Aufwendige Restaurierung
Altarbild behutsam abgenommen

Dr. Catharina Blänsdorf (links, Assistentin an der TU München), mit Helferinnen beim mühsamen Abkleben des Bildes mit leimgetränktem Spezialpapier/Japanpapier. Bilder: wec (2)
Vermischtes
Ebermannsdorf
28.09.2016
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Das Altarbild wird von der Wand abgenommen und alle helfen mit.

Rechtzeitig zum Abbau des Altarbildes in der Johanneskirche fanden sich auch die letzten Paten zur Finanzierung der Restauration des Werkes. Nun sind die notwendigen 25 000 Euro gesichert.

Josef Gilch verkündete dies stolz als Vorsitzender des Historischen Vereins direkt vor Ort in der momentanen Großbaustelle am Kirchberg. Seit Jahren schon hat sich der Verein die Unterstützung und Hilfe beim Erhalt von Kulturdenkmälern in der eigenen Gemeinde auf die Fahnen geschrieben. Die Rechnung der Mitglieder, das marode Altarbild virtuell in 100 Abschnitte zu unterteilen und für jedes davon einen Paten zu finden, der 250 Euro für die Restaurierung finanziert, ist nun tatsächlich aufgegangen.

Seit dem Morgen gesichert


Auch die Leiterin der Rettungsmaßnahme, Dr. Catharina Blänsdorf, freute sich über diese gute Nachricht. Sie hatte, zusammen mit ihrem Kollegen Alexander Grillparzer (beide sind Assistenten am Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungs-Wissenschaft der TU München) sowie weiteren Mitarbeitern bereits seit den frühen Morgenstunden das Bild gesichert. Zunächst wurde in einem aufwendigen Prozess das ganze Bild, das gut 3,5 Meter hoch und zwei Meter breit ist, mit Tausenden von zehn Zentimeter großen, quadratischen Stücken Japanpapier komplett abgedeckt - mit einem Spezialpapier, das durch die Beschaffenheit aus langen Fasern sich in Verbindung mit Flüssigkeit nicht wellt, und einem wässrig angerührten Leim.

"Dies bildet eine Schutzschicht und verhindert, dass die Ränder der stark ausgeprägten Risse, die das ganze Bild überziehen, beim Abnehmen von der Wand oder beim Transport weiteren Schaden nehmen", so die Restauratorin. Auch der vergoldete, stark beschädigte Rahmen, wurde so gesichert.

Dick eingepackt


Am nächsten Tag wurde das komplett versiegelte Bild samt Rahmen von der Wand unter dem Baldachin herausgeschwenkt, so dass es - quasi mit den Füßen voraus - aus dem Altarbereich manövriert werden konnte. Gemälde und Rahmen wurden vorsichtig mit Seidenpapier, dickem Flauschvlies und dünnen Platten aus dem Modellbau großflächig gepuffert, mit Folie fest eingewickelt und für einen sicheren Transport vorbereitet. Sowohl Bürgermeister Gilch als auch Kirchenpfleger Josef Beer und die Heimatpflegerin und Vertreterin der Kirchenverwaltung, Christine Schormüller, unterstützten die Arbeiten abwechselnd.

Blänsdorf stellte bereits während der Arbeit an dem Bild fest, dass sowohl auf der Leinwand, als auch am Rahmen bereits vor längerer Zeit Ausbesserungen vorgenommen worden sind. Eventuell wurde das Bild auch doubliert, was bedeuten würde, dass sich dahinter eine zweite Leinwand zur Stabilisierung der vorderen befindet. Diese könnte - neben den starken Klimaschwankungen in dem alten Gemäuer - ebenfalls ein Faktor für die derart starke Rissbildung sein.

Zum weiteren Vorgehen informierte Blänsdorf, dass das Gemälde zunächst aufgrund des starken Schädlingsbefalls einer längeren Begasung unterzogen wird. Voraussichtlich im Dezember wird es sein neues Domizil im Atelier am Lehrstuhl der TU in München beziehen.

Es wird dann Aufgabe eines Master-Studenten sein, herauszufinden, wie die Restaurierung am besten erfolgen kann. Auch Proben werden entnommen, um die Geschichte des Bildes nachvollziehen zu können.

Bis Ende 2018


Der Lehrstuhl werde den Arbeitsfortschritt online dokumentieren, so dass auch die Paten und anderen Interessierten diesen mitverfolgen können; wahrscheinlich über die Website des Historischen Vereins. Ende 2018 soll die Restaurierung des Altargemäldes abgeschlossen sein und dann wieder in der Johanneskirche aufgehängt werden können.
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