Archäologe Dr. Mathias Hensch berichtet über Ausgrabungen in Amberg und Kümmersbruck
Über Geheimnisse und Schätze

Das Landesamt für Denkmalpflege ist im Industriegebiet Schafhof Ost auf der Suche nach alten Meiler. Es bedient sich dabei der Hilfe der Ebermannsdorfer Köhler. Bilder: wec (2)
Vermischtes
Ebermannsdorf
23.10.2016
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Dr. Mathias Hensch beim Vortrag mit seiner Bilderpräsentation von den Ausgrabungen.

Bei seinen Ausgrabungen stieß der Archäologe Dr. Mathias Hensch in Kümmersbruck und Amberg auf völlig neue, bisher weitgehend unbekannte Schätze der Oberpfälzer Geschichte. Im DomCom stellte er seine Ergebnisse bei einem sehr interessanten Vortrags mit dem Titel "Kohle und Eisen in unserer Region - das Ruhrgebiet des Mittelalters" einem breiten Publikum vor.

Bürgermeister Josef Gilch begrüßte ihn und zahlreiche Gäste. Hensch erfüllte die Erwartungen bestens und berichtete sowohl vom Beginn des Abbaus, wie auch von der anschließenden Verhüttung in der Region und der vor Ort betriebenen Weiterverarbeitung zu hochwertigen Eisenprodukten, die bislang weitgehend im Dunklen lagen.

Er lieferte Beweise, dass schon ab der späten Merowinger-Zeit, also ab dem siebten Jahrhundert, Montantätigkeiten in der Region, damals noch mit Rennöfen - wie man sie bei den Ausgrabungen im Amberger Drillingsfeld fand - und frühen Grubenmeilern nachgewiesen werden können. Bei diesen wurde eine Grube ausgehoben, darin dann das Holz verschwelt und zu Holzkohle umgewandelt. Erst ab dem fünfzehnten Jahrhundert setzten sich immer mehr die Erdmeiler durch, so wie sie die Ebermannsdorfer Köhler jedes Jahr betreiben.

Frühe Besiedlung


Einer der Grubenmeiler, der beim Neubau der AS 23 von Ebermannsdorf zur Vilstalstraße freigelegt wurde, dürfte nach neuesten C14-Untersuchungen aus dem neunten oder zehnten Jahrhundert stammen. Dieser über tausend Jahre alte Meiler sei Beleg für eine frühe Besiedlung des Ebermannsdorfer Gebietes im frühen Mittelalter.

Neben Erzreichtum war die Verfügbarkeit von Holz und Wasser in großen Mengen ein entscheidendes Kriterium für das frühe Montanwesen. Ab der Karolingerzeit fand die Gewinnung von Bodenschätzen überwiegend im grundherrschaftlichen Rahmen statt. Frühere Ausgrabungen in Sulzbach und Hahnbach bestätigen die Vermutung, dass im achten und neunten Jahrhundert unter anderem wohl auch Waffen, wie Schwerter und Kettenhemden hergestellt wurden. Die gewonnenen Erze wurden zumeist vor Ort verhüttet, was damals zur Köhlerei in der näheren Umgebung der Verhüttungsplätze führte. So kam es in unserem Raum schon ab der Karolingerzeit zu einer ausgeprägten Rodung und teilweisen Erschöpfung der Waldbestände. Die Landschaft in unserer Region im 8./9. Jahrhundert unterschied sich daher sehr deutlich von der uns heute bekannten Topographie. Man muss sich vorstellen, dass zu jener Zeit viele weite freie Flächen - Felder, Äcker und Wiesen - und nur sehr geringe Waldbestände das Landschaftsbild prägten.

Reserven verbraucht


Den bisherigen Ausgrabungen nach zu urteilen, dürfte es im Raum Auerbach, Sulzbach und Amberg hunderte Plätze der Eisenverhüttung und Weiterverarbeitung von Eisen zeitgleich gegeben haben. Im neunten Jahrhundert brach die Produktion in Kümmersbruck plötzlich ab. Wahrscheinlich waren damals die Holzreserven schlicht und einfach verbraucht. Die Werkstätten wurden planmäßig abgebaut, alles, was wieder verwertbar war, wurde mitgenommen.

Potenzial aufdecken


Zum Abschluss hoffte Hensch, den zahlreichen und ausgesprochen interessiert lauschenden Gästen das Thema verständlich und in ansprechender Form nahegebracht zu haben, sowie den Wunsch nachhaltig und professionell weiter forschen zu können. Systematische Archäologie würde laut Hensch das enorme geschichtliche Potenzial aufdecken und bewahren helfen. Er befürchte, dass durch zunehmenden Siedlungsdruck ein Großteil der historischen Überlieferungen zerstört werden könnte.

Gilch bedankte sich - auch als Vorsitzender des Historischen Vereins Ebermannsdorf - bei dem Archäologen für den sehr aufschlussreichen Vortrag. Er versprach, in den nächsten Jahren mit den Ebermannsdorfer Köhlern einen Grubenmeiler, wie er vor tausend Jahren üblich war, auszuprobieren. Auch der Nachbau eines Rennofens stehe auf dem Plan.
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