenwände, um Erkenntnisse über Putz und Farben zu gewinnen.

Mittlerweile schreiten die Zimmererarbeiten kontinuierlich voran: Balken für Balken wird der Dachstuhl begutachtet und repariert.

Viele Bürger engagieren sichSeit vielen Jahren engagieren sich Bürger in verschiedenen Konstellationen dafür, mit unterschiedlichen Projekten Spendengelder für die Renovierung der Johanneskirche zu sammeln.

Die wahrscheinlich einträglichste Einzelaktion war das Freilichttheaterstück Max und Moritz mit all seinen Nebenschauplätzen. Hier kamen bis zum heutigen Tag an die 18 000 Euro zusammen.

Der Historische Verein organisierte den Verkauf von Patenschaftsanteilen des Altarbildes und brachte damit bereits ein schönes Sümmchen ein (www.altarbild-johanneskirche.de).

Nach dem Motto "Kleinvieh macht auch Mist" purzelte in der Adventszeit durch den Verkauf von allerlei Selbstgebasteltem und Gebackenem, durch die Sterntaler-Aktionen bei der romantischen Weihnacht unter der Burg und auch durch den Verkauf der Sterntalerkalender mit Bildern aus dem ganzen Gemeindebereich ein Euro nach dem anderen in die Spendenkasse.

Insgesamt sind durch diese Aktivitäten schon über 82 000 Euro zusammengekommen. Dieses entschlossene Engagement von Privatpersonen, Gruppen, Gremien und Vereinen beeindruckte auch die offiziellen Stellen in Regensburg, München und Berlin. (wec)


Im BlickpunktZur großen Freude der Kirchenverwaltung beschloss der Ebermannsdorfer Gemeinderat im Februar, die Sanierung der Johanneskirche zu unterstützen - mit 50 000 Euro, verteilt auf drei Jahre. Einen Tag später besichtigte Dr. Peter Schabe, der Projektleiter bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, das Gotteshaus. Er war so angetan von dessen Einzigartigkeit, dass er zusagte, für beide Bauabschnitte insgesamt 50 000 Euro bereitzustellen.

So erhielt die Johanneskirche innerhalb von 24 Stunden 100 000 Euro an Zuwendungen, was außer den Mitgliedern der Kirchenstiftung auch Bürgermeister Josef Gilch und Ortsheimatpflegerin Christine Schormüller freute. Genau so viel hat dieser Tage auch die Bayerische Landesstiftung zugesagt.

Für Sanierung sind insgesamt Kosten von 1,3 Millionen Euro angesetzt. Diese sind durch die Zuschüsse soweit abgedeckt, dass die Kirchenstiftung noch ungefähr 150 000 Euro selbst aufbringen muss. Die 82 000 Euro aus der Spendenkasse (weiterer Bericht unten) werden hier sinnvollen Einsatz finden. Nach wie vor besteht das Angebot von Diplom-Restaurator Prof. Erwin Emmerling, das Altarbild an der TU München zu restaurieren. Dieses kann, wenn die Schädlingsbekämpfung des Rahmens abgeschlossen ist, nach München in Emmerlings Werkstatt gebracht werden. (wec)
1 Kommentar
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Mario Kick aus Regensburg | 26.05.2016 | 00:22  
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