Späte Rechnung hat ihren Preis

Da der Unterhalt der Pittersberger Kläranlage immer kostspieliger wird, müssen die Eigentümer der angeschlossenen Anwesen mehr als die Verdoppelung der bisherigen Verbrauchsgebühr hinnehmen. Und allzu zukunftsweisend sieht dieses Klärbecken auch nicht mehr aus. Bild: Huber
Lokales
Ebermannsdorf
11.08.2015
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In Pittersberg steigt die Abwassergebühr rückwirkend zum 1. Januar von 0,90 auf 2 Euro pro Kubikmeter. Das ist heftig, aber hausgemacht und trifft in abgemilderter Form auf ganz Ebermannsdorf zu.

(zm) Bürgermeister Josef Gilch gönnt sich zu Ferienbeginn etwas Urlaub, also muss sein geschäftsleitender Beamter herhalten, und Albert Aschenbrenner spricht Klartext. Da gebe es nichts zu beschönigen, die Verbrauchsgebühren beim Trink- und Abwasser steigen kräftig, das sei aber unumgänglich gewesen.

Die Reaktion eines Betroffenen per Mail an die AZ: "Wir (...) zahlen nun insgesamt 4,34 Euro/m³!!!", entrüstet er sich. Stimmt, lautet die Antwort, wenn auch es im Detail geringfügige Abweichungen gibt. Anfang Juli hat der Gemeinderat die kräftige Kostensteigerung beschlossen. Sie lenkt nun das Augenmerk auf einen in der Lokalpolitik gerne nicht allzu deutlich angesprochenen Umstand.

Oft angesprochen

Der Preis fürs Trink- sowie Abwasser stellt eine Gebühr dar, und gebührenfinanzierte öffentliche Dienstleistungen müssen laut der einschlägigen rechtlichen Vorgaben kostendeckend arbeiten. Passiert das nicht, kommt es früher oder später umso dicker. "Wir haben das seit dem letzten Herbst immer wieder öffentlich diskutiert und auch in Bürgerversammlungen angesprochen", kommentiert Aschenbrenner die Entwicklung bis zu dem jetzigen Gemeinderatsbeschluss. Doch die jährliche Unterdeckung beim Wasser wie Abwasser habe sich zuletzt auf jeweils rund 60 000 Euro summiert. Das sei bei einer Größenordnung von Ebermannsdorf nicht verkraftbar.

Grundsätzlich stehen den Kommunen besonders nach Modernisierungs-Investitionen zwei Wege der Finanzierung von gebührenfinanzierten Etats offen: Sie erheben Beiträge als Einmalzahlung oder wählen den Weg über höhere Gebühren. Ebermannsdorf entschied sich für die zweite Variante und das auch nur zögerlich. Der im gesamten Gemeindegebiet (außer Diebis und Ipflheim) geltende Trinkwasserpreis liegt jetzt bei 2,34 Euro pro Kubikmeter. Bisher waren es 1,60 Euro. Doch das, sei nach Investitionen in die Versorgungseinrichtungen (2004 bis 2008) schon "ein politischer Preis", sprich niedrigerer als benötigter Preis, gewesen, sagt Aschenbrennen. Bereits 2011 hatte die Verwaltung den heutigen Satz für notwendig erachtet.

Nicht überall gleich

Etwas komplizierter wird es beim Abwasser. In den kleinen Ortsteilen gibt es Hauskläranlagen, für deren Kosten die Eigentümer in vollem Umfang selbst aufkommen müssen, Gebühren spielen dort keine Rolle. Ebermannsdorf betreibt eine mechanisch-biologische Anlage, Pittersberg eine rein biologische mit Absetzbecken. Die müssen laut Verwaltung aufgrund ihrer Betriebsdauer inzwischen jährlich von Klärschlamm befreit werden, das kostet 20 000 Euro. Deshalb der deutliche Aufschlag auf 2 Euro pro Kubikmeter.

Verlässliche Vergleichsdaten zu Kommunen ähnlicher Größenordnungen in der Region gibt es nicht. Zu unterschiedlich sind die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort. Allerdings sind besonders in dörflichen Gegenden die Ver- und Entsorgungseinrichtungen in die Jahre gekommen. Immer öfter sehen sich Zweckverbände und Gemeinderäte gezwungen, diese Themen auf die Tagesordnung zu setzen.

Das bedeutet meist, dass hohe Investitionen fällig werden. Früher oder später stellt sich dann auch dort die Frage nach Gebührenerhöhungen oder der Erhebung von Sonderbeiträgen. Trink- und Abwasser, dessen ist sich Aschenbrenner bewusst, gebe es in ganz Ebermannsdorf beileibe nicht mehr zum Schnäppchenpreis. Überteuert seien die jetzigen Kosten aber keineswegs, sondern gerade einmal angemessen.
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