Kerle dürfen auch mal stinken

Lokales
Ebermannsdorf
23.11.2015
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Dass sie es gern bunt mögen, war nicht nur am Banner im Hintergrund zu lesen, es zog sich als farbenfroher Faden durch den Abend - nicht nur optisch, sondern auch akustisch, emotional. Die Raith-Schwestern und "da Blaimer" aus dem Chamer Kreis erzielten mit ihrem Programm im ausverkauften DomCom eine Punktlandung.

Ganz ohne aufgesetzte Showdramatik, dafür mit natürlichem Witz und Charme begeisterten die Schwestern, Tanja und Susi Raith, und ihre drei Männer - einer davon der Ehemann von Tanja, Andi Blaimer - von der ersten Minute an. Mit Max Seelos am Schlagzeug und Marco Klement am Bass stellten sie zwei "Granaten" vor, die sie als hochkarätige Begleiter für ihr Programm gefunden haben. Durch den Abend führte - sympathisch und in tiefstem Oberpfälzer Dialekt - die ältere der beiden, Tanja. Ihre neckische Drohung, dass der Zuschauer in den folgenden zwei Stunden alles über ihr bisheriges Leben erfahren wird, erwies sich als nicht ganz gelogen.

Mit zoderte Hoar

Dass nicht nur sie aus einer Zeit stammt, in der es weder Handys noch Computer, geschweige denn Internet gab, ließ sie sich gerne aus der ersten Reihe bestätigen. Im Fokus ihrer Anekdoten fanden sich "der Sepp", seines Zeichens Bürgermeister der Gemeinde Ebermannsdorf, und "der Jens" - ein "ganz ein braver Kerl", den sich Tanjas Mutter gern zum Schwiegersohn gewünscht hätte. Der Andi Blaimer jedoch, liebevoll "Schnuckel" genannt, den sich Tanja als Ehemann ausgesucht hat, ist so ein ganz anderer. Mit hüftlangen, schneeweißen, "zoderte Hoar"- "ein Brackl von einem Mannsbild", begleitet er sie nicht nur seit 23 Jahren als ihr Partner, sondern auch als wichtige Komponente auf der Bühne. Nach seinen Aussagen sorgt ein Alkoholpflaster, das er sich vor dem Auftritt auf den Rücken geklebt hat, bei ihm für beste Stimmung auf der Bühne und für spontane Nüchternheit danach für die Heimfahrt.

Verschmitzt tröstet er die Geschlechtsgenossen mit seinem "Männer-Mutmach-Lied". Schließlich werden sie ja durch den stetig sinkenden Testosteronspiegel permanent geschwächt und haben keine Chance mehr bei "rundum garnierten und auffrisierten Frauen".

Noch Diamantene

Die ganze Lebensanschauung der Raith-Schwestern, in erster Linie von Tanja präsentiert und von ihrer Schwester Susi nur gelegentlich "pfurztrocken" kommentiert, legt nahe, dass sie noch nie auf die "verweichlichten, blankrasierten Waschlappen von heute" standen. Ihre Kerle durften überall am Körper Haare haben, sie durften auch mal stinken und benutzten statt Deo die Fichte aus dem Vorgarten als Dufterfrischer.

Mit ihrer Ballade "Alloa is im Himmel net schön" sangen sie von einer Generation, in der andere Werte zählten, in der man noch diamantene Hochzeit feierte - "damals ham's no repariert und net glei wegg'schmissen!".

Zwischen den nicht aufgesetzt wirkenden Geschichten aus dem Leben der Schwestern begeisterten diese mit selbst geschriebenen Liedern aus kraftvollen Kehlen und ganz viel Herzblut. Ihre kräftigen Stimmen, die mühelos in jeder Tonlage für Gänsehaut sorgten, ließ die Zuhörer beinahe andächtig lauschen. Obwohl die Lieder keinesfalls leise oder verhalten sind, sondern vielmehr einen genialen Sound verbreiteten, hat man das Gefühl, dass kein Mucks die fantastische Stimmung stören möchte. Auch die Texte, in tiefstem Oberpfälzisch gesungen, gingen unter die Haut. Umrahmt von farbenfroher, angenehmer Beleuchtung erwies sich der ganze Abend als echter Genuss - ein Glücksgriff von Organisator Erich Meidinger. Für Bewirtung sorgten Fußballerinnen der SpVgg.
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